Steckborn stellt die Weichen für die Entwicklung der letzten grünen Wiese in der Altstadt

Steckborn entwickelt das noch unbebaute Areal beim städtischen Werkhof. Dafür braucht es allenfalls ein neues Loch in der historischen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Nun hat die Stadt zusammen mit der Liegenschaftseigentümerin einen Architekturwettbewerb für die Wohnüberbauung aufgegleist.

Samuel Koch
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Auf der unbebauten Parzelle hinter den grossen Tannen und dem Werkhof-Gebäude (rechts) inmitten der Altstadt soll künftig eine Überbauung entstehen. Die Erschliessung erfolgt über den Schützengraben entlang der Stadtmauer (unten). (Bild: Andrea Stalder)

Auf der unbebauten Parzelle hinter den grossen Tannen und dem Werkhof-Gebäude (rechts) inmitten der Altstadt soll künftig eine Überbauung entstehen. Die Erschliessung erfolgt über den Schützengraben entlang der Stadtmauer (unten). (Bild: Andrea Stalder)

Über der letzten grünen Wiese in der Steckborner Altstadt steht ein Ablaufdatum. Wann die unbebaute Zeit für das rund 2000 Quadratmeter grosse Landstück zwischen Schützengraben und Augustinerstrasse tatsächlich abläuft, steht aber noch in den Sternen. Konkret hingegen sind die Bebauungsabsichten seitens Liegenschaftseigentümerin und Stadt. Letztere hat nun mit der Vergabe eines Konzeptauftrags den Startschuss für die Planungen aller Parzellen abgegeben, die in einen Gestaltungsplan für das ganze Areal samt städtischem Werkhof münden soll.

Gregor Rominger, Stadtrat Steckborn. (Bild: Rahel Haag)

Gregor Rominger, Stadtrat Steckborn. (Bild: Rahel Haag)

Das Bauland im Eigentum der Frauenfelder Bfw Liegenschaften AG als Filetstück bezeichnen will der fürs Bauwesen zuständige Stadtrat Gregor Rominger zwar nicht. «Aber es ist speziell, weil das Land höchstwahrscheinlich noch gar nie bebaut wurde», meint er. Dass mit den jetzigen Plänen im Städtchen Emotionen geweckt werden, kann Rominger nachvollziehen:

«Einige Anwohner werden wohl ihren Ausblick auf eine grüne Wiese verlieren.»

Deshalb sei es umso wichtiger, dass man nach dem Wunsch der Eigentümerin für eine Wohnüberbauung früh genug das gesamte Areal entwickle und die Bevölkerung informiere. «Wir haben keine Geheimnisse», sagt Rominger. Deshalb hat die Stadt nun das detaillierte Programm zum Konzeptauftrag für jedermann verfügbar auf der Internetseite aufschaltet.

Wohnraum mit vielseitiger Möblierbarkeit

Für die detaillierten Bauabsichten der Liegenschaftseigentümerin sei es noch viel zu früh, meint Rominger. Dennoch werde aufgrund «der vom Verkehr abgewandten Situation und unter Berücksichtigung der Verpflichtung zur innerstädtischen Verdichtung Wohnraum mit vielseitiger Möblierbarkeit und wirtschaftlichem Wohnungsmix angestrebt», wie dem 25 Seiten umfassenden Konzeptauftrag zu entnehmen ist.

Der Stadtrat hat mit der Eigentümerin vereinbart, einen nicht anonymen Wettbewerb mit fünf ausgewählten Architekturbüros für «ein etappierbares Gesamtbebauungskonzept» durchzuführen. Für den Stadtrat sei ein Gestaltungsplan unerlässlich, auch weil städtische Liegenschaften wie der Werkhof an die noch unbebaute Parzelle grenzen. «Es bringt ja nichts, jetzt zu bauen und in ein paar Jahren zu merken, dass der Werkhof doch noch gezügelt werden soll», meint Rominger. Ein Umzug des Werkhofs sei bisher im Stadthaus aber höchstens andiskutiert worden.

Solange der Werkhof am jetzigen Standort bleibt – Rominger spricht von den nächsten 20 Jahren – dürfe er durch das geplante Bauprojekt nicht beeinträchtigt werden. Zudem schreibt der Stadtrat vor, dass die Parzelle der bfw Liegenschaften AG verkehrstechnisch von der Seestrasse her über den Schützengraben zu erschliessen sei. «Von der Augustinerstrasse her führt nur ein kleiner Abschnitt zur Parzelle», meint Rominger.

Noch ist die Wiese der Parzelle 106 unbebaut. (Bild: Andrea Stalder)

Noch ist die Wiese der Parzelle 106 unbebaut. (Bild: Andrea Stalder)

Deshalb ist in der historischen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert nördlich des Pulverturms ein weiterer Durchbruch geplant, der den jetzigen zum Werkhof ersetzen könnte. Das alte Loch müsste gegebenenfalls danach wieder fach- und stilgerecht zugemauert werden. Natürlich sei die kantonale Denkmalpflege in die Pläne involviert, betont Rominger.

Gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz

Die gesamte Arealentwicklung konzentriert sich laut der Stadt klar auf die noch unbebaute Parzelle. «Wir haben ein vitales Interesse an einem städtebaulich bestmöglichen Konzept», meint Rominger. Deshalb soll der jetzige Wettbewerb «eine spezifisch auf den Ort ausgerichtete, städtebauliche Entwicklung aufzeigen und Auskunft über die gesamte Wirkung geben», etwa bezüglich Dichte, Volumetrie oder Identität.

Denn das Areal liegt komplett in der Kernzone. Zudem steht die Altstadt von Steckborn unter Denkmalschutz, und das Unterseestädtchen ist unter anderem gemäss Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz eine Kleinstadt von nationaler Bedeutung. Rominger sagt:

«Dieses Projekt erfordert zwingend eine solide und glaubwürdige Planung, für welche wir jetzt die Weichen stellen wollen.»

Geht alles nach Plan der Stadt und der Liegenschaftseigentümerin, legen die fünf Architekturbüros bis Ende Oktober ihre Arbeiten vor. Ein mehrköpfiges Gremium unter anderem aus unabhängigen Fachleuten, Stadtplanern und Vertretern der Stiftung Ortsbild Steckborn, des Quartiervereins Steckborn sowie der kantonalen Denkmalpflege beurteilt dann die Eingaben, ehe die Wettbewerbssiegerin und die vier anderen Beiträge der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wann das sein wird, ist noch offen. «Der eingeschlagene Zeitplan ist sehr sportlich», meint Rominger. Das Ablaufdatum der einzig noch unbebauten Wiese in der Altstadt rückt näher. Wann genau aber das Datum abläuft, steht noch in den Sternen.

Autofahrer müssen in der Steckborner Altstadt vom Gas

Ab Ende August soll auf der Hauptstrasse im Bereich der Steckborner Altstadt Tempo 40 gelten. Die Pläne hierfür liegen noch bis am 18. Juli öffentlich auf. «Die Temporeduktion ist ein breit angelegter Wunsch», sagt Bauverwalter Egon Eggmann.
Rahel Haag