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Interview

Ständerätin Brigitte Häberli hat noch nicht genug von der Politik in Bern: «Der Wahlkampf ist einen Zacken intensiver als vor vier Jahren»

Ständeratskandidaten im Gespräch (5/5): Brigitte Häberli (CVP) ist immer noch begeistert von der Arbeit in Bern.
Larissa Flammer
Ständerätin Brigitte Häberli blickt dem Wahlsonntag zuversichtlich entgegen. (Bild: Reto Martin)

Ständerätin Brigitte Häberli blickt dem Wahlsonntag zuversichtlich entgegen. (Bild: Reto Martin)

Schaffen Sie die Wiederwahl im ersten Wahlgang?

Brigitte Häberli: Natürlich ist dies mein erklärtes Ziel. Wenn alle positiven Zeichen aus der Bevölkerung umgesetzt werden, indem mein Name auf den Wahlzettel geschrieben wird, dann bin ich zuversichtlich.

Wie sieht Ihr Wahlkampf im Vergleich zu 2015 aus?

Damals war es eine andere Ausgangslage. Beide Bisherigen traten wieder an, ausserdem Klemenz Somm von den Grünen. Für ihn war es manchmal ein bisschen anstrengend. Jetzt sind es mehr Kandidaten. Mit Nina Schläfli auch noch eine Frau, das finde ich sowieso toll. Mit den verschiedenen Kandidaten gibt das einen ganz anderen Drive. Auch für mich ist es ein Zacken intensiver. Aber ich finde, das ist nicht mehr als gerecht, weil gratis gibt es nichts. Man muss sich immer wieder neu bewerben und das mach ich gerne.

Sie haben ja sogar die Aussicht, Ständeratspräsidentin zu werden.

Da bin ich schon enorm vorfreudig. Ich weiss, Hans Munz selig, FDP-Ständerat, war in den 70er-Jahren der letzte Ständeratspräsident aus dem Thurgau. Dass ich dieses Amt ausführen dürfte, wenn alles nach Plan läuft, freut mich sehr.

Das Ratspräsidium hätten Sie im letzten Jahr der nächsten Legislatur inne. Ein perfekter Abschluss für ihre Politkarriere?

Das kann ein perfekter Höhepunkt sein. Ich will heute, bevor ich wiedergewählt bin, noch nicht über eine nächste Wahl oder den Abschluss des politischen Wegs sprechen. Ich nehme es gerne Schritt für Schritt.

Eines Ihrer Zeitungsinserate im Wahlkampf trägt den Titel «Wir müssen uns für unseren Erfolg nicht schämen». Wie meinen Sie das?

Die Schweiz – mit dem Wohlstand, der Spitzenforschung, der extrem tiefen Arbeitslosigkeit – wird beobachtet. Ich habe im Kontakt mit Parlamentariern anderer Länder gemerkt: Sie sehen uns zum Teil als Rosinenpicker an – ich sag es jetzt noch nett. Sie sind der Meinung, den europäischen Rahmenvertrag hätten wir so zu unterschreiben. Sie haben ganz andere Probleme. Das gibt natürlich einen gewissen Neid. Wir müssen uns nicht schämen, sondern selbstbewusst und verständnisvoll erklären, wie die Schweiz funktioniert. Aber wir müssen uns auch nicht immer als Sonderfall bezeichnen, der eh über allem steht.

Auch Fleisch- und Flugscham sind im Inserat erwähnt. Sollten wir uns nicht schämen, wenn wir die Umwelt der nächsten Generationen kaputt machen?

Wenn jemand sagt, ich esse gerne ein Stück Fleisch, finde ich das okay. Dafür geht diese Person vielleicht mit dem Fahrrad einkaufen oder fliegt nur noch einmal im Jahr in die Ferien. Ein anderer fliegt vielleicht viermal im Jahr und isst dafür nur Salat und Gemüse. Die gegeneinander auszuspielen, ist falsch.

Wie kann der Klimawandel aufgehalten werden?

Wir müssen Anreize schaffen und in der Gesellschaft das Bewusstsein weiter fördern. Ich finde es super, dass die jungen Leute uns ältere immer wieder daran erinnern.

«Ich bin mir sicher, wir können den CO2-Ausstoss senken, ohne dass wir von unserem Wohlstand etwas hergeben müssen.»

Wir müssen unseren Lebensstil etwas ändern. Die Politik muss Massnahmen definieren, zusammen mit der Wirtschaft. Für die ist es übrigens eine riesige Chance. Ich bin sicher, das wird neue Arbeitsplätze geben. Man muss die Chancen aber erkennen.

Sie politisieren seit 2003 in Bern. Zuerst im National-, jetzt im Ständerat. Macht es Ihnen immer noch Spass?

Ich bin begeistert von dieser Arbeit. Es ist eine Ehre, dass ein Platz in Bern für mich angeschrieben ist. Und dass man immer wieder kleinere oder auch grössere Erfolge im politischen Alltag feiern kann, das gibt immer wieder Motivation.

Als einzige Frau im Ständerat treten Sie zur Wiederwahl an. Fühlen Sie sich im Gremium noch wohl?

Ich hätte Freude, wenn wir im Dezember mehr Frauen wären, das mag es durchaus leiden. Jetzt sind wir sechs Ständerätinnen. Ich bin schon zuversichtlich, dass wir diese Zahl deutlich toppen und hoffentlich mehr als zehn Ständerätinnen sein werden. Aber es hat insgesamt 46 Sitze, auch dann gäbe es noch Potenzial.

Sie bezeichnen sich als Teamplayerin. Kann man in der Schweizer Politik gut zusammenarbeiten?

Polarisierung ist im Ständerat zum Glück nicht angekommen. Wir sprechen dort auch nicht über Parteien, sondern über unsere Stände, die Kantone und unsere Regionen. Man spürt im Ständerat sehr gut, es geht um Sachpolitik und darum, Lösungen zu finden. Das ist auch das Erfolgsmodell der Schweiz.

Bisher setzte sich Brigitte Häberli im Ständerat zusammen mit Roland Eberle (SVP) für den Thurgau ein. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Bisher setzte sich Brigitte Häberli im Ständerat zusammen mit Roland Eberle (SVP) für den Thurgau ein. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Auch wenn die Partei keine grosse Rolle spielt; an einem Podium sagten Sie kürzlich, eine bürgerliche Doppelbesetzung im Ständerat wäre Ihnen recht.

Ich bin durch meine Erfahrungen der letzten acht Jahre der Meinung, dass der Kanton Thurgau in Bern gut vertreten war. Am Schluss entscheiden aber die Wählerinnen und Wähler im Thurgau. Wichtig ist, dass man miteinander auskommt. Den antretenden Kandidatinnen und Kandidaten traue ich das zu.

Verraten Sie uns Ihr Wahlkampfbudget?

Das sind immer etwa die gleichen paar Franken. Ich habe zum Glück ein sehr breites Unterstützungskomitee aufbauen können, schon als ich noch Nationalratskandidatin war, und das ist natürlich immer gewachsen. Mein Wahlkampf ist nicht übermässig, man spürt auch, wir übertreiben nirgends. Aber wir haben die nötigen Mittel.

Die CVP Schweiz ist mit ihrer diesjährigen Wahlkampagne nicht gut angekommen. Was sagen Sie dazu?

Das war irgendwie ein bisschen anders geplant, als es jetzt ist. Ich habe Mühe damit, wenn einem Kandidaten persönlich vorgeworfen wird, er verstehe zum Beispiel die Anliegen aus dem ländlichen Bereich nicht. Dabei ist es ein Thurgauer, von dem ich genau weiss, wo er wohnt und dass dieser Vorwurf einfach nicht stimmt. Das gefällt mir nicht und entspricht auch nicht meinem Stil.

«Es war ein Versuch, den ich so nicht lanciert hätte.»

Sie sind in der Bundespolitik zum Thema 5G-Ausbau aktiv. Ein Thema, das im Thurgau bewegt.

Vorweg: Ich glaube, wir brauchen die 5G-Technologie. In der Politik waren die Grenzwerte das grosse Thema. Wir kennen klare Grenzwerte, was die Strahlenbelastung angeht. Mir ging es darum, dass die Unternehmer in der Telekommunikation fähig sein müssen, die Technologie einzuführen, ohne die Grenzwerte anzuheben. Ich bin sicher, sie können das. Es wird vielleicht ein bisschen teurer für die verschiedenen Unternehmen, aber es ist möglich.

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