Steckborn
Als «Weg für einen Neuanfang»: So bezeichnen die Stadtratsmitglieder die umstrittene Lohnfortzahlung für Stadtpräsident Roman Pulfer

Die Lohnfortzahlung für den Ende Mai scheidenden Stadtpräsidenten Roman Pulfer stösst auf Widerstand. Jetzt nimmt die Vizestadtpräsidentin Stellung zur Petition sowie zum Rekurs gegen den Stadtratsbeschluss.

Samuel Koch
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Roman Pulfer gibt seinen Rücktritt bekannt, im Hintergrund Vizestadtpräsidentin Kathrin Mancuso, die ab 1. Juni interimistisch übernimmt.

Roman Pulfer gibt seinen Rücktritt bekannt, im Hintergrund Vizestadtpräsidentin Kathrin Mancuso, die ab 1. Juni interimistisch übernimmt.

Bild: Andrea Stalder (Steckborn,
26. April 2021)

Viel Sukkurs erhält der Widerstand gegen die vereinbarte Lohnfortzahlung bis Ende Jahr für den Ende Mai abtretenden Stadtpräsidenten Roman Pulfer (FDP). Zwei Stimmberechtigte haben auf der Plattform petitio.ch eine Onlinepetition mit dem Titel «Kein Bonus für den Scherbenhaufen!» gestartet, deren Ziel von 100 Unterstützenden bereits nach wenigen Tagen bei weitem übertroffen wurde.

Mit zusätzlichen Rekursen gegen den Stadtratsbeschluss zu Pulfers Lohnfortzahlung verlangen die Petitionäre zudem, dass Pulfer nicht noch Lohn bis Ende Jahr kassiert, sondern höchstens bis Ende Juli, was die Stadtkasse um zirka 70'000 Franken erleichtern würde. Diese haben sie sowohl beim Kanton als auch beim Stadtrat eingereicht.

Vizestadtpräsidentin Kathrin Mancuso bestätigt den Eingang des Rekurses. «Der Stadtrat nimmt diesen Rekurs entgegen, wird ihn an einer seiner nächsten Sitzungen bezüglich Zuständigkeit und Inhalt prüfen, darüber beraten, Beschluss fassen und wegen des öffentlichen Interesses anschliessend auch kommunizieren», teilt Mancuso schriftlich mit. Sollte der Stadtrat jedoch nicht zuständig sein, würde er den Rekurs an die entsprechende Behörde weiterleiten. Zum Inhalt des Rekurses will sich Mancuso im Namen des Gesamtstadtrates nicht äussern. Mancuso teilt mit:

«Er bestätigt aber gerne nochmals, dass die einvernehmlich getroffene, schriftliche Freistellungsvereinbarung seitens des Stadtrates nach Rücksprache mit dem Kanton sowie im Rahmen einer Gesamtbeurteilung der Situation erfolgte, welche den Weg für einen Neuanfang in Steckborn frei machen sollte.»
Kathrin Mancuso, Vizestadtpräsidentin.

Kathrin Mancuso, Vizestadtpräsidentin.

Bild: Andrea Stalder

Mancuso hofft ausserdem auf Verständnis, dass «die Mitglieder des Stadtrates die Chance des Neuanfangs aktiv nutzen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit grossem Engagement zu Gunsten der Stadt und der offenen Fragen einsetzen und konstruktiv wie auch vorwärtsorientiert zusammenarbeiten wollen». Im Fokus stehe dabei, alle Verpflichtungen zu erfüllen, Pendenzen aufzuarbeiten sowie eine der schwierigen Lage angepasste Führung zu Gunsten und im Sinne von Steckborn und seiner Einwohnerinnen und Einwohner zu übernehmen. Mancuso meint: «Der Stadtrat hofft hierbei auf eine allseitige Unterstützung.»

Stadtpräsident Roman Pulfer kann zu diesem Stadtratsbeschluss keine Stellung nehmen, weil er bei diesem Beschluss «pflichtgemäss in den Ausstand getreten» ist.