Stimmbürger von Tobel-Tägerschen sagen Ja zum Postacker-Kauf

Die Gemeinde kann dem Kanton die Parzelle Postacker abkaufen. Der Souverän
genehmigte den entsprechenden Kredit über 5,7 Millionen Franken.

Christof Lampart, Roman Scherrer
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Gemeindepräsident Rolf Bosshard erläutert den Kreditantrag zum Kauf der Parzelle Postacker. (Bild: Christof Lampart)

Gemeindepräsident Rolf Bosshard erläutert den Kreditantrag zum Kauf der Parzelle Postacker. (Bild: Christof Lampart)

Die Emotionen gingen am Montagabend im Foyer der Tobler Sekundarschule vor 115 Stimmberechtigten zeitweise ziemlich hoch. Etliche Einwohner begrüssten, dass Tobel-Tägerschen bei einem Ja zum Kredit von rund 5,67 Millionen Franken die Hoheit über die Entwicklung des Postacker-Areals erhielte. Einige äusserten sich aber kritisch zum Traktandum.

Gemeindepräsident Rolf Bosshard erläuterte, dass mit dem Kauf der 28'357 Quadratmeter grossen Parzelle ein «Schlüsselgelände» für die «strategische Stossrichtung im Rahmen der Ortsplanung» vom Kanton erworben werden könne. Der Kaufentscheid müsse aber jetzt fallen – denn Ende Mai laufe das Verkaufsangebot des Kantons ab. «Sagen wir heute Nein, verkauft der Kanton das Land an einen Investor, welcher eine hohe Dichte und Rendite in relativ kurzer Zeit anstrebt», sagte Bosshard.

Zu starke Belastung der Infrastruktur befürchtet

Dem Gemeinderat gehe es vor allem darum, auf dem Postacker eine Überbauung in Tranchen zu realisieren, damit die Infrastruktur etwa der Werke und Schule nicht innert kurzer Zeit zu stark belastet würde, erklärte Bosshard. Eine längerfristige Überbauung würde auch der interessierte Investor vorsehen, meldete sich alt Gemeindeammann Roland Kuttruff zu Wort. Beim Investor handle es sich um ein Baukonsortium mit Giuseppe Fent, der schon das «Zentrum Tobel» realisiert habe. Er habe einen Plan vorgelegt – für eine Überbauung in zehn bis 15 Jahren. Kutruff führte weitere Gründe an, weshalb er die Ablehnung des Kreditantrages empfahl, etwa die höhere Verschuldung der Gemeinde. Das könne man aber nicht einfach dem jetzigen Gemeinderat anlasten, entgegnete ein anderer Stimmbürger:

«Ein grosser Teil der Verschuldung stammt nämlich von Altlasten.»

Und obwohl der Postacker einer Gestaltunsplan-Pflicht unterliegt, überzeugte Gemeindepräsident Bosshard die Anwesenden mit dem Argument, dass «wir es mit dem Kauf des Postackers selbst in der Hand hätten, das neue Dorfzentrum mit dem Dorfmarkt und dem Gemeindehaus auf der gegenüberliegenden Seite zu stärken». Dafür brauche es verschiedene Investoren und Geldgeber, um hochwertigen, neuen Wohnraum entstehen zu lassen. Der Souverän hiess den Kredit schliesslich mit 71 Ja zu 20 Nein gut.

Der Postacker befindet sich im Dorfzentrum zwischen Bahngleis und Hauptstrasse. (Bild: Olaf Kühne)

Der Postacker befindet sich im Dorfzentrum zwischen Bahngleis und Hauptstrasse. (Bild: Olaf Kühne)

Strassensanierungen und Rechnung unbestritten

Unbestritten waren die übrigen Geschäfte. Die Kreditabrechnung zum Ersatz der Hauptwasserleitung Reservoir Chöller (182'200 Franken), die Kreditanträge für die Sanierungen der Höhen- (285'000 Franken) und der Wiesenstrasse (275'000 Franken) wurden einstimmig gutgeheissen. So auch der von Primarschulpräsident Bernhard Koller beantragte Nachtragskredit von 35'000 Franken für die Beschaffung einer neuen Informatik-Schülerumgebung. Diese sei notwendig, weil man nicht, wie ursprünglich vom Amt für Informatik zugesichert, die bestehende Netzwerkinfrastruktur nutzen konnte.

Keinerlei Opposition erwuchs der Jahresrechnung 2018, welche mit einem Defizit von 58'000 Franken besser als budgetiert (minus 178'000 Franken) ausfiel. Die Stimmbürger hiessen den Verlust ebenso gut wie das Minus bei den Technischen Werken, welches sich auf 80'600 Franken belief. Die Verluste werden dem jeweiligen Eigenkapital belastet.

Zu reden gab am Schluss das Votum eines Bürgers, wonach der Hartenauer Bach wegen eines zu kleinen Durchlasses oft seine Liegenschaft flute. Die Stimmbürger hiessen den entsprechenden Antrag gut, nun muss sich der Gemeinderat der Sache annehmen.

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