Stefan Geiges vs. Roland Geiges: Um einen Familienstreit geht's schon lange nicht mehr, dafür um unsachgemässen Kiesabbau in Warth-Weiningen und Berufsstolz

Causa Deponiehügel: Warth-Weiningens Kiesabbauer Karl Geiges AG, Espa und Hastag künden an, falls nötig die Rückbaukosten für den von Roland Geiges verursachten 18-Meter-Haufen zu übernehmen. Im gleichen Atemzug teilt Stefan Geiges gegen sein Bruder Roland Geiges.

Mathias Frei
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Zum Teil nicht zonenkonform in Landwirtschafts- und Waldzone: Der Deponieaushub-Hügel nördlich von Warth.

Zum Teil nicht zonenkonform in Landwirtschafts- und Waldzone: Der Deponieaushub-Hügel nördlich von Warth.

(Bild. Andrea Stalder)

«Ich weiss, ich bin manchmal kein Einfacher.» Stefan Geiges sagt das von sich. Er habe lange Hand geboten für eine Lösung, erklärt der aus Warth stammende Bauunternehmer und Kiesabbauer, der im Frauenfelder Gemeinderat politisiert und lange im Grossen Rat Einsitz hatte. Aber irgendwann war der Moment da, als es ihm den Hut gelupft hat.

Es geht um einen Hügel aus Kiesgrubenaushub, für dessen Beseitigung die Gemeinde Warth-Weiningen 900'000 Franken budgetiert hat. Es geht um unsachgemässen Kiesabbau, Berufsstolz und um zwei Brüder. Ein Streit zwischen zwei Brüdern – Stefan Geiges und Roland Geiges – ist das aber schon lange nicht mehr. Sagt Stefan Geiges. Und:

«Man kann nichts dafür, wenn ein Verwandter mit 150 km/h durch ein Dorf rast.»

Gemeinderat bleibt dem Anlass in globo fern

Stefan Geiges, Bauunternehmer und Kiesabbauer, Geschäftsführer Karl Geiges AG.

Stefan Geiges, Bauunternehmer und Kiesabbauer, Geschäftsführer Karl Geiges AG.

(Bild: PD)

Eine knappe Hundertschaft hört am Donnerstagabend Stefan Geiges’ Ausführungen zu. Er hat zu einer Infoveranstaltung nach Warth-Weiningen in die Mehrzweckhalle geladen. Der Gemeinderat von Warth-Weiningen hat sich in globo entschuldigt. Der Grund dafür: das laufende Verfahren. Roland Geiges ist auch nicht anwesend, kann entsprechend keine Stellung nehmen. «Wer noch nie mit diesem Thema zu tun hatte, hat das Gefühl: Das kann so gar nicht sein.» Der Geschäftsführer der Karl Geiges AG spricht mehrmals von «Eskalation» und:

«Das ist Hefenhofen 2.»

Wenn man Stefan Geiges an diesem Abend zuhört, ist Roland Geiges offenbar eine Person, die das Instrument des Rechtsmittels überstrapaziert, wenn nicht gar missbraucht. Jedes Verfahren zieht er mit Rekursen fast bis zur Unendlichkeit in die Länge. Und daraus ist eine fast schon unendliche Geschichte geworden. Aufgrund eines fehlerhaft formulierten Erbvertrags kommt Roland Geiges 2009 zu einer Kiesabbaubewilligung.

Im September 2010 deckt er erstmals Stefan Geiges’ Grube zu, weil der Abbau fahrlässig fehlerhaft und nicht konform erfolgt. Im Dezember des gleichen Jahres bekommt Roland Geiges den ersten Baustopp auferlegt. Ende Januar 2011 steht ein Vertrag für einen koordinierten Kiesabbau. Roland Geiges hält sich aber nicht daran. Im Dezember 2012 deckt Roland Geiges abermals die Grube seines Bruders zu. Der unsachgemässe Kiesabbau seitens Roland Geiges dauert an. Im Sommer 2013 bekommt dieser den zweiten Baustopp. Er deckt Stefan Geiges mit mehreren Strafanzeigen ein.

Alle Schlichtungsversuche blieben erfolglos

Nördlich von Warth befindet sich die besagte Kiesgrube.

Nördlich von Warth befindet sich die besagte Kiesgrube.

(Bild: Nana Do Carmo)

Für die Öffentlichkeit, vor allem für die Steuerzahler der Gemeinde Warth-Weiningen, ist der berühmt-berüchtigte Deponiehügel in der Kiesgrube nördlich von Warth das grosse Ärgernis. In der besagten Anlage bauen Roland Geiges und die Karl Geiges AG von Stefan Geiges nebeneinander Kies ab. Roland Geiges hat Aushub abgelegt, ein Teil des 18 Meter hohen Haufens liegt aber in Landwirtschafts- und Waldzone, was nicht zonenkonform ist. Dieser Teil des Hügels müsste also weg. Der Deponiehügel ist seit Frühling 2012 entstanden. Ab dem Jahr 2014 sei Roland Geiges mehrfach ermahnt worden, den rechtmässigen Zustand wieder herzustellen. Viele Einwohner hätten sich dafür eingesetzt, eine einvernehmliche Lösung zu finden. «Alles erfolglos.» 2018 hatte Stefan Geiges seinem Bruder 2018 angeboten, den Hügel auf eigene Kosten abzutragen. Als Entschädigung sollte er das Kies unter dem Hügel abbauen dürfen. Roland Geiges lehnte dies ab.

Der Gemeinderat von Warth-Weiningen hat erstmals im Budget 2019 einen Betrag von 900'000 Franken vorgesehen für den Abbau und Abtransport des Hügels. Wenn sie dann darf, muss die Gemeinde diese Massnahme vorfinanzieren. Aber eben: Auch dieses Verfahren läuft noch. Die Gemeinde wird diesen Betrag bei Roland Geiges einfordern, nötigenfalls über den Rechtsweg. Ob aber Roland Geiges zahlt, ist eine ganz andere Frage.

Ersatzvornahme kostet maximal 600'000 Franken

Stefan Geiges ist der Meinung, dass die Ersatzvornahme aufgrund der aktuellen Ausmasse nur noch maximal 600'000 Franken kosten wird. Und dann sagt er: «Falls Roland Geiges zahlungsunfähig wird und der Konkurs keine Aktiven hinterlässt, übernehmen die Kiesabbauer Karl Geiges AG, Espa und Hastag die Kosten für die Ersatzvornahme.» Das sei so abgesprochen.

Rony Wellauer, Espa.

Rony Wellauer, Espa.

(Bild: sbs)

Rony Wellauer und Sohn Oliver Wellauer von der Espa sind auch im Publikum. Stefan Geiges verspricht: «Die Einwohnerinnen und Einwohner von Warth-Weiningen zahlen die Ersatzvornahme definitiv nicht.» Wobei er erwähnt, dass er von seinem Bruder noch jeden Franken bekommen habe, den dieser ihm geschuldet hatte.

«Die Frage ist, wie gut der Anwalt der Gemeinde ist.»

Die Kiesabbauer wollten eine Bürgschaft abgeben, was aber nicht möglich gewesen sei. «Doch das Wort von Rony Wellauer und mir ist mehr wert als Papier», sagt Stefan Geiges. Er hat an diesem Abend aufgeklärt und Goodwill für die Kiesabbauer geschaffen.