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Statt ans Mittelmeer in den Thurgau – der Kanton will sich als Tourismusregion besser verkaufen

Um 4,4 Prozent sind die Logiernächte im Kanton vergangenes Jahr gestiegen. Aus Sicht des Kantons gibt es im Tourismus aber noch mehr Potenzial. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Vermarktung. Der Thurgau soll als Ferienziel wahrgenommen werden.
Larissa Flammer
Ein Postkartenmotiv aus dem Thurgau: Die Pferdekutsche bringt Besucher des Bluescht-Fäschts an die verschiedenen Orte am Apfelweg bei Altnau. (Bild: Donato Caspari)

Ein Postkartenmotiv aus dem Thurgau: Die Pferdekutsche bringt Besucher des Bluescht-Fäschts an die verschiedenen Orte am Apfelweg bei Altnau. (Bild: Donato Caspari)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die Deutschen kommen wieder öfters über den See. Knapp 79'300 mal nächtigten Gäste aus dem Nachbarland im vergangenen Jahr in Thurgauer Betten. Sie tragen dazu bei, dass die Thurgauer Hotellerie wieder auf «Erholungskurs» ist, wie die kantonale Dienststelle für Statistik mitteilt.

Aber der Tourismus erholt sich nicht nur: «2018 war ein sehr starkes Jahr», sagt Daniel Wessner, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit. Nur im Rekordjahr 2014 waren die Logiernächtezahlen noch höher. Zum Vergleich: In den Jahren 2007 bis 2012 – also vor dem Frankenschock von 2015 – übernachteten deutsche Gäste jährlich über 90'000 mal im Thurgau. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 2015 hat der Tourismus also noch nicht ganz überwunden, es geht aber wieder aufwärts.

In den Gemeinden am See befindet sich die Hälfte der Hotelbetriebe

Dass die Übernachtungszahlen im Thurgau nach vier Jahren wieder steigen, ist nicht nur den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verdanken, sondern auch dem Camping. Auf den Thurgauer Plätzen wurden im vergangenen Jahr 22 Prozent mehr Übernachtungen gezählt als noch im Vorjahr. Wessner verweist auf den sonnigen Sommer: «Da gab es auch einen Wettereffekt.»

Logiernächte auf den zwölf Thurgauer Campingplätzen

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Ganz allgemein ist der Thurgau eine Sommerdestination. «Wir profitieren vom Bodensee, von den Schiffen und den Velofahrern», sagt der Amtsleiter. In den Gemeinden am See übernachten besonders häufig Gäste, dort befindet sich auch rund die Hälfte der Thurgauer Hotelbetriebe.

Nicht vergessen dürfe man aber den Seminartourismus, der nicht von einer Saison abhängig ist: «Die Kartause Ittingen zum Beispiel hat auch im Winter eine hervorragende Auslastung.»

Hoffen auf einen ganzjährigen Betrieb im Reka-Dorf

2018 gab es im Thurgau weniger Betten als ein Jahr zuvor. Wessner verweist denn auch darauf, dass im Kanton punkto Tourismus-Infrastruktur Nachholbedarf besteht. Schon bald wird sich diesbezüglich die Statistik wieder verändern. Einerseits steht immer noch das Projekt von Hermann Hess mit einem Hafenhotel in Romanshorn im Raum, andererseits gibt es bald Neuigkeiten zum Reka-Dorf in Kreuzlingen.

Daniel Wessner, Chef Amt für Wirtschaft und Arbeit. (Bild: Reto Martin)

Daniel Wessner, Chef Amt für Wirtschaft und Arbeit. (Bild: Reto Martin)

Ob dieses jedoch das ganze Jahr geöffnet sein oder der Betrieb nur in den Sommermonaten laufen wird, kann Wessner nicht sagen. «Wir von Seiten des Kantons wünschen uns natürlich, dass das Reka-Dorf möglichst das ganze Jahr über offen ist.»

Jährlich bis zu 50'000 Übernachtungen

Daniel Wessner sagt zum Stand der Dinge beim Reka-Dorf: «Der Gestaltungsplan des Seezelg-Areals steht kurz vor der Fertigstellung.» Voraussichtlich im Mai soll dieser der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Noch in diesem Jahr wollen die Verantwortlichen die Baubewilligung erhalten, damit das Feriendorf in zwei bis drei Jahren eröffnet werden kann. Die Anlage mit mindestens 50 Zimmern und bis zu 300 Betten kommt neben der Badi Hörnli, zwischen der Bahnlinie und dem Bodensee zu stehen.

In der Anfangsphase rechnet die Schweizer Reisekasse mit 35'000 Übernachtungen pro Jahr in Kreuzlingen, später dürften es bis zu 50'000 sein. Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer freut sich seit Beginn auf den «neuen Leuchtturm» im Thurgau. Er erhoffte sich durch den Entscheid von Reka auch einen Schneeballeffekt für weitere Hotels im Kanton. (www.reka-feriendorf-thurgau-bodensee.ch)

Tourismusregion hat noch Potenzial

Mit dem neuen Übernachtungsangebot kann eine neue Zielgruppe erschlossen werden. Wessner sagt: «Es gibt im Thurgau Potenzial für den Tourismus.» Von den «hervorragenden Rahmenbedingungen» ist der Amtsleiter überzeugt. Allerdings auch davon, dass diese besser vermarktet werden müssen. In diese Richtung gehen auch die Ideen des Regierungsrats aus dessen Strategie 2040.

Die Vision der Regierung

Der Thurgauer Regierungsrat hat erst kürzlich eine Strategie erarbeitet, in welche Richtung sich der Kanton in den nächsten 20 Jahren entwickeln soll. Darin hält er den Punkt «Tourismus und Seminare» als Erfolgsfaktor fest, der weiter gestärkt werden muss. Die Vision enthält mehrere Ideen, die den Tourismus fördern würden. Eine davon ist das Terroir-Prinzip für das Vermarkten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. «Terroir wird richtungsweisendes Thema des künftigen Thurgauer Tourismus», heisst es im Strategiepapier. Dazu gehört auch der Ausbau der Marke Thurgau als Herkunfts- und Qualitätslabel sowie eine Tourismus-Strategie und -Angebotsentwicklung «inklusive Ostschweiz-Anbindung».

Auch konkrete Ideen für neue Angebote und Infrastruktur formulierte der Regierungsrat: Ein Kultur- und Erlebnis-Zentrum, eine Markt- und Eventhalle, ein Erlebnis- und Zukunftsbauernhof oder das neue Historische Museum sind erwähnt. Eine Thurgau Service- und Informationsapp könnte hilfreich sein für die Besucher.

Kommt die Sprache auf das Potenzial, verweist Amtschef Wessner auf das deutsche Bodenseeufer: «Dort explodiert der Tourismus.» Die Gäste dort – vor allem Deutsche – würden die Region mit dem Süden assoziieren und als eine Feriendestination sehen. Dies sei das Thurgauer Bodenseeufer in den Augen der Schweizer nicht.

Wessner will deshalb erreichen, dass der Thurgau nicht nur für Tagesgäste attraktiv ist, sondern auch für Feriengäste. «Vor allem für entschleunigende Ferien in schöner Landschaft ist der Thurgau wie gemacht.»

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