Interview
Spitex an Murg und Lauche muss Finanzen ins Lot bringen

Die die regionale Spitex Matzingen Stettfurt Thundorf kämpfte 2018 mit einem Rückgang bei der Grundpflege. Leiterin Jeanette Strebel nimmt Stellung.

Stefan Hilzinger
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Situation im Spitex-Alltag: Pflegefachfrau mit Klientin. (Bild: Benjamin Manser)

Situation im Spitex-Alltag: Pflegefachfrau mit Klientin. (Bild: Benjamin Manser)

«Grundpflege reisst Loch in die Kasse» titelte unsere Zeitung vor kurzem. Danach haben Sie Anrufe von Beratungsfirmen erhalten. Was haben Sie denen gesagt?

Obwohl mich diese Anrufe etwas befremdet haben, bin ich selbstverständlich höflich geblieben (lacht). Ich habe mich für das Angebot bedankt und erklärt, dass wir die Situation analysiert und erste Massnahmen bereits eingeleitet wurden.

Welches waren denn die Probleme in Ihrem ersten Jahr als Betriebsleiterin in der Spitex Matzingen Stettfurt Thundorf?

Jeanette Strebel, Leiterin der Spitex Matzingen Stettfurt Thundorf. (Bild: PD)

Jeanette Strebel, Leiterin der Spitex Matzingen Stettfurt Thundorf. (Bild: PD)

Ich spreche lieber von Herausforderungen. Nach jahrelangem Erfolgskurs musste die Spitex Matzingen Stettfurt Thundorf im 2017 erstmals einen finanziellen Verlust verkraften, der sich auch ins 2018 erstreckte. In dieser Situation habe ich Anfang März 2018 die Geschäfte übernommen. Hinzu kamen im 2018 mehrmonatige krankheitsbedingte Ausfälle von zwei Mitarbeitenden. Das waren 70 Stellenprozente der insgesamt 660 Stellenprozente, die uns fehlten und temporär doppelt besetzt werden mussten.

Die Anzahl Grundpflege-Stunden ist deutlich zurückgegangen. Welche möglichen Erklärungen gibt es dafür?

Wie Sie richtig erwähnen, mussten wir lediglich bei der Grundpflege einen Rückgang hinnehmen. Alle anderen Dienstleistungen haben eine Steigerung erfahren. Grundpflege heisst Körperpflege. Das sind einfache pflegerische Dienstleistungen. Zum Beispiel rasieren wir einen hochbetagten Mann, weil er selbst keine ruhige Hand mehr hat, um eine saubere Rasur hinzubekommen. Oder wir waschen jemandem die Haare, weil er oder sie im hohen Alter die Arme nicht mehr über den Kopf heben kann. Diese Dienstleistungen gehören zur Grundpflege, sind ärztlich verordnet und werden durch die Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt.

Eine Beeinflussung der Grundpflege durch die Spitex ist eher schwierig, denn es gibt viele Abhängigkeiten. Gut vernetzte Klienten etwa können auf Angehörige oder Bekannte zurückgreifen, um sich helfen zu lassen. Besonders war im vergangenen Jahr für uns, dass überdurchschnittlich viele hochbetagte Klienten verstarben.

Was unternimmt die Spitex, um die Finanzen wieder ins Lot zu bringen?

Als erste Massnahme hat der Vorstand den vakanten Sitz an der Mitgliederversammlung Ende April 2018 mit einem ausgewiesenen Finanzfachmann besetzt. Im Betrieb haben wir die Zeit intensiv genutzt, um das Qualitätsmanagement, die Prävention und die Öffentlichkeitsarbeit stark zu erweitern. Zudem haben wir unser Pflegefachpersonal spezifisch weitergebildet, etwa im Bereich «Clinical Assessment». Das erlaubt den Pflegenden, eine systematische, körperliche Untersuchung durchzuführen. So ermöglichen wir den Klienten, dass sie möglichst lange, selbstbestimmt bei sich wohnen können und trotzdem professionelle Pflege erhalten und sich sicher fühlen.

Die Gemeinden haben vergangenes Jahr ihre Beiträge an die Bereiche Hauswirtschaft und Sozialbetreuung erhöht, um den Rückgang finanziell aufzufangen. Das ist aber nur eine kurzfristige Lösung oder?

Ja, das stimmt. Deshalb mussten wir einer jungen Mitarbeiterin im Mutterschaftsurlaub mitteilen, dass wir ihr nach dieser Zeit keine Anstellung mehr anbieten können. Ausserdem hoffen wir, dass unsere grossen Anpassungen und Anstrengungen dieses Jahr erste Früchte tragen werden.

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