Interview
«Spaghetti Carbonara kann ich mittlerweile im Schlaf kochen»: Der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi im Interview

Der Arboner Stadtpräsident wäre ein unmotivierter Handwerker geworden, konnte aber gut Posaune spielen – und liebt das Singen.

Florian Beer
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Der Arboner Stadtpräsident und ehemalige Richter im Stadthaus: Dominik Diezi.

Der Arboner Stadtpräsident und ehemalige Richter im Stadthaus: Dominik Diezi.

Bild: Andrea Stalder

Dominik Diezi, was ist das Beste an Arbon?

Die tolle Lage am Bodensee in der Nähe der Voralpen und am Dreiländereck sowie die reiche Geschichte. In Arbon ist historisch gesehen sehr viel passiert. Angefangen mit den Pfahlbausiedlungen aus der Steinzeit, der römischen Siedlung, der Niederlassung des heiligen Gallus und der Rolle als Leinwand- und Strickindustriestadt während der Industrialisierung. Das finde ich sehr faszinierend.

Wenn Sie Arbon und den Thurgau verlassen müssten, wohin würde es Sie ziehen?

Nach Graubünden, vielleicht in ein eher urbanes Gebiet wie Davos oder die Lenzerheide. Meine Grossmutter väterlicherseits stammte aus Vals, daher habe ich einen gewissen familiären Bezug zu dieser Region. Mit meiner Familie mache ich zudem oft im Bündnerland Ferien – im Sommer zum Wandern und im Winter, um Langlauf zu machen. Ich mag die Berge sehr, da fühle ich mich wohl.

Wie halten Sie sich fit und gesund?

Zum einen wie gesagt durch Wandern und Langlauf, zum anderen probiere ich, Sport in meinen Alltag einzubauen. Ich wohne in Stachen und fahre fast jeden Tag zweimal mit dem Velo nach Arbon und wieder zurück. Ich bin eigentlich ein eher kultureller Mensch, bin in der Blasmusik grossgeworden und habe im Militär Posaune gespielt. Meine beiden Kinder sind aber mehr für den Sport als für die Kultur zu begeistern. Heute spiele ich leider kein Instrument mehr, kann mir aber gut vorstellen, später in einem Kammerchor zu singen – eine weitere Leidenschaft von mir.

Haben Sie ein Morgenritual?

Für mehr als für Müsli und Kaffee bleibt mir am Morgen leider nicht viel Zeit. An guten Tagen kann ich noch zehn Minuten einen Blick in die Zeitung werfen. Das ist dann aber schon Luxus.

Können Sie kochen?

An Wochenenden nehme ich gerne selber den Kochlöffel in die Hand. Meine Kinder sind kulinarisch leider etwas heikel. Der grosse Hit ist Spaghetti Carbonara – das kann ich mittlerweile im Schlaf kochen.

Und was ist Ihr Lieblingsessen, wenn Sie sich mal bekochen lassen?

Ich mag eigentlich fast alles. Von einem Zürcher Geschnetzelten über asiatische Küche bis hin zu mediterranen Gerichten. Hauptsache, es ist gut gemacht. Für Desserts bin ich aber weniger zu haben, die sind mir meist zu süss.

Stellen Sie sich vor, Sie veranstalten ein Abendessen und dürfen dazu drei Personen einladen – lebendig oder tot. Wen laden Sie ein?

Ich bin geschichtlich sehr interessiert, daher lade ich drei verstorbene, historische Personen ein. Eine Einladung erhält Papst Johannes XXIII., weil er die katholische Kirche in die Neuzeit katapultiert hat. Zudem lade ich Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt ein, den Premierminister aus Grossbritannien und den US-Präsidenten während des 2. Weltkrieges. Das wäre eine sehr interessante Gesprächsrunde.

Haben Sie Haustiere?

Ich habe keine Haustiere, aber ich mag schöne Pferde. Ich mag ihren eleganten Anblick mit einem Reiter oben drauf. Das finde ich sehr edel. Als Reiter würde ich mich nicht bezeichnen, ich bin aber mal auf einem grossen Pony geritten.

Wollten Sie schon immer Stadtpräsident werden, oder hatten Sie einen anderen Traumjob?

Obwohl ich schon immer politisch interessiert war, wollte ich nach meinem Studium in die Justiz, das passte damals einfach besser zu mir. Nach meinen Tätigkeiten als Gerichtsschreiber und Berufsrichter hier in Arbon zog es mich dann doch 2015 in die Politik – das war eine Zäsur. Fünfzehn Jahre nach meinem Studienabschluss habe ich noch eine Doktorarbeit abgegeben. Das hat mich einfach noch gereizt.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich habe kein konkretes Vorbild im Leben. Ich bewundere aber Menschen, die zu ihrer Meinung stehen, gleichzeitig aber nicht stur sind. Auch Zivilcourage finde ich eine sehr wichtige Eigenschaft. Diese ist heutzutage aber leider nicht ganz so oft zu finden. Auch sich weniger dem Mainstream zu beugen, täte vielen Menschen gut.

In welchem Beruf wären Sie eine Fehlbesetzung?

Vermutlich als Handwerker. Ich habe zwar keine zwei linken Hände, es würde mir aber an der nötigen Motivation fehlen. Ich bin jemand, der gerne geistig gefordert wird und lieber mit dem Kopf als mit den Händen arbeitet.

Wie lautet der Filmtitel zu Ihrem Leben?

«Das Engagement für das Allgemeinwohl war sein Lebenselixier» würde auf dem Kinoplakat stehen. Der Titel müsste aber wohl noch etwas knackiger formuliert werden.

Und wer erhält die Hauptrolle?

Wer mich spielen soll, ist eine knifflige Frage. Vielleicht würde ich mich dazu überreden lassen, mich selbst darzustellen.

Was steht auf Ihrer To-do-Liste?

Die Planung der Sommerferien von meiner Familie. Es wird uns vermutlich wieder in die Berge ziehen, wohin, ist noch offen.

Worauf freuen Sie sich am meisten an einem freien Wochenende?

Darauf, in Ruhe die Zeitung zu lesen. Das ist für mich Lebensqualität und macht mir Freude. Ich lese natürlich die «Thurgauer Zeitung», aber auch die NZZ sowie deutsche Zeitungen. Meine Frau stammt aus Deutschland, daher habe ich einen direkten Bezug zu unserem grossen nördlichen Nachbarn.

Zu guter Letzt: Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Das Gegenüber war ihm wichtig.

Zur Person

Dominik Diezi (geboren am 27. August 1973) wuchs in Steckborn und Kreuzlingen auf. Er studierte an der Uni Fribourg Recht und arbeitete dann als Gerichtsschreiber und Richter am Bezirksgericht Arbon. 2011–2019 Präsident der katholischen Kirchgemeinde. Ab 2015 Stadtparlamentarier in Arbon, seit 2019 Stadtpräsident (CVP). Bei den Kantonsratswahlen im vergangenen März Panaschierkönig im Bezirk Arbon. Diezi ist verheiratet, hat zwei minderjährige Kinder und wohnt in Stachen. (fbe)