Steckborner Schützen haben ihr Ziel verfehlt

Die Steckborner Stimmberechtigten weisen an der Gemeindeversammlung den Projektkredit für den Umbau des Schützenhauses zurück. Steckborner des Jahres 2019 ist Martin Hess, Gründer des Lokalfernsehens Steckborn.

Rahel Haag
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Martin Hess, Steckborner des Jahres 2019, nimmt Gratulationen entgehen.

Martin Hess, Steckborner des Jahres 2019, nimmt Gratulationen entgehen.

(Bild: Rahel Haag)

695'000 Franken sind zu viel. Darin sind sich die 196 anwesenden Steckborner Stimmberechtigten am Donnerstagabend grossmehrheitlich einig. An der Gemeindeversammlung hat der Stadtrat einen Projektkredit über die genannte Summe für den Umbau des Schützenhauses beantragt.

Im Vorfeld habe man viel gehört zum Thema, sagt Stadtrat Markus Michel. Beispielsweise:

Markus Michel, Stadtrat.

Markus Michel, Stadtrat.

(Bild: PD)
«Das ist ja verrückt, so viel Geld für ein paar Schützen auszugeben.»

Allen Unkenrufen zum Trotz sei das Schützenwesen Tradition. Für den Betrag von 695'000 Franken soll die 300-Meter-Schiessanlage demontiert und die bestehende 50-Meter-Schiessanlage auf der unteren Ebene demontiert sowie auf der oberen Ebene neu installiert werden. Zudem soll eine neue 25-Meter-Schiessanlage auf der unteren Ebene installiert werden.

Das Schützenhaus in Steckborn.

Das Schützenhaus in Steckborn.

(Bild: Reto Martin)

Darüber hinaus sollen die Sanitäranlagen saniert und die elektrischen Installationen erneuert werden. Die Schützenstube soll im Rohbau erstellt und anschliessend von den Schützen ausgebaut werden. «Hierfür würden sie 100'000 Franken investieren.» Mindestens 50'000 Franken seien für die zwingende Sanierung des Kugelfangs der 50-Meter-Anlage vorgesehen. Diese muss bis Ende 2020 erfolgen.

Votanten wünschen sich redimensioniertes Projekt

Der erste Votant, der sich zu Wort meldet, stellt sogleich den Antrag, den Kredit zwecks Überarbeitung zurückzuweisen.

«Ich habe nichts gegen die Schützen, aber das Projekt sprengt jeglichen Rahmen.»

Er wünsche sich eine bessere Lösung. In dieselbe Kerbe schlägt ein weiterer Votant. Er rät den Schützen, gemeinsam mit dem Stadtrat ein redimensioniertes Projekt ausarbeiten und dann wiederzukommen.

Roman Pulfer, Gemeindepräsident.

Roman Pulfer, Gemeindepräsident.

(Bild: Andrea Stalder)

Die Abstimmung fällt deutlich aus: Der Antrag auf Rückweisung wird grossmehrheitlich gutgeheissen. Bei der Frage nach Gegenstimmen heben nur wenige ihre blaue Stimmkarte. «Zählst du die Gegenstimmen noch?», fragt Stadtpräsident Roman Pulfer und blickt zum Stimmenzähler. Der schüttelt nur den Kopf.

Das Budget 2020 rechnet bei einem Aufwand von gut 16,218 Millionen Franken und einem Ertrag von gut 16,238 Millionen Franken mit einen Überschuss von 20'000 Franken. Diese genehmigen die Stimmberechtigten mit grossem Mehr. Einstimmig sprechen sie sich dafür aus, den Steuerfuss auf 60 Prozent zu belassen.

Er hat das Lokalfernsehen Steckborn gegründet

Bleibt die Frage, wer Steckborner oder Steckbornerin des Jahres 2019 wird. «Die Person war extrem sportlich», sagt Markus Michel. Zudem war sie während zwei Legislaturen im Stadtrat. «Sie fährt Elektroroller.» Zudem habe sie das Lokalfernsehen Steckborn (LFS) gegründet.

Martin Hess, von dem hier die Rede ist, erhält eine Urkunde, einen Gutschein und mehrere Flaschen Wein. Er freue sich und nehme die Auszeichnung gerne als Stellvertreter des gesamten LFS-Teams entgegen.

«Beim Wort ‹Elektroroller› wusste ich, dass es um mich geht»

sagt er später. Den habe er erst seit ein paar Monaten.

STECKBORN: Die Fernseh-Macher

Das Lokalfernsehen Steckborn feiert sein 25-Jahr-Jubiläum. Martin Hess und Kurt Krucker waren von Anfang an dabei. Sie erzählen von der technischen Entwicklung und einem nächtlichen Interview mit Polo Hofer.
Rahel Haag