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HCT-Trainer Mair: «Vor einem Jahr war ich frustrierter»

Resultatmässig hinkt der HC Thurgau dem Erfolg aus dem Vorjahr noch hinterher. Headcoach Stephan Mair blickt jedoch optimistisch in die Zukunft. Auch weil er heuer mehr Spieler habe, die dem Teamgedanken folgten.
Matthias Hafen
Stephan Mair: «Wenn du als Trainer nachtragend bist, hast du den falschen Job.» (Bild: Andy Mueller/freshfocus, Weinfelden, 30. Oktober 2018)

Stephan Mair: «Wenn du als Trainer nachtragend bist, hast du den falschen Job.» (Bild: Andy Mueller/freshfocus, Weinfelden, 30. Oktober 2018)

Der HC Thurgau steht in der Woche der Wahrheit. Am Dienstagabend spielt er in Biasca gegen die Ticino Rockets und am Freitag in Winterthur. Nach den zwei Partien gegen die Tabellenletzten der Swiss League steht am Sonntag noch das Heimspiel gegen Langenthal an.

Stephan Mair, feiert der HC Thurgau schon jetzt Weihnachten?

Wie kommen Sie darauf?

Weil Ihr Team immer wieder Geschenke verteilt und so nach 15 Runden noch keinen Auswärtssieg aufweist.

Das ist leider so. Es ist nun an der Zeit, dass wir auch mal auswärts gewinnen. Aber ansonsten bin ich mit dem Ist-Zustand zufrieden. Wir haben zwar sieben Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison. Es könnte allerdings auch schlechter sein.

Wie kommen Sie zu diesem Eindruck?

Vielleicht war ich zu Beginn etwas zu optimistisch, was die Zeit betrifft, bis die guten Resultate kommen. Aber selbst in der Phase, als wir Letzte waren, haben wir an unseren Werten festgehalten und waren in den relevanten Statistiken im Mittelfeld der Liga platziert.

Warum war der HCT dann zeitweise Letzter?

Weil wir zu Beginn der Saison zu viele Strafen kassiert haben. Zudem folgten zweimal nach sehr guten Leistungen, wie den Siegen gegen Kloten oder gegen Winterthur, zwei sehr schlechte Spiele gegen die EVZ Academy und Langenthal. Da waren wir nicht bereit, zu kämpfen. Das ist inakzeptabel.

Zu welchem Schluss kommen Sie, wenn Sie Ihr aktuelles Team mit jenem der vergangenen Saison vergleichen?

Die beiden sind nicht vergleichbar. Man muss nach dem Abgang von Andri Spiller erst einmal 26 Tore eines Schweizer Spielers ersetzen – und diese Tore haben wir im Moment nicht. Einer wie Spiller kann dir auch mal aus einer halben Chance ein Tor machen. Aber so viele Schweizer Spieler gibt es nicht, die 20 Tore und mehr erzielen in der Swiss League. Auf der anderen Seite haben wir in dieser Saison mehr Spieler, die sich in unsere Struktur einfügen, die dem Teamgedanken mehr folgen, als es noch vergangene Saison der Fall war.

Das heisst?

Die Disziplin, sich an taktische Vorgaben zu halten, ist heuer besser als in der vergangenen Saison.

Gibt Ihnen das Zuversicht für den weiteren Saisonverlauf?

Normalerweise sind Mannschaften, die sich strikt an einen Gameplan halten, längerfristig erfolgreicher als solche, die Hauruck-Hockey spielen und so hie und da zu einem Exploit kommen. Das zeigt sich vor allem im späteren Verlauf der Saison, oder wenn man länger auf verletzte Schlüsselspieler verzichten muss. Wir haben ja zuletzt sechsmal ohne den amerikanischen Stürmer Kenny Ryan auskommen müssen und dreimal gewonnen.

Andere Clubs hätten aufgrund seiner Verletzung nach einem Ersatzausländer gesucht. Warum der HC Thurgau nicht?

Das stand nie zur Diskussion. Nicht in dieser Phase der Meisterschaft. Denn irgendwann kommt der verletzte Spieler zurück und dann hast du einen überzähligen Ausländer. Das bringt nur Unruhe. In der zweiten Saisonhälfte sieht es anders aus. Dann kann dir die Verletzung eines Schlüsselspielers unter Umständen die Arbeit einer ganzen Saison kaputtmachen, wenn du keinen Ersatz hast. Aber zum aktuellen Zeitpunkt finde ich die Verpflichtung eines zusätzlichen Ausländers wenig zielführend. Für solche Situationen haben wir ja ein grösseres Kader als vergangene Saison und die Zusammenarbeit mit Rapperswil-Jona aus der National League, die besser funktioniert als die Partnerschaft mit dem HC Davos.

Von Rapperswil-Jona kam für diese Zeit Josh Primeau zum HC Thurgau, ein Kanadier mit Schweizer Lizenz. Sowieso hatte man das Gefühl, dass Ihre Mannschaft Ryans Ausfall so gut wegsteckt. Weshalb?

Das liegt daran, dass wir eine klare Rollenverteilung innerhalb des Teams haben. Wenn Kenny Ryan ausfällt, verlange ich deswegen nicht von einem jungen Spieler, dass er sechs Tore schiesst. Jeder hat seine Aufgabe. Und das ist so konzipiert, dass man bei einem gewichtigen Ausfall die Reihen leicht umstellen kann und das Gefüge dennoch funktioniert.

Wann wird Kenny Ryan in die Aufstellung zurückkehren?

Er hat die vergangene Woche wieder mit uns trainiert. Aber beim Heilungsprozess müssen gewisse Zeiten eingehalten werden. Deshalb gehe ich davon aus, dass er am Dienstag in Biasca noch nicht spielen wird.

Im Moment steht der HC Thurgau auf Rang sieben. Auch, weil im bisherigen Saisonverlauf eine positive Entwicklung zu erkennen war. Wie haben Sie das geschafft?

Es ist wichtig, einer Mannschaft klare Strukturen zu vermitteln. Dazu gehört auch, dass man ihr auf dem Eis Automatismen beibringt. Als Trainer fordere ich diese im Training täglich ein. Immer und immer wieder. Meine Erfahrung über die Jahre ist, dass du spielst, wie du trainierst. Deshalb ist eine hohe Intensität im Training so wichtig. Wenn dir dort in hohem Tempo etwas gelingt, dann tust du dich im Spiel in einer ähnlichen Situation leichter. Aber wenn die Einstellung im Training lasch ist, gehst du auch lasch ins Spiel.

Wie steht es diesbezüglich um die Disziplin Ihrer Mannschaft?

Auch das ist ein Entwicklungsprozess, der Zeit braucht. Die aktuelle Mannschaft zeigt von der Einstellung her mehr Bereitschaft, das umzusetzen, was ich fordere. Sie erkennt die Relevanz, an Details zu arbeiten. Diesbezüglich war ich vor einem Jahr frustrierter, weil bestimmte Spieler immer wieder ihr eigenes Süppchen kochen wollten. Gerade die erfahrenen Spieler müssen bereit sein, die Vorgaben vom Trainer umzusetzen. Denn ihnen folgen ja die jungen Spieler.

Würden Sie sagen, Sie verlangen viel von den Spielern?

Ja. Ich bin sehr fordernd und penibel. Egal, ob im Training oder im Spiel. Ich versuche mich aber bewusst auch aus Dingen zu halten, ob das nun den Off-Ice-Teil betrifft oder das Goalietraining. Es ist wichtig, zu delegieren, auch damit die Spieler nicht immer meine Stimme hören. Ich kontrolliere sie nicht, wann sie essen und solche Dinge, ich erwarte da einen bestimmten Grad an Eigenverantwortung. Aber im Training sage ich, wo es langgeht und dort bin ich auch anspruchsvoll.

Führt das nicht auch zu Reibereien?

Immer mal wieder. Aber das ist auch ganz normal. Wenn du als Trainer nachtragend bist, dann hast du den falschen Job. Aus den Emotionen passiert manchmal etwas. Dann gibt es eine auf die Rübe, man verträgt sich wieder und geht den Weg gemeinsam weiter. Denn am Ende zählt nur der Erfolg des Teams.

Was halten Sie vom Powerplay Ihrer Mannschaft?

Damit bin ich noch nicht zufrieden. Obwohl wir eine Erfolgsquote von über 20 Prozent haben. Aber das zeigt mal wieder, wie unverlässlich gewisse Statistiken sind. In den entscheidenden Momenten muss unser Powerplay noch besser werden. Wir erzielen in Überzahl zwar schon Tore, aber wir müssen das vor allem tun, wenn das Spiel in der entscheidenden Phase ist, wenn es 2:2 steht. Das gelingt uns zu wenig.

Wird der Kampf um einen Playoff-Platz in dieser Saison schwieriger für den HCT?

Ich denke, wir werden heuer länger zu beissen haben als noch im vergangenen Winter. Aber das soll kein Grund sein, nicht einen fixen Platz oberhalb des Trennstrichs als Anspruch zu haben.

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