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Steckborner Kunst, die zu denken gibt

Die Winterausstellung im Haus zur Glocke ist dem Thema «Künstliche und künstlerische Intelligenz» gewidmet. Ernst Thoma, Adriana Mikolaskova Nautsch und Hartmut Austen zeigen ihre Werke.
Margrith Pfister-Kübler
Besucher betrachten im «Haus zur Glocke» die fliessend-bewegte Malerei von Ernst Thoma. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Besucher betrachten im «Haus zur Glocke» die fliessend-bewegte Malerei von Ernst Thoma. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

«Hier kann man den Kunstverstand ausleben», sagen Vernissagebesucher und sprechen auch von Brückenschlag. «Mich als Elektrotechnik-Student an der ETH spricht diese Ausstellung besonders an», sagt Yannik Dinkel aus Weinfelden. Er und manche andere waren am Wochenende zur Vernissage der neuen Ausstellung bei Judit Villiger im «Haus zur Glocke» gekommen.

Das Motto der Ausstellung «Künstliche und künstlerische Intelligenz» fesselt die Besucher, nachdem sie sich etwas Zeit genommen haben für diese Werke im schmalen Haus mit schmalen Treppen und dynamischer Ausstrahlung. Das mehrstöckige Haus an der Seestrasse ist heute eines der prominentesten Ausstellungshäuser am See.

Haus-zur-Glocke-Besitzerin und Leiterin ist die aktuelle Thurgauer Kulturpreisträgerin Judit Villiger und sie erweist sich als Person, die Kunstschaffende ins Blickfeld rückt und deren Arbeiten den Kunstinteressierten ins Bewusstsein.

Eine Bilderreise in eine andere Zeit

Da sind die Landschaftsbilder von Ernst Thoma aus Stein am Rhein, Vorreiter der elektronischen Musik. Mit digitaler Bildbearbeitung setzt er fliessend-bewegte Malereien mit zum Teil mehrfach überlagerten Aufnahmen von Landschaften in Szene. Ihm geht es um die Erinnerung, digital und analog. Digitale Codes verändern die Bildelemente, trennen sie ab vom normalen Bildverständnis, absolut fesselnd. Schriftbilder – lesbar bis unlesbar – versetzen in eine visuelle Extrem-Orientierung, schärfen die Wahrnehmung für Bewegungsstrukturen.

Die kleinste bedeutungstragende Einheit

«Mit einem USB-Stick läuft alles endlos», sagt Thoma. Verlangsamt sich der Film, zerfällt die Szenerie in Einzelbilder, die Bilder sind wie eine Reise in eine andere Zeit. «Ernst Thoma morpht», sagt Judit Villiger in ihrem Statement. Ein Morph ist die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache. Zwei Stunden verbringt man vergnüglich allein nur mit den Werken von Ernst Thoma.
Voll auf die Baustruktur des Dachstockes Haus zur Glocke eingelassen hat sich die Künstlerin Adriana Mikolaskova Nautsch. Sie hat an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich studiert und später Informatik an der Zürcher Hochschule für Technik.

Ihre computergenerierten Bilder zeigen die realen Räume im Fachwerk assoziiert mit Bildwelten, 3D-Animationen und elektronischen Wesen. «Leerräume mit Licht und Bewegung füllen», sagt die Künstlerin. Sie hat sich kritisch mit den interpretatorischen Konsequenzen von Zahlensymbolik auseinandergesetzt. Mit Hingabe verfolgt das Publikum die Inszenierung und diskutiert die Zusammenhänge.

«Sieht aus wie eine skurrile Strassenkarte oder ein Schnittmuster für Näherinnen»,

sagt ein Besucher. Er blickt auf eine riesige Malerei von Hartmut Austen, welche dieser erst im Dachstock in Steckborn gemalt hat. Austen studierte an der Hochschule der Künste Berlin und hat heute eine Professur in Boston. Er setzt seine Malerei auf Leinwand, am liebsten mit Gitter- und Rasterstrukturen. «Ich bin kein digitaler Künstler», sagt er. Auch hier erliegen die Besucher der Faszination von Entdeckerfreuden.

Hinweis: Samstag, 1. Dezember, Künstlergespräch mit Ernst Thoma. 2. Dezember, 17 Uhr: Judit Villiger führt durch die Ausstellung. Die Ausstellung dauert bis 16. Dezember.

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