Pablo Moirón übernimmt Präsidium des Industrie- und Handelsvereins Region Frauenfeld von Oliver Vietze

Trotz vieler Herausforderungen blickt der Industrie- und Handelsverein Region Frauenfeld beim Gastbesuch in Stettfurt auf ein positives Jahr zurück. Nach sechs Jahren übergibt Oliver Vietze das Präsidium an Pablo Moirón.

Samuel Koch
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Der abtretende IHF-Präsident Oliver Vietze gratuliert dem designierten, Pablo Moirón, zur Wahl. (Bilder: Andrea Stalder)

Der abtretende IHF-Präsident Oliver Vietze gratuliert dem designierten, Pablo Moirón, zur Wahl. (Bilder: Andrea Stalder)

Misstrauen, Lügen und offene Fragen: Die aktuellen Schwierigkeiten des Industrie- und Handelsvereins Region Frauenfeld (IHF) drehen sich auch um prominente Namen wie Donald Trump oder Nicolàs Maduro. «Es braucht momentan viel Nerven», sagte IHF-Präsident Oliver Vietze am Montag an der Jahresversammlung in der Turnhalle Stettfurt vor rund 80 Gästen aus Wirtschaft und Politik.

Der bevorstehende Brexit, das Verhältnis mit der EU oder auch die gescheiterte Steuerreform würden den hiesigen Unternehmen viel abverlangen. Vietze sagte:

«Und trotzdem darf ich 2018 als gutes Jahr bezeichnen.»

Ökonomen fänden immer wieder Wege, was ihn zuversichtlich stimme. «Die Vernunft setzt sich durch», meinte Vietze und sprach das Nein zur nationalen Selbstbestimmungsinitiative oder das Ja zur Frauenfelder Landverkauf-Abstimmung an. Zudem zeigt er sich erfreut über die kürzlichen Stadtratswahlen und schickte hinterher:

«Wir wollen keine Steuererhöhung, aber trotzdem attraktiv bleiben.»

Der Spagat zwischen Kosteneffizienz einerseits und dem Motto «Wünsch Dir was» andererseits sei stets herausfordernd – für die Wirtschaft und für die Politik.

Ballon mit Leck fliegt, aber unberechenbar

Oliver Vietze besprach seinen Jahresrückblick im Plenum zum letzten Mal als IHF-Präsident. Der CEO der Baumer Group, der «genug am Hals hat», engagiert sich seit zwölf Jahren im IHF-Vorstand, seit 2013 präsidierte er den Verein. Nun rückt er zurück in den Vorstand und macht den Weg frei für Pablo Moirón (Jahrgang 1977), der seit zwei Jahren im Vorstand sitzt und seit 2015 die Geschäfte der Janico Holding AG in Frauenfeld führt.

Stimmungsbild von der Jahresversammlung des IHF.

Stimmungsbild von der Jahresversammlung des IHF.

«Vielen Dank für Ihr Vertrauen», sagte Moirón nach der einstimmigen Wahl. Die Situation mit den vielen anstehenden Herausforderungen für die Wirtschaft verglich er mit einem Ballon mit Leck. «Er ist unberechenbar, aber er fliegt», meinte Moirón. Auch in Zukunft bestehe Handlungsbedarf, ehe er mit einem Zitat abschloss, das für einige Lacher sorgte: «Handeln kommt von Hand, sonst würde es ja Maulen heissen.»

Abgang der Sia und Mitwirken am Mitsommerfest

Die Ende Jahr 61 Mitglieder des Industrie- und Handelsvereins Region Frauenfeld (IHF) beschäftigen insgesamt 6637 Mitarbeiter, davon 308 Auszubildende. Mit der Frauenfelder Sia Abrasives, die den IHF per Anfang des laufenden Geschäftsjahres verlässt, fallen aber knapp 650 Mitarbeitende weg, die mit der neuen Mitgliedschaft der Müllheimer Utilis AG (85 Mitarbeitende) etwas aufgefangen werden kann.

Finanzchef Tobias Hohermuth gab als abtretendes Vorstandsmitglied ein letztes Mal Einblick in die Buchhaltung. Fürs vergangene Rechnungsjahr resultiert ein Gewinn von rund 4000 Franken bei Gesamtausgaben von etwa 16'800 Franken, der primär auf Minderausgaben zurückgeht. Damit beträgt das Eigenkapital per Ende 2018 rund 74'000 Franken. Im Budget 2019 rechnet der IHF bei Gesamtausgaben von 34'000 Franken mit einem Minus von 15'000 Franken. Dafür verantwortlich zeichnet vor allem der Posten Projekte, der von 2500 auf 17'300 Franken ansteigt.

Damit kalkuliert der Verein Ausgaben im Zusammenhang mit dem Frauenfelder Mitsommerfest Mitte Juni ein, «die unser Vermögen sicher zulassen», meinte Hohermuth, der noch keine detaillierteren Infos zum Auftritt machen konnte. Die Mitglieder folgten dem Vorstand trotzdem und genehmigten nebst der Rechnung und dem Budget auch die gleichbleibenden Jahresbeiträge von 250 Franken pro Mitglied und 80 Rappen pro Mitarbeiter. (sko)

Nebst der Rochade im Präsidium trat auch Finanzchef Tobias Hohermuth aus dem Vorstand aus, in welchem er seit 2014 sass. Für ihn rückt Daniel Jud nach, Geschäftsführer der Frauenfelder Baumer AG – nicht zu verwechseln mit Baumer Electric.

Aufruf für mehr Ökonomen in politischen Ämtern

Dank des Gastrechts in Stettfurt war es an Gemeindepräsident Markus Bürgi, seine Grussworte an die Versammlung zu richten. Er sagte:

«Ich möchte von unserer Gemeinde keine Bilder zeigen, Stettfurt muss man erleben.»
Markus Bürgi, Gemeindepräsident von Stettfurt. (Bild: Samuel Koch)

Markus Bürgi, Gemeindepräsident von Stettfurt. (Bild: Samuel Koch)

Auch wenn seine Gemeinde «nicht so viel zu bieten hat wie Frauenfeld mit Tunnel oder Grossansiedlungen», datierte er die Gäste trotzdem über die kommunale Aktualität mit Ortsplanungsrevision oder Aufwertung der Hauptstrasse auf und appellierte an die politischen Vertreter, den Verwaltungsapparat zu reduzieren und weiter für Deregulierung zu sorgen.

«Gerade bei unserem Richtplan Dorfzentrum stehen die Vorgaben der kantonalen Ämter in keinem Verhältnis», ermahnte Bürgi, ehe er die Wirtschaftsvertreter aufforderte, sich vermehrt für öffentliche Ämter zu motivieren.