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Steuersünder: Rekord an Selbstanzeigen im Thurgau

Der automatische Informationsaustausch zeigt Wirkung: 2018 haben nochmals deutlich mehr Thurgauer Steuerpflichtige verheimlichtes Vermögen straffrei gemeldet. Für viele war es die letzte Chance.
Silvan Meile
Beim Steueramt führt der automatische Informationsaustausch zu Mehrarbeit. (Bild: Key/Christian Beutler)

Beim Steueramt führt der automatische Informationsaustausch zu Mehrarbeit. (Bild: Key/Christian Beutler)

Beim kantonalen Steueramt stapeln sich die Selbstanzeigen. Noch nie haben sich so viele Thurgauer Steuerpflichtige von sich aus gemeldet, weil sie in ihrer Steuererklärung gegenüber dem Staat nicht alles deklarierten, was deklariert werden muss.

«318 Selbstanzeigen gingen im vergangenen Jahr im Thurgau ein», sagt Jakob Rütsche, Chef der kantonalen Steuerverwaltung, auf Anfrage. Das sind doppelt so viele wie in einem durchschnittlichen Jahr. Jeweils rund 150 Personen zeigten sich bisher im Schnitt jährlich selber an, weil sie den Steuerbehörden Einkommen, Vermögen oder beides verheimlichten. Seit 2010 sind straffreie Selbstanzeigen möglich. Doch vieles ist nun nicht mehr straffrei.

Weit unter dem Schweizer Durchschnitt

Dass nun im vergangenen Jahr die Anzahl Selbstanzeigen deutlich angestiegen sind, ist dem automatischen Informationsaustausch geschuldet. Hauptsächlich Behörden europäischer Staaten melden sich gegenseitig Bankkonteninformationen von Steuerpflichtigen.

Solche Daten wurden im vergangenen Herbst zwischen den beteiligten Ländern erstmals ausgetauscht. Das hat in den Kantonen zu einem Anstieg an Selbstanzeigen geführt. Die 318 im Kanton Thurgau sind im interkantonalen Vergleich sehr wenig. «Schweizweit betrachtet ist diese Zahl weit, weit unter dem Durchschnitt», sagt Rütsche. Zum Vergleich: Alleine im Kanton Zürich wurden im 2018 insgesamt 7250 Selbstanzeigen gezählt.

Unterschiedlich hohe Bussen

Thurgauer Steuerpflichtige, die sich im vergangenen Jahr noch selber anzeigten, bevor der automatische Informationsaustausch nichtdeklarierte Werte aufdeckte, kommen noch straffrei davon. Wer aber dadurch auffliegt, bekommt von der Rechtsabteilung der Steuerbehörde eine Busse.

Chef der Steuerverwaltung Thurgau, Jakob Rütsche.

Chef der Steuerverwaltung Thurgau, Jakob Rütsche.

«In der Regel wird dann die zu bezahlende Busse gleich hoch angesetzt wie die nachzubezahlenden Steuern», sagt Rütsche. Stellen die Steuerbehörden aber eine kriminelle Energie fest, könne dies auch bis zu einer Verdreifachung des regulären Steuerbetrags führen.

11,8 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen

Die 318 Selbstanzeigen des Jahres 2018 führten im Thurgau zu aufgedecktem Vermögen von 168 Millionen Franken. Aus diesem ergeben sich zusätzliche Steuereinnahmen von 11,8 Millionen Franken. Auch das ist Rekord. Doch nur die Selbstanzeigen einzelner besonders vermögender Personen lassen diesen Betrag in die Höhe schnellen. Denn Rütsche merkt an, dass es sich in den meisten Fällen der jüngsten Selbstanzeigen um sehr kleine Werte handle.

Oft seien Konten mit kleinen Saldi von einigen Hundert oder wenigen Tausend Franken betroffen, die noch auf Banken von Nachbarstaaten oder in Herkunftsländern von Migranten existieren. Rütsche erklärt:

«Bei vielen haben diese Werte nicht einmal einen Einfluss auf die effektive Steuerrechnung.»

Einige wesentliche Selbstanzeigen werden aber noch für 2019 erwartet. Denn ab dem aktuellen Jahr greift der automatische Informationstausch auch zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein.

Viel Arbeit für das Steueramt

Nebst den Selbstanzeigen beschert der automatische Informationsaustausch den kantonalen Steuerämtern viel Arbeit. Denn er führt zu einer regelrechten Flut an Meldungen. «Der Bund hat dem Thurgauer Steueramt im vergangenen Dezember 68 000 Meldungen übermittelt», sagt Rütsche. Das sind Informationen über Finanzkonten von Personen, die im Thurgau steuerpflichtig sind.

Die Meldungen stammen aus den 38 Ländern, die sich gegenseitig zu dieser Steuertransparenz verpflichteten. Das Thurgauer Steueramt muss nun prüfen, ob die gemeldeten Werte auch tatsächlich versteuert beziehungsweise deklariert sind. Die Überprüfung werde mit der ordentlichen Bearbeitung der Steuererklärung der entsprechenden Person vorgenommen. «Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass etwa 98 Prozent deklariert sind», sagt Rütsche.

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