«Sponti ist cool, aber planen ist besser»: Der Frauenfelder Verein Kultur im Eisenwerk präsentiert sein Saisonprogramm

Der Frauenfelder Verein Kultur im Eisenwerk trotzt der Coronakrise mit einem reichen Saisonprogramm. Doch das Virus bleibt eine Herausforderung.

Dieter Langhart
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Rebekka Ray und Claudia Rüegsegger stellen das Saisonprogramm des Vereins Kultur im Eisenwerk vor.

Rebekka Ray und Claudia Rüegsegger stellen das Saisonprogramm des Vereins Kultur im Eisenwerk vor.

Bild: Andrea Stalder

«Kultur macht stark» prangt auf Rebekka Rays Leibchen, «Kultur macht wach» auf Claudia Rüegseggers Shirt. Die Herzen dahinter haben gelitten, als der Coronalockdown kam und dem Eisenwerk einen dicken Strich durch die Agenda machte. Aber jetzt sind die Präsidentin des Vereins Kultur im Eisenwerk und die Geschäftsleiterin im Aufholmodus. Seit einer Woche gibt es die langersehnten Sommerlochkonzerte, mit coronakonformen Sitz- und Stehregeln für die Besucher.

Gestern haben die beiden Frauen die Höhepunkte der Saison 2020/21 vorgestellt. Das Programm steht bis April, einiges darauf musste vom Frühling geschoben werden, anderes ist neu; insgesamt ist es etwas dünner als sonst. «Wir nehmen die Situation und die Auflagen sehr ernst», sagt Rebekka Ray. Claudia Rüegsegger ergänzt:

«Für uns als Veranstalter ist Corona eine permanente Herausforderung – es wird sich zeigen, was wie zu Stande kommt.»

Vorstand und Programmgruppen machen erste Erfahrungen, justieren permanent, zum Glück verfügt das Eisenwerk über mehrere Räume, kann umdisponieren.

Neues, sitzplatzgenaues Reservationstool

Man will die Besucher voreinander schützen. Die Abstände sind gross, Rumstehen und Tanzen bei Konzerten sind untersagt: Das bedeutet weniger Besucher, weniger Einnahmen, mehr Aufwand, mehr Unsicherheit – bei Matterlive etwa kamen 90 statt 200 Leute.

Zwei zusätzliche freiwillige Helfer bei jedem Anlass kümmern sich um Einlass, Platzzuweisung und Führen der Contact-Tracing-Listen (jeder Besucher bekommt seinen eigenen Kulturschreiber). Der Verein empfiehlt den Vorverkauf und hat dafür ein neues, sitzplatzgenaues Reservationstool angeschafft. Claudia Rüegsegger sagt:

«Sponti ist cool, planen ist besser.»

Ray und Rüegsegger gewinnen der Krise auch etwas Positives ab: Die vereinsinterne Kommunikation sei besser geworden, ebenso die nach aussen. Die Monatsplakate werden durch Spartenflyer ersetzt, denn sie waren zwar schön, boten aber zu wenig Informationen, waren teuer, brauchten viel Vorlauf. Neu gestaltet ein Künstler zudem halbjährlich eine besondere Postkarte. Kultur im Eisenwerk hat seinen Newsletter ausgebaut und verstärkt die Präsenz auf sozialen Medien: Die Programmgruppen haben ihre Facebook-Konten zusammengelegt, neu ist das Eisenwerk auch auf Instagram.

Ray lobt die Zusammenarbeit der beiden Akteure Kultur im Eisenwerk und der Genossenschaft Eisenwerk als Vermieterin und spricht von einem erweiterten Kulturbegriff: Was könnte hier noch stattfinden neben Wohnen und Arbeiten? Sie denkt etwa an kleine, das Kulturprogramm ergänzende Aktionen, denn das Eisenwerk soll ein Treffpunkt, ein Begegnungsort sein.

An den Gagen wird nicht geschraubt

Das Saisonprogramm steht, die Ungewissheit bleibt: «Wir rechnen mit rigideren Schutzmassnahmen. Aber macht das Publikum mit, hat es Angst?» Man bietet das Kulturprogramm an, ebenso Schutzmasken am Eingang, muss aber dynamisch reagieren.

Immerhin ist Kultur im Eisenwerk froh, dass Stadt und Kanton ihre Subventionen ungeachtet der Anzahl Anlässe überweisen und dass die freiwilligen Helfer mitmachen. Falls das Programm ausgedünnt werden müsste und die Einnahmen zurückgingen, würde nicht an den Gagen geschraubt. Claudia Rüegsegger sagt:

«Das Jahr überstehen wir auf jeden Fall.»