Sprengkandidatur
Bewegung im Kampf ums Stadtpräsidium Steckborn: Alfred Rickenbach nimmt den Hut und Doris Bachmann steigt ins Rennen

Zwei liegen in Front, der Drittplatzierte steigt aus, dafür ersetzt ihn eine Sprengkandidatin. Nebst Moritz Eggenberger und Roland Toleti spienzelt neu auch alt Stadträtin Doris Bachmann aufs Stadtpräsidium Steckborn. Der zweite Wahlgang ist am 31. Oktober.

Samuel Koch Jetzt kommentieren
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Dreikampf im zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium: Roland Toleti, Doris Bachmann und Moritz Eggenberger.

Dreikampf im zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium: Roland Toleti, Doris Bachmann und Moritz Eggenberger.

Bild: Christina Brunner

Lange war es ein Gerücht. Jetzt ist es Tatsache. Mit Doris Bachmann steigt eine Sprengkandidatin ins Rennen ums Stadtpräsidium von Steckborn ein. Die 53-jährige Schulleiterin ist am Untersee altbekannt, politisierte sie doch schon von 2015 bis 2019 im Stadtrat und kümmerte sich ums Ressort Kultur, Sport und Freizeit. Zu ihrer überraschenden Kandidatur sagt sie:

«Nach fast sieben Jahren Schulleitung ist es Zeit für einen Berufswechsel, Zeit für etwas Neues.»

Sie habe zuletzt aus der Bevölkerung immer wieder Stimmen gehört, sie solle sich doch aufstellen lassen. Diesen Wünschen wolle sie jetzt nachkommen und «es versuchen», wie sie sagt. Nicht schon vor dem ersten Wahlgang gemeldet habe sich Bachmann wegen eines gesundheitlichen Eingriffs vergangenen Winter und der Unsicherheit, wie rasch die Genesung voranschreite. Jetzt aber fühlt sie sich fit, gesund und parat, weshalb sie sich durchaus Chancen ausrechnet. Sie sagt:

«Ich habe Erfahrung im Stadtrat und in Führungspositionen, wohne seit 25 Jahren in Steckborn und bin eine Frau.»
Doris Bachmann, Stadtpräsidiumskandidatin, parteilos.

Doris Bachmann, Stadtpräsidiumskandidatin, parteilos.

Bild: Andrea Stalder

Bachmanns Sprengkandidatur erinnert an die Ersatzwahl ums Stadtpräsidium Hüttwilen, als Sabina Peter Köstli im zweiten Wahlgang angriff und die beiden anderen Kandidaten prompt übertrumpfte. Sich selbst bezeichnet Bachmann als kommunikativ, belastbar und pragmatisch. Seit 2015 arbeitet sie als Schulleiterin der Sekundarschule Pestalozzi in Kreuzlingen. Einem Teilgerücht will sie aber dann doch noch den Wind aus den Segeln nehmen: Dass alt Stadtpräsident Roger Forrer sie zur jetzigen Kandidatur bewegt hat. «Wir hatten keinen Kontakt, wir sind nur Nachbarn», sagt Bachmann.

Motivation hat sie einige. Zunächst müsse es das Ziel sein, das Städtchen und seine Verwaltung wieder zum Funktionieren zu bringen, damit wieder mehr Zufriedenheit einkehrt und Steckborn aus den Negativschlagzeilen komme. Es gebe genügend Projekte, die sie vorantreiben oder zu einem Ende bringen will und nennt etwa Scheitingen oder den Steg. «Es gibt vieles, bei dem man Licht ins Dunkel bringen kann», sagt Bachmann. Zudem will sie dem pandemiebedingt kulturell etwas eingeschlafenen Städtchen wieder zu mehr Schwung verhelfen.

Eggenberger sorgt sich nicht um Sprengkandidatur

Nach dem ersten Wahlgang vom vergangenen Sonntag mit vier Kandidaten liegt Moritz Eggenberger (GLP) mit 466 Stimmen vor Roland Toleti (parteilos) mit 422 Stimmen. Eggenberger verpasste das absolute Mehr nur um 149 Stimmen und gibt sich auch wenige Tage nach dem überraschenden Wahlerfolg zuversichtlich. Auf die Sprengkandidatur von Doris Bachmann gibt der 34-jährige Wirtschaftsingenieur nicht viel und sagt:

«Ich mache mir keine Sorgen.»
Moritz Eggenberger, Stadtpräsidiumskandidat, GLP.

Moritz Eggenberger, Stadtpräsidiumskandidat, GLP.

Bild: Michel Canonica

Eine Sprengkandidatur spreche nicht gerade für Führungsstärke, sondern zeige, wie bedenklich die politische Lage derzeit in Steckborn sei. «Ich fühle mich bestätigt, hinzustehen und Verantwortung zu übernehmen», sagt Eggenberger. Von seiner Strategie, mit persönlichen Begegnungen zu punkten, möchte er nicht abrücken, sei es am Markt oder sonst in Gesprächen auf der Strasse. Zudem folgt am 18. Oktober eine Debatte im Steckborner Lokalfernsehen.

Alfred Rickenbach macht nicht weiter

Von den vier Kandidaten aus dem ersten Wahlgang bleiben noch zwei übrig, nebst der jetzt bekannt gewordenen Sprengkandidatur von Doris Bachmann. Nachdem Patrizio Fusco (parteilos, 50 Stimmen) seine Ambitionen bereits am vergangenen Sonntag aufgegeben hat, tut es ihm Alfred Rickenbach (parteilos, 178) jetzt genauso. «Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, nicht mehr für den zweiten Wahlgang anzutreten», teilt er mit. Er wünsche den verbleibenden Kandidaten einen weiterhin fairen Wahlkampf und er sei gespannt, wer die Wahl gewinnen werde. (sko)

Toleti hofft auf Stimmen von Rickenbach und Fusco

Roland Toleti seinerseits blickt ebenfalls optimistisch in Richtung zweiten Wahlgang am 31. Oktober. Sein in Führung liegender, einheimischer Kontrahent habe lediglich 44 Stimmen mehr gemacht als er, was Toleti nach wie vor sehr freudig stimmt und positiv überrascht. Der 58-jährige Personalberater aus Eschlikon sagt:

«Man muss schon sehen, vor fünf Wochen hat mich in Steckborn noch niemand gekannt.»
Roland Toleti, Stadtpräsidiumskandidat, parteilos.

Roland Toleti, Stadtpräsidiumskandidat, parteilos.

Bild: Tobias Garcia

Trotz Sprengkandidatur von Doris Bachmann glaubt Toleti, dass er im zweiten Wahlgang noch Stimmen von Alfred Rickenbach und Patrizio Fusco auf seine Seite ziehen kann. Sowohl der Dritt- als auch der Viertplatzierte seien ihm vom Profil her sehr ähnlich, sowohl was das Alter als auch was die Führungserfahrung betrifft. Nach einer Wohnung in Steckborn hat sich Toleti, der gerade für ein paar Tage in Rom weilt, bis dato noch nicht umgesehen. Aber er sagt angriffig: «Ich esse den Elefanten scheibchenweise. Man hat erst gewonnen, wenn man gewonnen hat.»

Im zweiten Wahlgang Ende Oktober zählt das einfache Mehr. Wer am meisten Stimmen macht, zieht also ins Stadtpräsidium von Steckborn ein.

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