Stadtbus
«Kein grosser Nachfrageeffekt»: Stadt Frauenfeld lässt Bestrebungen für neue Wochenend-Tageskarten abblitzen

Über die Hälfte des Frauenfelder Gemeinderates hat die Interpellation von SP-Gemeinderat Alfred Bloch unterstützt, der für den Stadtbus eine Spezialtageskarte fürs Wochenende aufs Tapet gebracht hat. Der Stadtrat sieht dafür aber keine Notwendigkeit. Aus verschiedenen Gründen, wie es in der jetzt vorliegenden Beantwortung heisst.

Samuel Koch
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Ein Stadtbus fährt im Kreisel über den Kasernenplatz beim Bahnhof.

Ein Stadtbus fährt im Kreisel über den Kasernenplatz beim Bahnhof.

Bild: Andrea Stalder

Das Novum gibt es vorerst nicht. Am Wochenende gelten in Stadtbussen der Stadt Frauenfeld keine Spezialtarife, wie SP-Gemeinderat Alfred Bloch in seiner Interpellation «Stadtbus – Spezialtageskarte für das Wochenende» angeregt hat. Sein parlamentarischer Vorstoss vom Herbst, den 20 Gemeinderatskollegen aus den Fraktionen SP, CH/Grüne/GLP und Mitte/EVP mitunterzeichnet haben, bleibt vorerst folgenlos, wie aus der jetzigen Beantwortung des Stadtrates hervorgeht. Es wäre ein Novum gewesen im öffentlichen Verkehr der Region.

Alfred Bloch, Gemeinderat SP und Interpellant.

Alfred Bloch, Gemeinderat SP und Interpellant.

Bild: PD

In der Beantwortung hat der Stadtrat unter anderem geprüft, ob jeweils am Samstag und Sonntag eine Spezialtageskarte für das Wochenende für drei Franken pro Person gekauft werden kann – wie von Bloch verlangt. Der Stadtrat möchte allerdings zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzlichen Subventionen gegenüber den Billettpreisen im Tarifverbund Ostschweiz (OTV) schaffen. Er ist deshalb nicht bereit, sich für eine Spezialtageskarte im Sinne der Interpellation einzusetzen. Er begründet:

«Aufgrund der Spezialtageskarte ist kein grosser Nachfrageeffekt zu erwarten.»

Gerade wegen der pandemiebedingten Einbussen bei den Passagierzahlen seien die Einnahmen gesunken. Ganz im Gegensatz zum Defizit, das wiederum gestiegen sei. Zudem laufe aktuell die Ausschreibung des neuen Transportauftrages für die nächsten Jahre, weshalb die genauen Kostenentwicklungen für den Stadtbusbetrieb unsicher seien.

Zur Erklärung: Die Differenz zwischen den Tarifen im OTV und den tatsächlichen Preisen für die Passagiere subventioniert die Stadt, etwa beim Kinderbillett mit der Gemeinde Gachnang, was für die entsprechende Zone 921 für beide Gemeinden jährlich bis zu 100'000 Franken kostet.

Zusätzliche Subventionen von 30'000 Franken im Jahr

Die technische Umsetzung für ein Wochenend-Spezialbillett sei zwar ein Leichtes. Die möglichen Subventionskosten dafür seiein aber «aufgrund der fehlenden Erfahrung von ähnlichen Billetten und wenigen spezifischen Verkaufs- und Nutzungsdaten für das Wochenende» schwierig, schreibt der Stadtrat und rechnet die Verkaufszahlen sowie die Passagierzahlen am Wochenende pro Tag und Jahr quer. Für zukünftige Subventionen lägen die Resultate zwischen 18'000 und 38'000 Franken pro Jahr. Und nochmals blickt der Stadtrat in die Glaskugel und schreibt:

«Eine exakte Abschätzung ist aufgrund der vorhandenen Kennwerte im Rahmen der Beantwortung der Interpellation nicht möglich.»

Die Stadtbusverwaltung gehe aber davon aus, dass die Subventionen für Frauenfeld und Gachnang in der Zone 921 ungefähr in der Mitte der beiden berechneten Werte bei rund 30'000 Franken liegen dürfte. Die von Bloch angeregte Preisreduktion würde sich zwar positiv auf die Nachfrage auswirken, jedoch lediglich in Höhe von rund einem Zehntel, was der Stadtrat eben als keinen grossen Nachfrageeffekt bezeichnet.

Der Stadtrat spricht schon von zusätzlichem Werbepotenzial, von einer Förderung des öffentlichen Verkehrs und dem Einfluss auf das Mobilitätsverhalten «im gewissen Masse». Aber er glaubt gleichzeitig auch, dass ein Teil der gewonnenen Neukunden nicht vom Motorisierten Individualverkehr, sondern vom Langsamverkehr auf den Bus umsteigen würde, beispielsweise zum Einkaufen bei schlechtem Wetter.

Rücksicht auf Ausschreibung des Transportauftrages

Im ersten Halbjahr 2022 will der Stadtrat über die Vergabe des neuen Transportauftrages entscheiden, der normalerweise im Zehn-Jahres-Rhythmus ausgeschrieben wird und Ende 2021 hätte erneuert werden müssen. Weil die Stadt aber eine Option gezogen hat, den bestehenden Betriebsvertrag mit der Postauto AG um lediglich zwei Jahre per Fahrplanwechsel im Dezember 2023 zu verlängern, will er jetzt nicht kurz davor in die Tarifstruktur für den Stadtbus eingreifen. Das hat bereits die Antwort auf die Motion der CH-Gemeinderätinnen Anita Bernhard, Sandra Kern und Salome Scheiben von 2019 gezeigt, deren Bestrebungen für einen Kurzstreckentarif im Stadtparlament zwar zur Diskussion gelangten, der Vorstoss jedoch anschliessend für nicht erheblich erklärt wurde.

Trotz jetziger Antwort des Stadtrates ist die Interpellation von Alfred Bloch noch nicht ganz vom Tisch. An einer nächsten Sitzung im Gemeinderat kann sich der Interpellant zur Beantwortung äussern. Eine Diskussion findet allerdings nur statt, wenn sie auf Antrag eines Ratsmitglieds beschlossen wird.