Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Steckborns Stadtpräsident Roman Pulfer nach 100 Tagen im Amt: «Moderates Wachstum würde dem Städtchen gut tun»

Roman Pulfer, 35-jährig und FDP-Mitglied, spricht im Interview über dicke Dossiers, Anliegen von Stimmbürgern und bevorstehende Herausforderungen.
Samuel Koch
Roman Pulfer fühlt sich wohl im Städtchen am Untersee. (Bild: Andrea Stalder)

Roman Pulfer fühlt sich wohl im Städtchen am Untersee. (Bild: Andrea Stalder)

Fühlen Sie sich am Untersee angekommen?

Roman Pulfer: Persönlich ja, im Amt erst zum Teil.

Wie meinen Sie das?

In einigen Dossiers kenne ich noch nicht die ganze Vorgeschichte. Trotzdem fühle ich mich sehr wohl im Amt des Steckborner Stadtpräsidenten.

Wie dossiersicher sind Sie in Prozenten ausgedrückt?

Zwei Drittel bis drei Viertel. Es geht aber Tag für Tag einen Schritt vorwärts.

Konnten Sie das Etikette des Fremden aus dem Wahlkampf schon ablegen?

Das ging sehr schnell. Ich habe mich gut eingelebt, auch weil es mir Stadtrat, Mitarbeitende und Stimmbürger einfach gemacht haben.

Viele sehen meine Unvoreingenommenheit als grossen Vorteil.

Jetzt gilt es, den Wählern zu beweisen, dass sie die richtige Wahl getroffen haben. Ich setze mich nach Kräften dafür ein.

Roman Pulfer entscheidet den zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium Steckborn für sich. (Bild: Donato Caspari, 17. März, 2019)

Roman Pulfer entscheidet den zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium Steckborn für sich. (Bild: Donato Caspari, 17. März, 2019)

Erlebten Sie je einen so strengen Sommer wie heuer?

Jein. Zeitlich war es anspruchsvoll, klar. Aber ich erlebte vor allem viele Gespräche mit spannenden Leuten.

Nehmen Sie uns mit in Ihre erste Woche.

Zuerst lernte ich alle Mitarbeitenden und die Abläufe in der Verwaltung kennen. Gleichzeitig kamen viele Bürger auf mich zu und teilten mir ihre Bedürfnisse und Erwartungen mit, sei es auf der Strasse, beim Einkaufen oder direkt in meinem Büro.

Was sind das für Anliegen?

Die Themen sind vielfältig. Oft genannt wurde das Lädelisterben. Mir ist bewusst geworden, dass die Stadt alleine leider nicht allzu viel dagegen unternehmen kann.

Wieso nicht?

Es braucht zuerst die Initiative von privater Seite, dann erst kann eine Gemeinde unterstützend zur Seite stehen.

Das ist ernüchternd und löst ein diffuses Gefühl aus.

Planerisch kann die Stadt einen Beitrag leisten. Ich denke, dass eine autofreie Altstadt rund um die Seestrasse die Attraktivität steigern könnte.

Fahren Sie persönlich mit dem Auto zur Arbeit?

Meistens. Der Grund ist aber nicht der Arbeitsweg, sondern weil ich fast täglich einen Termin ausserhalb des Büros habe.

Die Ortsplanungsrevision brennt den Leuten unter den Fingernägeln, bei welcher es zuletzt Kritik hagelte.

Und die nehmen wir ernst. Stadtrat und Planungskommission räumen der Partizipation einen hohen Stellenwert ein.

Ist die Revision nicht eine schier unlösbare Aufgabe?

Bei diesem Dossier gibt es viele Individualinteressen.

Die Gemeinde muss sich aber ans übergeordnete Recht halten, das die Innere Verdichtung vorschreibt.

Zwar möchten alle, dass Steckborn wächst, aber niemand möchte es vor seiner Haustüre.

Wie können Sie dem entgegenwirken?

Wir halten sich an den Prozess. Trotz einzelner Nebentöne gibt diese Revision am Ende ein gutes Produkt. Jeder kann seine Anliegen einbringen, dann wägt der Stadtrat sämtliche Interessen ab und wird dem Volk sicher eine mehrheitsfähige Vorlage unterbreiten wollen.

Mit Wachstum?

Ja, moderates Wachstum würde Steckborn gut tun. Die Stadt darf nicht stehen bleiben und muss sich die nächsten Jahrzehnte weiterentwickeln.

Moderat wachsen und bestehende Qualität erhalten: Das tönt nach einem Spagat?

Ja, aber Entwicklung durch Bauprojekte soll möglich sein.

Ist die geplante Überbauung beim Werkhof ein solches Projekt?

Ja, die Stadt hat sich bei dieser baureifen Parzelle in Privateigentum finanziell beteiligt, dass im Interesse des Ortsbildes und des Kernzonenschutzes ein Architekturwettbewerb stattfindet. Die Qualität muss stimmen, nicht wie bei Gebäuden wie dem ehemaligen «Falken».

Die Ankündigung für Verdichtung am Bahnhof stösst nicht überall auf Gegenliebe.

Dieser Masterplan ist umstritten. Es scheint mir aber klar, dass Verdichtung rund um Verkehrsknoten sinnvoll ist.

Hinter die Bevölkerung stellt sich die Stadt dafür bei der geplanten Salt-Handyantenne beim Kindergarten Zelgi.

Es gab 800 Einsprachen, und der Standort ist höchst ungünstig. Wir hätten es begrüsst, wenn es seitens Bauherrin Gesprächsbereitschaft für einen besseren Standort gegeben hätte.

Jetzt läuft der Stadtrat Gefahr, gegen übergeordnetes Recht zu verstossen.

Der Stadtrat hat das öffentliche Interesse höher gewichtet als das private. Aus meiner Sicht haben Gemeinden zu geringen Einfluss auf Bewilligungsverfahren solcher Anlagen.

Welche weiteren Herausforderungen stehen für Sie an?

Bei den Finanzen wollen wir den positiven Trend beibehalten, obwohl sich nach dem derzeitigen Hoch wieder Defizite abzeichnen. Steckborn muss haushälterisch mit Steuermitteln umgehen und die Verschuldung möglichst weiter senken.

Den Hebel anzusetzen gilt es auch beim Sportplatz?

Das Schenkungsversprechen liegt vor. Das Volk wird über die Umzonung und die Finanzierung entscheiden. Jetzt muss aber zuerst der Kanton einen Grundsatzentscheid fällen, ob das Land überhaupt zu einer Bauzone werden kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.