Stoffmuster von Stimmungen in der Stadtgalerie Baliere in Frauenfeld

Ein halbes Jahr hat Stefan Rutishauser intensiv gemalt, an die siebzig Bilder. Jetzt zeigt er sie in der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere. Skulpturen sind keine dabei, obwohl die Räume sich durchaus dafür eignen.

Dieter Langhart
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Der Regler an der Wand war im Weg – flugs schnitt Stefan Rutishauser ein Stück des Rahmenkreuzes heraus. (Bild: Dieter Langhart)

Der Regler an der Wand war im Weg – flugs schnitt Stefan Rutishauser ein Stück des Rahmenkreuzes heraus. (Bild: Dieter Langhart)

«Ich hatte viel Zeit zum Malen», sagt Stefan Rutishauser, der zurzeit keinem Brotjob nachgeht und sich ganz der Kunst widmet. Seit September hat er auf Teufel komm raus gemalt, hat Leinwände aufgezogen, Farben gemischt. Hat sich an die inspirierenden zwei Wochen erinnert, die er mit seiner Frau im bunten Italien verbracht hat – nicht zum ersten Mal.

«Ich war einfach da, habe die Farben gespürt und die Stimmungen aufgenommen.»

Und aus diesen Stimmungen sind wieder Farben geworden, Farben, die Stefan Rutishauser in Streifen bindet. Früher waren es meist Horizonte, heute zieht er die Vertikale vor, die das fein Fliessende unterstreicht; bisweilen setzt er einen Querbalken drüber.

Die Farben stehen stets im Kontrast zueinander: hell und dunkel, warm und kühl, leuchtend und stumpf, im Streifen breit oder schmal aufgetragen. Sechs, sieben Farben kehren immer wieder, andere kommen selten vor – aber rein sind sie nie. Schicht um Schicht trägt Rutishauser die Acryllasuren auf, doch er muss aufpassen, dass es nicht zu viele werden und so den Farbton zunichtemachen.

Und fast immer ist Asche im Spiel. Sie gibt den Bildern eine Stofflichkeit, fast Stumpfheit, und sie bricht die Farbe. Der Frauenfelder sammelt verschiedene Aschen, denn ihre «Farbigkeit» erhalten sie von der Brenntemperatur, nicht von der Baumart.

Von wirklichen Reisen und Reisen im Kopf

Stefan Rutishauser malt gern Serien von drei, vier, fünf Bildern im gleichen Format – wie Schattierungen oder Stoffmuster einer Stimmung. Unerschöpflich scheinen die Variationen, Langeweile kommt keine auf.

Die Nischen im ersten Stock der Baliere mag er nicht, hängt kleine Bilder hinein. Die Fenster verhängt er mit ganz grossen Tableaus oder verdeckt sie gar – der Raum soll in sich ruhen. Unten im Keller könnten Holzskulpturen stehen, wie er sie 2017 zuletzt im Sutter-Park in Münchwilen gezeigt hat, aber sie hätten zu wenig Raum zum Atmen. Stattdessen weitere Bilder, erdiger die Töne, in wunderbarem Kontrast zu den rau gekalkten Wänden.

«Von der Möglichkeit, es zu tun oder es sein zu lassen, und der Reise durch Italien, die dann vielleicht doch nur im Kopf stattfand.»

So nennt Stefan Rutishauser seine Ausstellung. Er skizziert selten, wenn unterwegs, schreibt lieber. Aus seinen Texten wird er an zwei Freitagen und an der Finissage lesen.

Hinweis: Vernissage: Do, 7.3., 19 Uhr. Bis 31.3. Fr 17–20, Sa/So 14–18 Uhr

Künstler müssen sich austauschen

Der Frauenfelder Künstler Stefan Rutishauser hat 2008 sein Lager in eine Galerie umgewandelt und seither vier Ausstellungen pro Jahr ausgerichtet. Jetzt feiert er mit 25 Künstlern aus diesen sieben Jahren eben diese sieben Jahre.
Dieter Langhart