Steckborns Stimmbürger sagen Ja trotz trügerischer Schönwetterlage

Das Steckborner Stimmvolk hat die Rechnung an der Urne klar genehmigt. Trotzdem bleiben offene Fragen.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
In Steckborn scheint zwar die Sonne. Am Horizont ziehen aber dunkle Wolken auf.

In Steckborn scheint zwar die Sonne. Am Horizont ziehen aber dunkle Wolken auf.

Bild: Reto Martin, 6. Mai 2019

Eitel Sonnenschein herrscht am Untersee. 83,5 Prozent der 2314 Stimmberechtigten in Steckborn haben am Sonntag der Jahresrechnung 2019 – pandemiebedingt an der Urne – zugestimmt. «Das positive Resultat freut mich», sagt Stadtpräsident Roman Pulfer.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn, FDP.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn, FDP.

Bild: Andrea Stalder

Somit setzen die Stimmbürger den Deckel auf das Rechnungsjahr 2019, das bei einem Gesamtaufwand von 17,76 Millionen Franken mit einem Gewinn von 1,53 Millionen Franken abschliesst.

Mit der Zustimmung für die Rechnung sagen die Stimmbürger auch Ja zur Zuweisung des Gewinns ans Eigenkapital, das sich neu auf 5,3 Millionen Franken beläuft.

Haushälterischer Umgang trotz Investitionsfreude

Das dank zuletzt viel positiver Rechnungsabschlüsse angehäufte Polster bezeichnet Pulfer als gut. In Sicherheit wähnen will er sich damit aber keineswegs, zu trügerisch ist die derzeitige Schönwetterlage, zu unberechenbar sind die Aussichten am Horizont. Er sagt:

«Es ist für uns alle unklar, was da mit Corona auf uns zukommen wird.»

Obwohl die Prognosen fast unmöglich zu treffen sind, rechnet Steckborn in den nächsten Jahren wie fast alle Gemeinden mit sinkenden Fiskalerträgen und gleichzeitig steigenden Sozialhilfekosten. Ohne auf die Euphoriebremse drücken zu wollen: Corona werde sich bestimmt auf die zukünftigen Zahlen auswirken. «Aber wir müssen schauen, dass wir deshalb nicht die Investitionen kappen», sagt Pulfer. Ansonsten müsse die Wirtschaft noch stärker leiden.

Mit der Rechnung schliesst Steckborn auch die Investitionen ab, die im vergangenen Jahr netto bei 2,82 Millionen Franken lagen. «Wir müssen ausserhalb der Investitionen noch haushälterischer mit dem Geld umgehen», sagt er und betont, dass das vorher schon im Fokus gestanden sei. Zudem versuche die Stadt mit Blick aufs 2021, noch genauer zu budgetieren.

Klare Trennung zwischen Abstimmung und Knatsch

Das deutliche Ja an der Urne will Pulfer nach seinem ersten Amtsjahr nicht überbewerten. Interessant findet er, dass die Stimmbeteiligung mit 17,11 Prozent für eine Urnenabstimmung zwar tief sei. «Sie ist aber fast doppelt so hoch, wie wenn wir eine Gemeindeversammlung durchgeführt hätten.»

Als Balsam auf die geschundene Seele nach den tage- und wochenlangen Querelen in der Stadtverwaltung will Pulfer das positive Resultat nicht verstehen. Er sagt: «Das ist völlig unabhängig zu betrachten.»