Strassenunterhalt
Der Thurgau gibt den Unterhalt von 200 Strassenkilometern ab und drückt trotzdem aufs Gaspedal für einen neuen Werkhof

Die Thurgauer Regierung hält an den Plänen eines neuen kantonalen Werkhofs in Amriswil fest. Gleichzeitig will er sein eigenes Strassennetz auf Kosten der Gemeinden massiv reduzieren. Das nährt den Widerstand.

Silvan Meile
Merken
Drucken
Teilen
Auf der grünen Wiese neben der alten Käserei Schrofen, wo BLS und OLS dereinst zusammenfinden sollen, will der Kanton einen Werkhof bauen.

Auf der grünen Wiese neben der alten Käserei Schrofen, wo BLS und OLS dereinst zusammenfinden sollen, will der Kanton einen Werkhof bauen.

Bild: Reto Martin

200 Kilometer Strassen will der Kanton an die Gemeinden abtreten. Dadurch verringert sich das Thurgauer Netz an Kantonsstrassen von 740 auf 540 Kilometer und senkt für den Kanton auch den Aufwand von Unterhaltsarbeiten. Gleichzeitig plant das kantonale Departement für Bau und Umwelt, den im Jahr 1974 gebauten kantonalen Werkhof in Kesswil auszumustern und durch einen Neubau in Amriswil zu ersetzen. «Braucht es wirklich noch vier Werkhöfe?», wirft deshalb FDP-Kantonsrat Andreas Opprecht in einer Einfachen Anfrage an die Regierung die Frage auf.

Der Kanton hält trotz seiner Pläne eines reduzierten Kantonsstrassennetzes an vier Werkhöfen fest, wie es in der Beantwortung des Vorstosses heisst. Denn vorgesehen sei, dass Strassen mit «einer untergeordneten Bedeutung und verhältnismässig tiefen Frequenzen» an die Gemeinden abgetreten werden. «Die aufwendiger zu betreibenden Abschnitte mit hohem Verkehrsaufkommen und dementsprechend mehr Unterhaltsaufwand verbleiben in der Zuständigkeit des Kantons.»

Personalkosten sinken, nicht aber der Fahrzeugbestand

Komme die Bereinigung des Strassennetzes wie geplant zu Stande, könne aber der Personalbestand beim kantonalen Tiefbauamt von heute 135 Mitarbeitenden um acht Personen reduziert werden. Ausserdem müssten weniger Arbeiten wie Reinigungen, Markierungen oder Winterdienst an Dritte erteilt werden, wodurch ebenfalls Kosten eingespart würden.

«Die bisherigen Gerätschaften für den Betrieb werden jedoch weiterhin benötigt», schreibt die Regierung weiter. Dafür brauche es auch künftig einen vierten Werkhof. Bereits heute seien etwa Geräte und Maschinen für den Winterdienst in einer Bootshalle in Uttwil und Walzen in Egnach eingelagert, «was insbesondere im Zusammenhang mit Wartungsarbeiten ineffizient ist». Dieses Problem würde der Werkhof in Amriswil lösen.

Der Sieger aus dem Architekturwettbewerb steht bereits fest

Die Argumente aus dem Regierungsgebäude überzeugen Kantonsrat Opprecht nicht. Dass der Kanton einerseits 200 Kilometer Strassen abgeben will – was der Grosse Rat noch beschliessen soll – und anderseits «den neuen Werkhof Vollgas weiter plant», stimmt für ihn nicht. Seinen Vorstoss reichte er zusammen mit Walter Knöpfli (SVP, Kesswil) und Peter Schenk (EDU, Zihlschlacht) ein.

FDP-Kantonsrat Andreas Opprecht.

FDP-Kantonsrat Andreas Opprecht.

Bild: PD

Der Kanton hat schon viel vorgespurt für seinen neuen Werkhof. Im Westen von Amriswil, in Schrofen, ist er geplant. Genau dort soll dereinst die Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) auf die Oberlandstrasse (OLS) treffen. Ein Architekturwettbewerb ist bereits abgeschlossen. Im Februar gab der Kanton das Siegerprojekt bekannt. Unklar bleibt, wie viele Millionen der Neubau kosten wird. Derzeit wird ein Bauprojekt mit Kostenvoranschlag zuhanden des Grossen Rates ausgearbeitet. 2024 soll der neue Werkhof bezogen werden und jenen in Kesswil ablösen.

Im Parlament war bereits Gegenwind spürbar

Ursprünglich plante der Kanton, den bestehenden Werkhof in Kesswil auszubauen. Das Projekt scheiterte an einer Umzonung. Danach schwenkte der Kanton auf einen Neubau in Amriswil um. Das wurde im Parlament von Anfang an kritisch begleitet, etwa durch SVP-Kantonsrat Knöpfli. Damit ist er nicht allein, wie die Diskussion im Grossen Rat aufgrund einer Interpellation aus Knöpflis Feder vom Februar 2020 verdeutlichte.

So sieht der Innenhof des geplanten kantonalen Werkhofs in Amriswil aus.

So sieht der Innenhof des geplanten kantonalen Werkhofs in Amriswil aus.

Bild: PD

Die Sprecher mehrerer Parteien stellten damals die Frage, ob nicht Synergien mit dem nahe gelegenen kantonalen Werkhof in Sulgen zu prüfen seien. Die zuständige Regierungsrätin Carmen Haag sagte damals, dass 200 Strassenkilometer pro Werkhof eine ideale Grösse sei. Kantonsrat Opprecht wundert sich nun. Mit der vom Kanton angestrebten Netzbereinigung wäre dieser nur noch für 541 Kilometer zuständig. Und dennoch halte die Regierung an vier Werkhöfen fest.

Etwas Synergien können nun aber doch noch genutzt werden. In Bezug auf die Fahrzeugwerkstatt wolle man die beiden Werkhöfe Amriswil und Sulgen zusammenlegen, schreibt der Regierungsrat nun. «Die Fahrzeugwerkstatt in Sulgen soll deshalb künftig auch die Fahrzeuge des neuen Werkhofes in Amriswil unterhalten.» Würde jedoch der ganze heutige Werkhof Kesswil in Sulgen integriert werden, «müsste der Standort in Sulgen baulich praktisch verdoppelt werden».