Stadtbus Weinfelden: Kreuzlingen und Frauenfeld haben vorgespurt

Zwei Wegbegleiter der Stadtbusse in Frauenfeld und Kreuzlingen erzählen von den dortigen Anfängen.

Sabrina Bächi
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In Frauenfeld wurde der Stadtbus 1981 eingeführt. Heute ist er nicht mehr wegzudenken. Auf dem Bild zu sehen: Der Bushof Frauenfeld am Bahnhof

In Frauenfeld wurde der Stadtbus 1981 eingeführt. Heute ist er nicht mehr wegzudenken. Auf dem Bild zu sehen: Der Bushof Frauenfeld am Bahnhof

(Bild: Andrea Stalder, 6.11.2018)

Im Thurgau gibt es zwei Städte, die über einen Stadtbus verfügen: Frauenfeld und Kreuzlingen. In Weinfelden wird die Einführung eines Ortsbusses derzeit kontrovers diskutiert. Dies zeigt sich in den sozialen Medien, in Leserbriefen und Gesprächen in der Stadt. Auch politisch setzen sich die Pro- und Kontra-Parteien für ihre Anliegen ein. Doch wie war das eigentlich damals, als man in der Hauptstadt oder in Kreuzlingen den Bus einführte?

Zwei Wegbegleiter der jeweiligen Busverbindungen geben Auskunft: Jost Rüegg, Sprecher der Freien Liste Kreuzlingen, war bei der Einführung des Stadtbusses vor 25 Jahren im Gemeinderat. «Es gab auch bei uns Gegner, doch der Bus wurde von Anfang an überraschend gut angenommen», sagt er.

Ein Defizit das man tragen müsse

Kritik gab es wegen der hohen Kosten, die waren immer ein Thema, erzählt Rüegg. Es sei ein Defizit, das man tragen müsse. «Aber», betont Rüegg, «es lohnt sich. Heute kann sich in Kreuzlingen niemand mehr die Stadt ohne Bus vorstellen.» Bei einem Stadtbus stelle sich immer die Frage, wie viele Leute man von der Strasse in den Bus bringe.

«Zudem sind die Voraussetzungen in Kreuzlingen schon anders als in Weinfelden», sagt Rüegg. Er spricht damit die Grösse an und auch die weit aussen liegenden Quartiere in der Stadt am See. «Ich verstehe, dass es in Weinfelden Gegner gibt», sagt er. Doch einen Versuchsbetrieb würde er wagen.

Jost Rüegg, Wegbegleiter des Kreuzlinger Stadtbusses.

Jost Rüegg, Wegbegleiter des Kreuzlinger Stadtbusses.

(Bild: PD)
«Es ist ein Beitrag für die Umwelt, für die Jungen, die Alten und es geht darum, einen Teil des Individualverkehrs zu minimieren.»

In Frauenfeld gibt es den Stadtbus seit 1981

In Frauenfeld gilt Roland Büchi als «Mister Stadtbus». Er war von Anfang an dabei bei der Erstellung des Busnetzes. «1978 haben wir einen Versuchsbetrieb eingeführt und 1981 sagten die Frauenfelder Stimmbürger grossmehrheitlich Ja zum Stadtbus», sagt Büchi. Auch in Frauenfeld gab es Gegner, der Kosten wegen.

Roland Büchi, ehemaliger Leiter Frauenfelder Stadtbus.

Roland Büchi, ehemaliger Leiter Frauenfelder Stadtbus.

(Bild: Andrea Stalder)
«Ich habe immer gesagt: Ich sehe es nicht als Kosten, sondern als Investition für die Zukunft und für das Wohlbefinden in unserer Stadt.»

Die Ausgangssituation in Frauenfeld war jedoch bereits 1978 anders als in Weinfelden heute. «Damals hatte die Stadt etwa 18000 Einwohner. Zudem ist bei uns die topografische Situation mit den Quartieren an Hanglagen und weit vom Zentrum entfernt schwieriger für den Langsamverkehr.»

Das Postautonetz in der Hauptstadt sei nicht so gross gewesen. «Das Postauto ist für die Erschliessung der Dörfer zuständig, sonst wird es schwierig mit dem Fahrplan für Pendler.» Auch wenn es verführerisch sei, das Postauto für innerstädtische Erschliessung zu nutzen, «da es ja sowieso dort vorbeifährt».

Insgesamt sei in den 35 Jahren seiner Tätigkeit für den ÖV in Frauenfeld die Akzeptanz des Busses gestiegen:

«Frauenfeld heute ohne Stadtbus – unmöglich!»

Gelungene Testfahrten

Pro-Komitee Ortsbus zieht positive Bilanz

Am 10. und 18. Januar organisierte das Pro-Komitee Gratis-Testfahrten nach dem Ortsbuskonzept. Für das ganze Projekt haben die Bus-Befürworter rund 2200 Franken ausgegeben. «Finanziert haben wir diese Ausgaben grösstenteils mit Spenden», sagt Susanna Brüschweiler, Co-Präsidentin des Pro-Komitees. «Mit der Aktion sind wir hochzufrieden», sagt sie. «Es gab tolle Gespräche, auch kritische Stimmen und ich denke, die Weinfelder konnten sich ein Bild der Situation machen. (sba)