Kommentar

Stadt Frauenfeld darf informieren, aber nicht propagieren

Die Stadt Frauenfeld begibt sich mit dem meinungsbildenden Video über die bevorstehende Hallenbadabstimmung aufs Glatteis. Das gehört sich nicht, erst recht nicht mit dem Einsatz von Steuergeldern.

Samuel Koch
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Die Stadt Frauenfeld hält mit der Digitalisierung Schritt. Sie kommuniziert über verschiedene Kanäle, organisiert Gewinnspiel-Kampagnen wie etwa das Busbingo und informiert seit längerer Zeit mit Videos – erst noch produziert von einer heimischen Filmcrew. Das ist absolut löblich, denn sie holt damit auch die jüngere Generation ab.

Samuel Koch.

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Bild: Reto Martin

Aufs Glatteis begibt sich die Stadt hingegen mit dem jetzigen Video. Darin weibelt sie für den millionenschweren Badineubau von Ende November. Dass sie in 72 Sekunden über das Grossprojekt informiert, ist nachvollziehbar und angesichts der Dimensionen völlig legitim. Dass in einem von Steuergeldern finanzierten Film aber auch meinungsbildende Aussagen Platz finden, gehört sich nicht.

In einem politischen System, wie es Frauenfeld mit Stadt- und Gemeinderat kennt, soll die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit stattfinden. Da braucht es keinen Stadtrat, der seine Meinung und so seine Stimmempfehlung an die grosse Glocke hängt – inexistente Pro- oder Kontrakomitees hin oder her.

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Samuel Koch