Sowieso schon kein einfaches Jahr – und dann noch diese Pandemie: Die Schulen Frauenfeld müssen im Budget 2021 mit den Steuerfüssen jonglieren

Sowohl die Frauenfelder Primar- als auch die Sekundarschulgemeinde passen ihren Steuerfuss an: Erstere erhöht um sechs Prozentpunkte, zweitere senkt um ebenso viele Punkte. So ist mit kleinen Überschüssen zu rechnen.

Mathias Frei
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Budgetpräsentation: Christian Schwarz, Leiter Finanzen, Schulpräsident Andreas Wirth und Markus Herzog, Leiter Betrieb.

Budgetpräsentation: Christian Schwarz, Leiter Finanzen, Schulpräsident Andreas Wirth und Markus Herzog, Leiter Betrieb.

(Bild: Andrea Stalder)

Aller guten Dinge seien drei, heisst es. Ob dem auch bei den Schulen Frauenfeld so ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall sind die Budgets 2021 der Primar und der Sek stark von drei Faktoren beeinflusst: von der Steuergesetzrevision, dem neuen Beitragsgesetz und nicht zuletzt von den Auswirkungen der Coronapandemie. Schulpräsident Andreas Wirth benutzt das Bild dreier aufeinander gestapelten Rollen, die es im Gleichgewicht zu halten gilt.

«Auch ohne Corona wäre 2021 zu einer Herausforderung geworden.»

Das sagt er. Die budgetierten Ergebnisse sind aber zumindest im kommenden Jahr noch im grünen Bereich. So rechnet die Primar bei einem Ertrag von 41,291 Millionen Franken mit einem Gewinn von 176'000 Franken. Die Investitionen liegen bei 13,6 Millionen, sinken aber durch eine 7-Millionen-Entnahme aus dem Erneuerungsfonds auf netto 6,6 Millionen. In der Sek soll bei einem Ertrag von 22,842 Millionen ein Überschuss von 245'000 Franken resultieren. Netto werden 1,41 Millionen investiert.

Um zu diesen Ergebnissen zu kommen, war aber eine ziemliche Jonglage mit den Steuerfüssen notwendig. Relevant für den Schulbürger: Der Gesamtsteuerfuss bleibt unverändert, insgesamt gibt es aber Verschiebungen von gesamthaft zwölf Prozentpunkten. Die Sek will neu mit 27 Prozent wirtschaften – eine Senkung um sechs Prozentpunkte. Die Primar muss um ebenso viele Prozentpunkte auf 57 Prozent erhöhen. Wirth sagt:

«Noch vor einem Jahr war der Plan, den Gesamtsteuerfuss um ein bis zwei Prozentpunkte zu senken.»

Volle Erneuerungsfonds gegen Abschreibungslast

Wirth spricht von einem «soliden Budget», hinter dem man gut stehen könne. «Aber langfristig braucht es wieder bessere Abschlüsse, damit wir die Erneuerungsfonds äufnen können. Das wäre wesentlich.» Vergangenes Jahr sind fürs Auen 25 Millionen entnommen worden, fürs Schollenholz braucht es 2021 und 2022 ein Entnahme von total 15 Millionen. Wie Finanzchef Christian Schwarz erklärt, könne man auf diese Weise die Abschreibungslast einigermassen stabil halten. Was letztlich auch wieder Auswirkungen hat auf den Steuerfuss. Oder wie er sagt:

«Wir haben eine mittelfristige Optik angewendet, um die Finanzen im Lot zu halten.»

Demgegenüber steht der Umstand, dass weder das Budget noch der Finanzplan 2022 bis 2024 regulär Einlagen in die Erneuerungsfonds vorsieht.

Investitionen: Bei der Sek tief, bei der Primar hoch

In der Frauenfelder Primar ist der Investitionsbedarf nach netto 11,4 Millionen im Budget 2020 auch im aktuellen Budget mit brutto 13,6 Millionen hoch. Im Finanzplan 2022 sind es brutto 10,7 Millionen. 2021 und 2022 werden dem Erneuerungsfonds für die Sanierung/Erweiterung Schollenholz aber gesamthaft 15 Millionen entnommen. Der Finanzplan 2023 sieht Nettoinvestitionen von 3,7 Millionen vor. Im aktuellen Budget ist zudem der Ersatz der Beleuchtung im Ergaten und Oberwiesen vorgesehen. Und im Erzenholz starten die Planungen für eine Sanierung/Erweiterung. In der Sek sind im Budget 2021 Investitionen von 1,4 Millionen vorgesehen. Und sie verbleiben auch in den Finanzplanjahren 2022 und 2023 auf tiefem Niveau. Im Reutenen ist 2021 laut Markus Herzog, Leiter Betrieb, der Ersatz von Einbauschränken und Leuchtmitteln geplant. Die Werkräume im Feuerwehrgebäude werden sanft renoviert. Und in der Schulanlage Ost gibt es eine neue Holzpelletheizung. (ma)

Die Frauenfelder Schulverwaltung.

Die Frauenfelder Schulverwaltung.

(Bild: Andrea Stalder)

Einfacher wird es nicht. Beide Schulgemeinden rechnen im Finanzplan zwischenzeitlich mit Defiziten. In der Primar ist die Lage angespannter, trotz des erhöhten Steuerfusses. Das Problem hierbei liegt aber beim Beitrag, den die Primarschulgemeinde in den kantonalen Finanzausgleich zahlen muss. In diesen muss Frauenfeld weiter mehr einschiessen, als vom Kanton einst vorgerechnet. Ein weiterer Faktor zuungunsten der Schulen Frauenfeld ist, dass ein Steuerprozent bei der Sek mehr wert ist als bei der Primar. Obwohl der Gesamtsteuerfuss gleich bleibt, sind so Mindereinnahmen von 900'000 Franken zu verzeichnen. So kann von Glück geredet werden, dass die Auswirkungen der Steuergesetzrevision in Frauenfeld wohl weniger einschneidend werden, als es die kantonale Modellrechnung prognostiziert. Es sei einerseits mit Firmenzuzügen, andererseits mit Bevölkerungswachstum zu rechnen.

Damit einher gehen die steigenden Schülerzahlen. «In der Primarschule geht der Aufwärtstrend klar weiter», sagt Wirth. Ab Sommer 2021 wird es voraussichtlich eine weitere Primarklasse und eine weitere Kindergartenabteilung brauchen. Aktuell sind es auf dieser Stufe 1980 Kinder. Die Sek besuchen derzeit 895 Jugendliche. Die steigenden Primarzahlen wirken sich verzögert aus.