SPORTINFRASTRUKTUR
«Wir haben ein durchdachtes Projekt und glauben daran»: Athletikzentrum in Frauenfeld nimmt seine letzten Hürden vor der Ziellinie

Auf der Kleinen Allmend soll für 2,2 Millionen Franken eine Halle für Leichtathleten entstehen. Die Finanzierung steht zum grossen Teil. Das letzte Wort hat der Gemeinderat.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt das geplante Athletikzentrum hinter der Tartanbahn auf der Kleinen Allmend.

Die Visualisierung zeigt das geplante Athletikzentrum hinter der Tartanbahn auf der Kleinen Allmend.

Bild: PD/Architektur
Innoraum

Zehn Hürden haben Sprinterinnen und Sprinter zu überspringen, ehe sie die Ziellinie überqueren. So gesehen hat der Läufer mit dem Trikot des Leichtathletikclubs Frauenfeld (LCF) den Grossteil seiner Leistung gezeigt, wenn es ums geplante Athletikzentrum auf der Kleinen Allmend geht. Jörg Engeler, seit Freitagabend gewählt als neuer LCF-Präsident, sagt es so:

Jörg Engeler, Präsident Leichtathletikclub (LC) Frauenfeld.

Jörg Engeler, Präsident Leichtathletikclub (LC) Frauenfeld.

Bild: Samuel Koch
«7 von 10 Hürden haben wir mit unserem durchdachten Projekt erfolgreich gemeistert.»

Für 2,2 Millionen Franken will der LCF auf der nördlichen Kleinen Allmend parallel zur Autobahn eine Trainings- und Wettkampfhalle bauen. Die Verantwortlichen nennen sie «Athletics-Center».

Der Grund dafür liegt auf der Hand, die rund 320 LCF-Mitglieder – darunter namhafte Aushängeschilder wie Stabhochspringerin Andrina Hodel oder Marathonläufer Patrik Wägeli – sollen optimale Bedingungen vorfinden. Denn zuletzt trainierten die Leichtathleten im Winter und bei schlechtem Wetter auf der Sprintbahn und im Kraftraum im Keller der Sia, wo die Tage des LCF seit der Bosch-Übernahme gezählt sind. Engeler sagt:

«Wir wollen mehr Sicherheit, maximale Freiheiten und etwas, das unseren Bedürfnissen entspricht.»

Deshalb hat eine Planungsgruppe im vergangenen Jahr den Staffelstab in die Hand genommen, erste Gespräche mit der Stadt geführt und ein Konzept für eine 90 Meter lange und 15 Meter breite Halle mit Giebeldach zwischen der Tartanbahn und dem Parkplatz Thurstrasse erarbeitet. Energetisch entspricht der Wellblechbau dem Minergie-Standard.

KARTE

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Nebst Garderoben, sanitären Anlagen und einem Kraftraum sollen sämtliche Leichtathletikdisziplinen berücksichtigt werden, eine Wurfanlage, drei Bahnen für Sprints mit oder ohne Hürden, Bahnen für Weit- und Dreisprung und eine mobile Hochsprunganlage. Dank der Gebäudehöhe von acht Metern soll darin auch eine Stabhochsprunganlage entstehen. Begeistert sagt Engeler:

«So können bei uns sogar Weltrekorde gesprungen werden.»

Dieser liegt bei den Männern derzeit bei 6,18 Metern, bei den Frauen bei 5,06 Metern. In einzelnen Disziplinen sind nebst Trainingsbetrieb vor allem im Winter auch Wettkämpfe vorstellbar, sagt Engeler. Bei der Organisation kennt sich der LCF bestens aus, fanden doch auf der Kleinen Allmend schon x-fach Grossanlässe wie Schweizer Meisterschaften statt. Ebenso will der LCF auch aus finanziellen Gründen weiterhin Grossanlässe durchführen.

Diese Visualisierung zeigt, welchen Trainings die Leichtathleten in der Halle in Zukunft nachgehen können.

Diese Visualisierung zeigt, welchen Trainings die Leichtathleten in der Halle in Zukunft nachgehen können.

Bild: PD/Architektur Innoraum

Das Athletikzentrum haben die LCF-Mitglieder nun in einer schriftlichen Abstimmung klar und deutlich bewilligt, wie am Freitagabend an der virtuellen Generalversammlung herausgekommen ist.

Bildung einer separaten Stiftung

Somit fliesst das angesparte Eigenkapital des LCF von 425'000 Franken ins Projekt, das im Unterhalt jährlich rund 95'000 Franken kostet. Nebst 800'000 Franken Fremdkapital kommen 200'000 Franken aus dem Sportfonds hinzu. Mit der Leichtathletik-Vereinigung Winterthur (LVW) steuert ein Partnerverein weitere 125'000 Franken bei. «Wir haben ähnliche sportliche Ziele und liegen geografisch näher zusammen als mit Amriswil, Bischofszell oder Tägerwilen», sagt Engeler. Und weitere 45'000 Franken bewilligte kürzlich der Thurgauer Leichtathletikverband.

Martina Pfiffner-Müller, Präsidentin Stiftung Athletics-Center.

Martina Pfiffner-Müller, Präsidentin Stiftung Athletics-Center.

Bild: Andrea Stalder
«Vier Fünftel der Gesamtfinanzierung haben wir also beieinander.»

Das sagt Martina Pfiffner-Müller, die Präsidentin der kurz vor ihrer Gründung stehenden Stiftung Athletics-Center. Dieses Konstrukt bietet einerseits Rechtssicherheit und ermöglicht Sponsoren und Gönnern für die verbleibende Finanzierung andererseits steuerrechtliche Vorteile. «Zudem lässt sich die Aufgabe so auf mehrere Schultern verteilen», sagt Jörg Engeler. Die Stiftung ist Eigner, bekommt die finanziellen Mittel vom LCF geschenkt und geht danach mit diesem einen Mietvertrag ein.

Für den Sprung über die letzten drei Hürden also sucht die Stiftung jetzt noch Firmen und Private, die das Projekt über die Ziellinie bringen. «Wir stossen überall auf viel Akzeptanz», sagt Anina Brühwiler, zuständig für Marketing und Kommunikation. Um nicht kurz vor dem Ziel noch einen Schwächeanfall zu erleben, startet der LCF verschiedene Aktionen, die er auf eine neu eingerichtete Website stellt.

Diese Visualisierung zeigt das Bauprojekt von aussen.

Diese Visualisierung zeigt das Bauprojekt von aussen.

Bild: PD/Architektur Innoraum

Hoffen auf Baustart im Sommer

Vergleichbar mit der Turnfabrik oder dem Schwingkeller soll die Stiftung die notwendige Fläche auf der Kleinen Allmend dank eines 33 Jahre gültigen Baurechtsvertrags mit der Stadt bespielen können. Wie üblich bei solchen Verträgen hat dabei der Gemeinderat das letzte Wort, der im Frühling über dieses Geschäft befinden dürfte, ähnlich wie er es zuletzt für die geplante Sandsporthalle «The Beachhouse» gemacht hat.

Umgesetzt ist dieses Projekt bisher nur deshalb nicht, weil es bei der Finanzierung hapert. «Wir konnten aus dem Projekt Beachhouse lernen», meint Engeler. Im Vergleich dazu habe die Stiftung Athletics-Center mit dem LCF glücklicherweise einen etablierten Verein im Hintergrund, der erst noch einen grossen Teil der Kosten deckt. Engeler sagt:

«Wir glauben an unser Projekt und ziehen es jetzt durch.»

Läuft mit dem definierten Zeitplan alles optimal, erfolgt der Baubeginn noch in diesem Sommer. So könnte die Stiftung ihr Athletikzentrum im besten Fall als Geschenk pünktlich zu Weihnachten öffnen. Ein durchaus sportliches Ziel, finden Engeler, Pfiffner-Müller und Brühwiler. Dafür aber seien ja Sportlerinnen und Sportler da, um sportliche Ziele zu erreichen. Dafür fehlen jetzt also nur noch die letzten Hürden.