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Kommentar

Sticht der Trumpf-Buur gegen Greta?

Analyse zur Ausgangslage vor den Eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober im Kanton Thurgau von TZ-Chefredaktor David Angst.
David Angst
David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung».

David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung».

In weniger als zwei Monaten wird das Eidgenössische Parlament gewählt – und wie man hört, ist die SVP Thurgau nervös. Sie befürchtet, dass sie unter 37 Prozent fällt und von ihren drei Nationalratssitzen einen verliert.

Dass die SVP um ihren dritten Sitz zittert, ist nichts Neues. Das tut sie seit dem Tag, an dem sie ihn eroberte, also seit 20 Jahren. Mit ihren knapp 40 Prozent ist sie im Nationalrat mathematisch übervertreten – sie kann die Hälfte aller Sitze nur dank Listenverbindungen verteidigen, und bisher dank einer günstigen Proporzkonstellation.

Angesichts des Internetauftritts der SVP Thurgau könnte man schon fast zur Ansicht kommen, sie hätte den Kampf bereits aufgegeben. Die SVP wirbt dort mit dem Slogan «Unsere Trümpfe für Bern» und verlost eine Reise für zwei in die Bundesstadt.

Der dritte SVP-Sitz gehörte in den 70er- und 80er-Jahren der CVP und wurde ab 1987 wie ein Wanderpokal weitergereicht. Zuerst ging er für acht Jahre an die Grünen, dann an die Freiheitspartei. 1999 wirkte sich der Blocher-Effekt mit etwas Verspätung auch im Thurgau aus.

Noch ist der SVP-Sitz nicht verloren. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass der SVP ein Sitzverlust vorhergesagt würde. Bisher haben sich solche Prognosen jedes Mal als falsch erwiesen. Die SVP hat im Thurgau eine stabile Stammwählerschaft, die weniger anfällig ist auf Stimmungsschwankungen als anderswo. Die Listenverbindung mit der FDP und der EDU kann durchaus genug stark sein, um vier Sitze zu erzielen.

Aber die SVP hat zwei grosse Handicaps. Einerseits weist der nationale Trend gemäss Umfragen und kantonalen Wahlen nach unten. Und zweitens hat sie eher unerfahrenes Personal auf ihrer Liste. Als es vor vier Jahren darum ging, die Stimmen von Peter Spuhler zu ersetzen, stieg Hansjörg Walter noch einmal in die Hosen und half mit, den dritten Sitz zu retten. Vor zwei Jahren trat der ehemalige Bauernpräsident aber zurück. Und ebenso schmerzhaft: Der Thurgauer Bauernpräsident Markus Hausammann verzichtet auf eine Kandidatur.

Um die Metapher mit den Trümpfen für Bern aufzugreifen: Jeder weiss, dass der höchste Trumpf der Bauer ist. Seit Menschengedenken hat die SVP Thurgau mindestens einen solchen nach Bern beordert. Nun treten gleich beide Trumpf-Bauern – Walter und Hausammann – nicht mehr an.

Die Landjugend drängt zwar nach: Auf der SVP-Liste sind Daniel Vetterli (Landwirt aus Rheinklingen) und Manuel Strupler (Gartenbauer und Landwirt aus Weinfelden). Beide haben Chancen, Hausammanns und Walters Erbe anzutreten. Aber stechen die beiden Jungbauern gegen den Greta-Effekt?

Dank der Klimabewegung, ausgelöst durch die junge Schwedin Greta Thunberg, wittert die «rot-grüne Union» nämlich Morgenluft. Die Grünen und die Grünliberalen sind mit der SP eine Listenverbindung eingegangen. Dieses Trio hat das Potenzial für 27 Prozent – vielleicht sogar noch etwas mehr.

Ihre Trümpfe heissen Ueli Fisch (GLP) und Kurt Egger (GP). Delikat ist, dass diese beiden Parteien in den letzten Jahren etwa gleich stark waren, aber abwechselnd die Nase vorne hatten. Experten aus anderen Parteien sehen für den 20. Oktober die GLP leicht im Vorteil. Die gleichen Experten sagen voraus, dass die GLP (oder GP) den Sitz nur dann gewinnt, wenn die SVP unter 37 Prozent fällt.

Und die anderen? Bei der FDP ist Hansjörg Brunner vor zwei Jahren für Hermann Hess nachgerutscht. Die FDP wurde ja bis vor wenigen Monaten als Gewinnerin gehandelt. Seit der neuen grünen Welle im Frühjahr ist ihr Aktienkurs zwar wieder etwas gesunken. Der Präsident des Gewerbeverbandes sollte dennoch kein Problem haben, dank der Listenverbindung mit SVP und EDU den FDP-Sitz zu verteidigen.

Auch die CVP wird dank ihrer Listenverbindung mit der BDP und der EVP Christian Lohrs Sitz behalten. Und aufgeatmet hat auch die SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher – aber erst vor knapp drei Wochen. Seit die Grünen und die GLP beschlossen, mit der SP eine Listenverbindung zu machen, ist ihre Wiederwahl so gut wie sicher.

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