Streit an der Pädagogischen Hochschule Thurgau: Dozenten erzwingen eine Aussprache

Nach dem Rauswurf des Prorektors werfen Mitarbeiter der PH Thurgau dem Rektorat Diskussionsverweigerung vor.

Silvan Meile
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Die Pädagogische Hochschule Thurgau in Kreuzlingen. (Bild: Reto Martin)

Die Pädagogische Hochschule Thurgau in Kreuzlingen. (Bild: Reto Martin)

Die Pädagogische Hochschule Thurgau (PH) kommt nicht zur Ruhe. Schon wieder kursiert ein Brief, der auf eine schlechte Stimmung innerhalb der Bildungsinstitution hindeutet. 41 Mitarbeiter der Hochschule machen ihrem Unmut Luft, weil der Untersuchungsbericht über die umstrittene Freistellung eines Prorektors auch hochschulintern unter den Teppich gekehrt werde. Bereits das Büro des Thurgauer Grossen Rates entschied, die Ergebnisse der parlamentarischen Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GFK) nicht im Kantonsparlament zur Sprache zu bringen.

Die Gruppe von PH-Mitarbeitern, bei der sich nur ein Dozent zu erkennen gibt, stört sich daran, dass nun auch innerhalb der Hochschule keine Vollversammlung zu diesem Thema einberufen wird. Deshalb verfassten sie ein Protestschreiben:

«Das Rektorat verweigert kategorisch eine hochschulinterne öffentliche Diskussion des GFK-Berichts in Form eines Diskussionsforums.»

Adressat ist der Hochschulrat, je eine Kopie ging auch an Regierungsratspräsident Jakob Stark, Erziehungsdirektorin Monika Knill sowie die Hochschulleitung. Diese, so heisst es im Schreiben, habe im vergangenen Februar ein Diskussionsforum in Aussicht gestellt, sobald der Untersuchungsbericht vorliege. Diesen präsentierte GFK-Vizepräsident Domink Diezi Mitte September. Bis jetzt sei aber dieses Diskussionsforum verweigert worden, heisst es im Schreiben. Die Diskrepanz zwischen der Kommunikation der Hochschulleitung und des Hochschulrats einerseits sowie des GFK-Berichts sei aber «unerträglich gross».

Priska Sieber, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Priska Sieber, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Rektorin Priska Sieber sagt auf Anfrage, dass damals Diskussionsrunden zur gemeinsamen Gestaltung der Hochschule in Aussicht gestellt worden seien, nicht explizit zum GFK-Bericht. So hätten seit Februar auch «verschiedene Diskussionsgefässe in unterschiedlicher Zusammensetzung» stattgefunden, in denen aktuelle Themen der PH besprochen worden seien. Die Hochschulleitung fühle sich aber nicht zuständig, «formell zu einer Diskussion dieses Berichts einzuladen». Dieser richte sich primär an politische Instanzen.

Regierungsrätin Monika Knill.(Bild: Andrea Stalder)

Regierungsrätin Monika Knill.(Bild: Andrea Stalder)

Das Schreiben zeigt im Hochschulrat Wirkung

Regierungsrätin Monika Knill hält fest, dass zwischen Frühling und Spätsommer mit einem externen Berater bereits intensive Gespräche an der PH geführt worden seien. Dabei habe man in verschiedenen Gruppen auch Themenbereiche der Vergangenheit angesprochen und daraus Entwicklungen abgeleitet, um die Institution weiter zu bringen. Erst danach erschien der GFK-Bericht. Sie habe Verständnis, dass hier noch offene Fragen auftauchen. Deshalb stünden sie und der Hochschulrat, dem Knill angehört, der Forderung nach einer Diskussion positiv gegenüber. Absolut kein Verständnis hat die Regierungsrätin aber, dass dieses an den Hochschulrat adressierte Schreiben an diese Zeitung gelangte und nun öffentlich dazu Stellung bezogen werde.

Hans Munz, Präsident des Hochschulrates, bestätigt, dass das Schreiben im Hochschulrat etwas bewirkte.

«Wir haben die Anfrage am Donnerstag diskutiert und dieses Anliegen aufgenommen.»
Hans Munz, Präsident Hochschulrat. (Bild: Nana do Carmo)

Hans Munz, Präsident Hochschulrat. (Bild: Nana do Carmo)

Das heisse, dass ein Diskussionsforum, an dem intern offen über den GFK-Bericht diskutiert werden kann, organisiert werde. «Die genaue Form und der Zeitpunkt einer solchen Veranstaltung sind aber noch offen», sagt Munz. Von einem Kritikpunkt, der im Schreiben geäussert wird, die Akkreditierung der PH sei durch die aktuelle Krise gefährdet, distanziert sich der Hochschulpräsident deutlich. Dieser zeitintensive Prozess sei «völlig auf Kurs».

Bis Ende 2022 müssen sich die Schweizer Hochschulen ihren Platz in der Bildungslandschaft mit einer Akkreditierung bestätigen lassen. Zu diesem Prozess gehören auch Interviews mit Mitarbeitern, Studierenden, Führungspersonen und externen Partnern. Gutachter stellen der Hochschule nach Abschluss ein Zeugnis aus.

Die sofortige Freistellung von Prorektor Matthias Begemann hatte vor einem Jahr für Empörung gesorgt. Nach anfänglichem Zögern leitete die GFK eine Untersuchung ein. Dominik Diezi stellte am 18. September einen ausführlichen Untersuchungsbericht vor. Der selbstsichere Prorektor wurde zum Schutz der Rektorin entlassen. Bemühungen um eine andere Lösung seien zu wenig angegangen worden, hält der Bericht fest. Darin werden sowohl Hochschulratspräsident Hans Munz als auch Hochschulratsmitglied Matthias Mölleney und Rektorin Priska Sieber für ihr Verhalten kritisiert.