Die Förderbeiträge sind ein starkes Zeichen für die Thurgauer Kultur

Fünf Thurgauer Förderbeiträge an ganz unterschiedliche Kulturschaffende und zwei Atelierstipendien für New York sind im ­Theaterhaus ­Thurgau in Weinfelden vergeben worden – Ansporn, sich dem Wesentlichen zu widmen, statt dem Geld nachrennen zu müssen.

Dieter Langhart
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Kulturförderpreisträger 2019: Johannes Keller, Reto Müller & Alex Meszmer (hinten v. l.); Samir Böhringer, Rahel Wohlgensinger, Usama Al Shahmani (vorn v. l.). (Bild: Andrea Stalder)

Kulturförderpreisträger 2019: Johannes Keller, Reto Müller & Alex Meszmer (hinten v. l.); Samir Böhringer, Rahel Wohlgensinger, Usama Al Shahmani (vorn v. l.). (Bild: Andrea Stalder)

Ein wenig traurig klingen die Sad Pumpkins um die Thurgauer Niculin Janett und Noam Szyfer ja schon, die zur Feier aus dem Great American Songbook singen und spielen. Aber sie belegen, dass aus dem Thurgau wunderfeine Musik, Kunst und Literatur stammen. Dass das Kulturamt guttut, jedes Jahr die Vielversprechendsten zu fördern. Dass auch die Thurgauer Kulturstiftung mitzieht bei den Atelierstipendien. Denn bei Künstlern dreht sich eben vieles ums liebe Geld.

Bei uns ist Kultur zwar mehrheitsfähig, nur rechnet sich das nicht immer für jene, die sie schaffen. Und darum werden Förderpreise gefeiert, damit die Akteure sichtbar werden. Vorgestern im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden, vor fast so vollen Rängen wie bei Thomas Götz.
Soll Kunst Fragen stellen oder sie beantworten?

"Fragen stellen, ist die Aufgabe der Kunst"

Regierungsrätin Monika Knill gibt einleitend freimütig zu, dass sie oft Mühe bekunde, zeitgenössische Kunst zu verstehen, weil die – anders als Adolf Dietrichs «Balbo» – mehr Fragen stelle als Antworten gebe und gesellschaftliche Werte zur Diskussion stelle. Doch bedenken wir: Fragen zu stellen, ist die Aufgabe der Kunst. Und unsere Aufgabe ist es, diese Fragen zu beantworten.

Keine leichte Aufgabe war es für Kulturamtschefin Martha Monstein und die Jury aus Fachreferenten des Kulturamts und externen Fachleuten, aus 61 Bewerbungen die zu Fördernden auszuwählen: Johannes Keller, Alex Meszmer/Reto Müller, Rahel Wohlgensinger, Samir Böhringer, Usama Al Shahmani mit je 25000 Franken; Rhona Mühlebach und Reto Müller mit einem Schlüssel zum Atelier in New York.

Vom Virtuellen ins Materielle

Den Weinfelder Musiker Johannes Keller bezeichnet Anja Bühnemann in ihrer Laudatio als «Klangtüftler». Vom Cembalo ausgehend, suche er nach ungewöhnlichen Ausdrucksmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen Musik und Computer und verbinde durch sein Live-Coding Barockmusik mit IT. Der Kanton fördere «das spontane, aber nicht beliebige Ausloten von Klängen im digitalen Raum».

Das Künstlerpaar Alex Mesz­mer und Reto Müller fragt im Zeitgarten rund um das Transitorische Museum in Pfyn laut Laudatorin Judit Villiger danach: Wie wird Geschichte gemacht? Wer macht Geschichte? Und was wird von uns und unserer Kultur übrig bleiben? Es gehe ihnen um Erfahrungen, die mit einer Gemeinschaft geteilt werden, «um ein Dorf, das Kultur als Grundlage für sich erkennt und daraus eine neue politische Kultur entwirft».Meszmer/Müller sollen mit dem Förderbeitrag vom Virtuellen ins Materielle vordringen können.

Kinder und Heimat, Fakten und Fantasie

Ganz anders geht die Kreuzlingerin Rahel Wohlgensinger vor. Die Schauspielerin Anja Tobler lobt die Puppenspielerin und Theatermacherin für ihr Wagnis als Pionierin, sich «dem ehrlichsten und gnadenlosesten Publikum» auszusetzen: kleinen Kindern.

«Weil alle ein Recht auf Kunst haben.»

Jazzschlagzeuger Samir Böhringer aus Lengwil arbeite gemäss Florian Keller «ohne Scheuklappen und Berührungsängste» und fahnde offen nach neuen Ausdrucksformen. Der in Frauenfeld angekommene Iraker Usama Al Shahmani erzählte laut Regula Walser in seinem Débutroman «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» von der Natur als Zufluchtsort, der Magie der Sprache und einem neuen Heimatgefühl. Der Förderbeitrag des Kantons ermöglicht dem Autor eine Auszeit, um sich seinem zweiten Roman zu widmen.

Die zwei Atelierstipendien für New York gehen an Reto Müller und Rhona Mühlebach aus Dettighofen. Während Gioia Dal Molin den Uesslinger Szenografen und Künstler für sein Unterwegssein, sein Interesse an der Veränderung und Umformung von Materialien wie dem Lavagestein Basalt lobt, betont Kulturamtschefin Martha Monstein bei der bereits mehrfach auszeichneten Jungfilmerin Rhona Mühlebach aus Dettighofen ihre Erzählfreude und ihre Entwicklung zu einem offeneren, experimentelleren Schaffen mit anderen Medien und zur Vermischung von Fakten und Fantasie.

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