Glosse

Spannungen zwischen Polen

Murgspritzer: Was glorreiche Namensnennungen in Frauenfeld mit Spannungen zum Oberthurgau und zu Österreich zu tun haben.

Samuel Koch
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Die Fahnen mit dem neuen Namen Thurplaus der Werkbetriebe Frauenfeld sind bis dato erst auf dieser Visualisierung zu sehen.

Die Fahnen mit dem neuen Namen Thurplaus der Werkbetriebe Frauenfeld sind bis dato erst auf dieser Visualisierung zu sehen.

Bild: PD

Bei der Stadt Frauenfeld haben Namenänderungen derzeit Hochkonjunktur. Den Verantwortlichen gelingt aber nicht immer der ganz grosse Wurf, wie das im Frühling neu getaufte Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung (AKW) bewiesen hat. Ein neues Amt darf in Zeiten der zunehmenden Energiewende sicher nicht dieselbe Abkürzung wie ein Atomkraftwerk haben. – Geht’s noch?

Samuel Koch.

Samuel Koch.

Bild: Reto Martin

Immerhin haben sich die städtischen AKW-Mitarbeiter jetzt rehabilitiert, wie ein Blick an die Gaswerkstrasse zeigt. Denn die städtischen Werkbetriebe heissen dank einer glorreichen Wortneuschöpfung neuerdings Thurplus. Den Namen muss man sich wie ein erfrischend kühles Glace langsam auf der Zunge zergehen lassen – T H U R P L U S!

Wo ein Plus, da gibt’s irgendwo auch ein Minus. Dafür braucht es nicht einmal einen Abschluss in Elektrotechnik. Das weiss jeder, der mit Batterien rumhantiert. Auch der Giusi aus Biasca, der den Sommerferiengästen von ennet der Alpen wegen einer Unachtsamkeit und einer leeren Batterie im hintersten Verzascatal mit einem Überbrückungskabel pronto zu Hilfe eilen musste.

Jetzt stellt sich bloss noch die Frage, wo genau sich der Gegenpol zu Thurplus in Frauenfeld befindet. Spitze Zungen behaupten im Oberthurgau, denn irgendwoher muss bei elektrotechnischen Spannungen ja die negative Energie wieder zum Pluspol fliessen. Noch nahe liegender jedoch ist unser östliches Nachbarland mit dem überdimensionalen Minus in seiner Nationalflagge. Glücklicherweise weilt mein aus Österreich eingebürgerter Chef derzeit grad in seinen Ferien. Sonst würde er mir bestimmt die Leviten lesen und als erstes erzählen, dass sein Heimatland im Gegensatz zur Stadt Frauenfeld kein einziges AKW (mehr) betreibt.

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