Strippenzieher und Normalos - der Thurgau widmet seinen Einwohnern eine Ausstellung

Die Sonderausstellung «­Thurgauer Köpfe – Tot oder lebendig» im Historischen Museum setzt Persönlichkeiten ins Zentrum. Start ist am 6. Juni.

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Der Kanton lanciert das Ausstellungsprojekt "Thurgauer Köpfe" in seinen verschiedenen Museen.

Der Kanton lanciert das Ausstellungsprojekt "Thurgauer Köpfe" in seinen verschiedenen Museen.

Bild: Reto Martin

(red) Ist es eine schillernde Persönlichkeit, das richtige Amt, der familiäre Hintergrund oder eine Anhäufung von Vermögen, die einen Kopf zu einem solchen machen? Vor 50 oder 100 Jahren standen die Chancen gut, dank einer dieser Komponenten zum Kopf zu werden. Im 21. Jahrhundert mit den sozialen Medien haben sich die Voraussetzungen verändert. Jede und jeder kann ein Kopf sein – so das Credo der heutigen Zeit.

Die Ausstellung im Alten Zeughaus Frauenfeld thematisiert diese Mechanismen in den verschiedenen Epochen von der Kantonsgründung 1803 bis in die Gegenwart und leitet Besucherinnen und Besucher durch die Zeitgeschichte der Häupter-Kürung im Thurgau.

Glasklar ist die Botschaft zu Beginn des Rundgangs: Wer ein Kopf sein will, muss sich inszenieren. Was früher privilegierten Kreisen mit Gemälden und Skulpturen vorbehalten war, wird ab 1900 massentauglich. Eine immer breitere Bevölkerungsschicht kann sich dank der Fotografie ablichten lassen, das Internet treibt diesen Demokratisierungsprozess voran.

Teil des gemeinsamen Projekts der Museen

Verschiedene Sektoren der Ausstellung widmen sich verschiednen Typen. Häberlin, Spuhler, Anderwert vertreten die Thurgauer «Machiavellis», die ihren Kopfstatus mit Hilfe von Macht zementieren. Die Einflüsterer und Strippenzieher dagegen stehen nicht im Rampenlicht, ihrem Einfluss tut dies keinen Abbruch. Idealisten und Individualisten sind die Meinungsmacher.

Thematisiert wird auch der 08/15-Mensch, der Normalo. Doch was heisst überhaupt normal? Die Ausstellung macht deutlich: Auch hier ist es die Gesellschaft, die den Begriff je nach Zeitgeist definiert.

«Thurgauer Köpfe – Tot oder lebendig» läuft von 6. Juni bis 18. Oktober 2020 im Alten Zeughaus Frauenfeld und ist Teil des Kooperationsprojekts «Thurgauer Köpfe. Ein Thema – sechs Museen» von Museen Thurgau. Begleitet wird diese Kooperation von museumsübergreifenden Angeboten.

www.museen.tg.ch