Stimmungsumfrage in Frauenfeld

Beizen-Lockdown: Von «Schlicht und einfach eine Frechheit» bis «Besser nochmals wie vergangenen Frühling»

Noch hat der Bundesrat nicht definitiv beschlossen, ob Gastrobetriebe pandemiebedingt bis Ende Februar geschlossen bleiben. So oder so bringen die Leute in Frauenfeld auf der Strasse dieser aktuell geltenden Massnahme wenig Verständnis entgegen.

Christoph Heer
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Die Tische in den Bars und Beizen bleiben aktuell leer.

Die Tische in den Bars und Beizen bleiben aktuell leer.

Bild: Reto Martin

Lockdown light ist aktuell angesagt. Restaurants, Bars, Clubs, Museen, Kulturbetriebe, Sport- und Freizeitanlagen: Alles ist wegen Corona geschlossen. Donnerstagnachmittag am Bahnhof Frauenfeld: Zu dieser Massnahme zur Eindämmung der Coronapandemie hat jede und jeder eine Meinung.

Dieter Schärer.

Dieter Schärer.

Bild: Christoph Heer

Zum Beispiel Dieter Schärer aus Frauenfeld. Er findet es schade, wie die Coronamassnahmen aktuell umgesetzt werden. «Sinnvoller wäre es, wenn der Bundesrat einen Komplett-Lockdown wie im vergangenen Frühling befehlen würde.» Insbesondere für die kleinen Wirtshäuser werde es sicher ganz schwierig werden.

«Überleben? Ohne Gewähr. Doch nicht nur die Beizer leiden, auch mir persönlich fehlt mein fast täglicher Besuch im Restaurant.»

Er freue sich schon jetzt, wenn er abends wieder für ein feines Essen in ein Restaurant einkehren könne.

Öffnen, aber mit Einschränkungen

Raphael Zehnder.

Raphael Zehnder.

Bild: Christoph Heer

«Ich denke, die grösseren und ehrgeizig geführten Restaurants überstehen diese Krise, die kleinen Betriebe jedoch werden es schwer haben.» Das sagt Raphael Zehnder aus Münchwilen. Eine Möglichkeit könne vielleicht auch sein, die Restaurants nur zu den Stosszeiten zu schliessen. Zum Beispiel eine Öffnung an den Nachmittagen, wenn nicht so viel los ist. Und zusätzlich mit Reservation.

«So könnten vielleicht Konkurse abgewendet werden.»
Erika Kaspar.

Erika Kaspar.

Bild: Christoph Heer

Dass es das eine oder andere Gasthaus «nehmen» wird, glaubt indes Erika Kaspar aus Stettfurt. «Was bringt ein Beizen-Lockdown, wenn gleichzeitig fast alle Verkaufsläden noch geöffnet haben? Da kommt man sich – auch mit Maske – unweigerlich zu nahe. Ich wäre für einen Komplett-Lockdown, und wenn sich die Zahlen dann massiv verbessern würden, könnte ich auch endlich wieder meine Lieblingsrestaurants besuchen.»

Vermisst wird die Gemütlichkeit

Klare Worte zum Beizen-Lockdown finden Marcel Hoppler und Erika Scheidegger, beide aus Frauenfeld.

Marcel Hoppler.

Marcel Hoppler.

Bild: Christoph Heer
«Schlicht und einfach eine Frechheit, was sich da der Bund leistet. Solch einschneidende Massnahmen treffen die Gastronomie brutal hart. Für die Dauer eines Monats hätte ich noch Verständnis, aber so? Nein, das geht nicht.»
Erika Scheidegger.

Erika Scheidegger.

Bild: Christoph Heer

Das sagt Marcel Hoppler und schüttelt den Kopf. Er geht noch weiter und sagt, dass vieles, was der Bundesrat entscheidet, lediglich das Ziel der Schikaniererei verfolge. «Man sollte sofort weniger auf Panikmacherei setzen und diese Maskenpflicht abschaffen, das bringt nämlich auch absolut nichts», sagt denn auch Erika Scheidegger. Sie beide geniessen oft das Zusammensitzen mit Freunden, immer wieder in der Gräbli-Bar in Frauenfeld. Hoppler sagt:

«Ich vermisse diese Zeit des Miteinanders.»

Etwas weniger energisch, aber doch gleicher Meinung sind Christina und Jenny aus Frauenfeld. Unisono sagen die beiden, dass man alles hätte runterfahren müssen.

Christina und Jenny.

Christina und Jenny.

Bild: Christoph Heer
«Wenn Lockdown, dann nicht nur die Beizen, sondern alles. So bringt es einfach nichts.»

Sie selber sind mit ihren Freunden mehr im privaten Bereich zusammen, so sind sie weniger vom Beizen-Lockdown betroffen. Christina sagt zudem, dass Corona eine «normale» Grippe sei.

Unverständnis bei Betroffenen

Denise Rohner und ihr Sohn Thimo aus Stettfurt finden die aktuellen Massnahmen ebenfalls schlecht.

«Wir erkennen den Sinn hinter dem Teil-Lockdown definitiv nicht. Nur schon die Tatsache, dass die Schulen noch geöffnet sind, macht das Ganze nicht verständlicher.»
Denise Rohner mit Sohn Thimo Rohner.

Denise Rohner mit Sohn Thimo Rohner.

Bild: Christoph Heer

Natürlich fehlten ihnen die Besuche in den Restaurants, der Austausch mit Freunden und der Genuss feiner Speisen, sagen sie. «Zudem bin ich als Tanzlehrerin und Geschäftsführerin des Tanzstudios ‹Tanzatelier W59› in Wil selber davon betroffen. Nur unter 16-Jährige dürfen momentan die Tanzschule noch besuchen, das ist schade», sagt Denise Rohner.