Spenden für Schulgeld
Das UNO-Flüchtlingswerk hat den Geldhahn abgedreht, nun will ein Frauenfelder Verein Flüchtlingskindern in Nepal eine schulische Perspektive geben

Der Schulunterricht für ein Flüchtlingskind in Nepals Hauptstadt Kathmandu kostet 250 Franken. Die UNO hat die Gelder für Bildung und Gesundheit stark gekürzt. Nun sucht ein Frauenfelder Verein nach Patinnen und Paten für die 52 betroffenen Kinder.

Mathias Frei
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Hilfe zur Selbsthilfe: Flüchtlingsfrauen bilden sich in Kathmandu dank der Hilfe des Frauenfelder Vereins in einem Nähkurs weiter.

Hilfe zur Selbsthilfe: Flüchtlingsfrauen bilden sich in Kathmandu dank der Hilfe des Frauenfelder Vereins in einem Nähkurs weiter.

Bild: PD

Die Pandemie hat alles noch schlimmer gemacht. «Unsere Hilfe in Kathmandu ist bitternötig», sagt Martin Strauss. Er ist Präsident des Frauenfelder Vereins Solidarität für Flüchtlinge in Kathmandu, Nepal. Seit Jahren leben am Rande von Nepals Hauptstadt Kathmandu rund 600 Flüchtlinge, die Hälfte davon sind Rohingya, gemäss den Vereinten Nationen «die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt». Die Flüchtlinge wurden in Sri Lanka, Pakistan, Afghanistan, Myanmar, Bangladesh und Somalia verfolgt. Vorstandsmitglied Sarath Maddumage, der selbst einst ein halbes Jahr in dieser Flüchtlingssiedlung lebte, sagt:

«Die Zustände waren schon vor Corona slumartig.»
Der Vorstand des Frauenfelder Vereins: Tara Kumar Sunuwar, Sarath Maddumage, Irma Stämpfli und Martin Strauss.

Der Vorstand des Frauenfelder Vereins: Tara Kumar Sunuwar, Sarath Maddumage, Irma Stämpfli und Martin Strauss.

Bild: Mathias Frei

Der Frauenfelder Verein, der sich vor bald sechs Jahren formiert hat, konnte in den vergangenen Jahren erfolgreich Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Dank einer vom Verein bezahlten Ausbildung können Flüchtlingsfrauen Einkaufstaschen herstellen und diese verkaufen. Dank der Zusammenarbeit mit einer nepalesisch-australischen NGO fanden die Taschen einen guten Absatzmarkt in den Niederlanden – bis Corona kam. Die Gesundheitsversorgung in Nepal ist schlecht, das UNO-Flüchtlingswerk hat auf dieses Jahr die Gelder für Gesundheit und Bildung massiv gekürzt respektive ganz gestrichen. Zudem gibt es seit kurzem wieder einen rigorosen Lockdown inklusive Ausgangssperren. Die Menschen sind von der UNO anerkannte Flüchtlinge, leben aber für den nepalesischen Staat illegal im Land, können darum keiner offiziellen Arbeit nachgehen.

Aktivitäten an über 30 Orten in der Schweiz

Der Weltflüchtlingstag ist ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Aktionstag, der seit dem Jahr 2001 am 20. Juni stattfindet. In der Schweiz führt die Flüchtlingshilfe die nationalen Flüchtlingstage am 19. und 20. Juni durch. An über 30 Orten in der Schweiz sind dazu Aktivitäten geplant, wie auf www.fluechtlingstage.ch zu sehen ist. Unter dem Motto «Familien gehören zusammen. Auch geflüchtete» setzt sich die Schweizerische Flüchtlingshilfe dieses Jahr dafür ein, den Zugang zur Familienzusammenführung zu erleichtern und die bestehenden Beschränkungen abzubauen. (ma)

Mit 120 Franken kann eine Flüchtlingsfamilie einen Monat überleben

Diese sechs Frauen sitzen im Ausschuss der Flüchtlingsgemeinschaft von Kathmandu.

Diese sechs Frauen sitzen im Ausschuss der Flüchtlingsgemeinschaft von Kathmandu.

Bild: PD

Der Verein leistete in den ersten Monaten dieses Jahres Coronanothilfen im Umfang von 4000 Franken. Denn die Einkünfte der Familien sind versiegt. Maddumage sagt:

«Eine Flüchtlingsfamilie benötigt pro Monat etwa 120 Franken zum Leben.»
Eine Flüchtlingsfrau bei der Herstellung einer Einkaufstasche.

Eine Flüchtlingsfrau bei der Herstellung einer Einkaufstasche.

Bild: PD

Die 4000 Franken hätten eigentlich für andere Projekte verwendet werden sollen, die der Verein nun aber zurückgestellt hat. Ein Projekt aus der Kreis der Flüchtlingsgemeinschaft konnte der Verein aber bereits unterstützen: die Herstellung und den Vertrieb von Gebrauchsgegenständen aus Kokosschalen. Auch in diesem Fall sollen die Niederlande ein wichtiger Absatzmarkt sein. Eine erste Anschubfinanzierung reichte für die Anschaffung von Werkzeugen, Kokosschalen und das Honorar für den Ausbildner. Vereinspräsident Strauss berichtet auch vom Projekt, eine Baumschule zu betreiben. Denn in Nepal herrscht chronischer Holzmangel, weil das Holz zum Heizen verfeuert wird.

Primär geht es um Hilfe zur Selbsthilfe

Der Verein hat sich seit Bestehen auf die Fahnen geschrieben, vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Vorstandsmitglied Irma Stämpfli sagt:

«Damit die Menschen Strukturen bekommen, um ihren Lebensunterhalt möglich eigenständig bestreiten zu können.»
So sieht die fertige Tasche aus.

So sieht die fertige Tasche aus.

Bild: PD

Wichtig war dabei stets auch die Schulbildung der Kinder und Jugendlichen. Weil die Unterrichtssprache in der nepalesischen Volksschule aber eben Nepalesisch und das Niveau erschreckend tief ist, besteht für die Flüchtlinge nur die Möglichkeit, an englischsprachigen Privatschulen in den Unterricht zu gehen – das machen im Übrigen auch viele Einheimische. Die UNO zahlte bislang einen Grossteil der Schulgelder. Nun ist diese Zahlung eingestellt worden. Die Hiobsbotschaft kam diesen April. Betroffen sind 52 Kinder. Pro Schuljahr und Kind sind umgerechnet 250 Franken fällig. Eine Unmöglichkeit für die Eltern. Irma Stämpfli sagt:

«Für uns in der Schweiz dagegen sind 250 Franken viel weniger Geld.»
Flüchtlingsfrauen in Kathmandu am Nähen.

Flüchtlingsfrauen in Kathmandu am Nähen.

Bild: PD

Die Patenschaften könnten auch in Raten bezahlt werden. Und natürlich seien auch kleinere Spenden möglich. Für die ersten drei Monate des neuen Schuljahres, das im Mai begonnen hat, übernimmt der Verein die Finanzierung. Danach braucht es aber dringend neue Mittel.

Spendenkonto «Solidarität für Flüchtlinge in Kathmandu, Nepal»: PC 61-587060-1 oder IBAN CH38 0900 0000 6158 7060 1