STECKBORN
«Aura mit der raumdominierenden Linde soll bleiben»: Neugestaltung des Kehlhofplatzes nimmt nach Wettbewerb langsam Formen an

Der Sieger des Wettbewerbs für den neuen Kehlhofplatz in Steckborn steht fest. Nun will der Stadtrat auch das Stimmvolk überzeugen, nachdem es den Kredit im Januar abgelehnt hat.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt, wie der Kehlhofplatz mit der alten Linde zukünftig aussehen soll.

Die Visualisierung zeigt, wie der Kehlhofplatz mit der alten Linde zukünftig aussehen soll.

Bild: PD/Meta Landschaftsarchitektur

Marschhalt. Das verordnete das Stimmvolk der Stadt Steckborn Anfang Januar, als es den Kredit über 740'000 Franken zur Sanierung und Neugestaltung des Kehlhofplatzes mit einer knappen Dreiviertelmehrheit bachab schickte. Tatenlos waren die Verantwortlichen seither aber nicht, wie sich nun herausstellt. Denn jetzt ist mit dem Projekt «Nimm Platz!» der Sieger des Wettbewerbsprojekts gekürt, wie aus einer Mitteilung vom Untersee hervorgeht.

Seit Jahren liegen Pläne für einen neuen Kehlhofplatz am Rand der historischen Altstadt in den Schubladen der Stadträte, auch aufgrund der sanierungsbedürftigen Werkleitungen im Untergrund. Immer wieder kam es aber wegen anderer Prioritäten zu Verzögerungen, jüngst ebenso mit dem Nein der Stimmberechtigten. Der zwischenzeitliche Marschhalt der Stimmberechtigten sei aber auch der Pandemie geschuldet. Denn der Ablauf des Wettbewerbs mit 64 Eingaben sei dadurch in Verzögerung geraten, weshalb das Siegerprojekt noch nicht auserkoren war und somit konkrete Pläne noch fehlten. Kathrin Mancuso, seit November im Stadtrat und zuständig fürs Ressort Bau, Werke und Raumordnung, sagt:

Kathrin Mancuso, Stadträtin parteilos, Ressort Bau, Werke, Raumordnung.

Kathrin Mancuso, Stadträtin parteilos, Ressort Bau, Werke, Raumordnung.

Bild: Reto Martin
«Im Nachhinein ist es verständlich, dass die Bevölkerung das Kreditbegehren abgelehnt hatte, zu gross war die Ungewissheit, wie der Platz gestaltet werden soll.»

Das ist jetzt schon etwas anders, denn die Pläne nehmen langsam Formen an. Mit dem Projekt «Nimm Platz!» der Basler Meta Landschaftsarchitektur GmbH soll sich der Platz mit seiner über 150 Jahre alten Linde mit wenigen Eingriffen in einen freundlichen Quartierplatz verwandeln, der allen Altersgruppen gerecht werden soll. «Dabei wird die heute wohltuende, unaufgeregte Ausstrahlung des Platzes beibehalten und durch wenige Gestaltungselemente wie der neuen Wasserschale, den neuen Sitzmöglichkeiten sowie mit einer den Platzcharakter unterstützenden Pflästerung insgesamt gestärkt», heisst es Jurybericht.

Über 150 Jahre alte Linde steht im Zentrum

Mit einer dreistufigen Treppe, einer Rundbank um die alte Linde, drei Sitzbänken mit Lehne sowie einem Quartiertisch soll der neue Kehlhofplatz einerseits zum Verweilen einladen und andererseits zu Gunsten von mehr Sicherheit verkehrsberuhigend wirken. Weiter steht im Jurybericht, dass «die Aura mit der raumdominierenden Linde trotz des neuen Auftritts und der Gliederung des Platzes beibehalten» wird.

Mit dem Anschluss des Wettbewerbs ist ein nächster Schritt getan, um das Bauprojekt auszuarbeiten. «Wie genau der Kehlhofplatz eines Tages aussehen wird, dafür muss der Stadtrat nochmals über die Bücher», sagt Stadträtin Mancuso. Denn ausser der Linde, die im Zentrum aller Überlegungen steht, seien alle anderen Elemente für den zukünftigen Quartierplatz bloss Vorschläge. Vorschläge, zu denen sich jetzt auch das Stimmvolk äussern kann. Ab sofort und bis zu den Ostern sind die vier prämierten Projekte in der Eingangshalle des Stadthauses während der ordentlichen Öffnungszeiten ausgestellt. Weitere Infos zum Projekt finden sich auf der Website der Gemeinde.

Geht es nach dem Gusto von Mancuso, soll der Stadtrat der Bevölkerung den Baukredit in ähnlichem Umfang mit dem Budget 2022 vorlegen. Darüber entscheidet aber schliesslich der gesamte Stadtrat. Die Sanierung der Werkleitungen jedenfalls ist weiterhin unbestritten. Mancuso sagt: «Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun.»

Budget 2.0

Diesen Sonntag, 28. März, befindet die Steckborner Stimmbevölkerung im zweiten Anlauf über das Budget 2021. Anfang Januar lehnte es eine hauchdünne Mehrheit von zwölf Stimmen ab. Danach musste der Stadtrat nochmals über die Bücher und verbesserte es von einem sechsstelligen zu einem Minus von noch 46'000 Franken, bei Gesamtausgaben von 16,52 Millionen Franken und unverändertem Steuerfuss von 60 Prozent. Im Gegensatz zum Prozess vor der Januarabstimmung stehen jetzt alle Ortsparteien hinter der Vorlage und empfehlen ein Ja. (sko)