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Uesslinger Bio-Winzer setzt auf Solarenergie und Erdwärme

Das Bio-Weingut Lenz oberhalb von Uesslingen setzt seit knapp drei Jahren auf erneuerbare Energie. Der Betrieb ist ein Energieselbstversorger. Solarenergie sorgt für Strom, Erdwärme beheizt die Räume. Ein Besuch vor Ort in der Sommerserie «Erneuerbare Energien».
David Grob
Die Solarzellen hinter Roland Lenz produzieren mehr Strom als der Betrieb verbraucht. (Bild: Andrea Stalder)

Die Solarzellen hinter Roland Lenz produzieren mehr Strom als der Betrieb verbraucht. (Bild: Andrea Stalder)

Es fallen erste Tropfen auf dem Bio-Weingut von Roland und Karin Lenz in Iselisberg. Regen, der dringend benötigt wird. «Es dürfte gut und gerne 30 Milliliter regnen», hofft Bio-Weinbauer Roland Lenz, der bereits drei seiner 19 Hektaren Reben bewässern muss. Die vorübergehende meteorologische Störung stellt allerdings kein grosses Problem dar, produzieren die Solarzellen auf zwei Dächern des Betriebs doch auch bei Regen etwas Strom. Der Betrieb versorgt sich während fast dem ganzen Jahr komplett mit erneuerbarer Energie und ist sogenannt energieautark. Erdwärme erhitzt das Wasser des Heizsystems, die Solarzellen produzieren mehr Strom als verbraucht wird.

Anstieg an Solarenergie im Bezirk Frauenfeld

In praktisch allen Gemeinden im Bezirk Frauenfeld ist gemäss der Energiestatistik Thurgau ein Anstieg an Solarenergie in den letzten drei Jahren festzustellen. Dies betrifft sowohl die Anzahl an Solaranlagen pro Gemeinde als auch die installierte Leistung in Kilowatt. Wenig überraschender Spitzenreiter in der Solarstromproduktion ist die Hauptstadt Frauenfeld, gefolgt von Homburg und Gachnang. Auffallend ist die Verdoppelung der Produktion in der Gemeinde Herdern. Zurückzuführen ist dies auf die Installation einer Grossanlage beim Schloss Herdern im Zuge des Baus der Biogas-Anlage. Die teils grossen Unterschiede zwischen den Gemeinden können neben den Einwohnerzahlen auch mit den Förderprogrammen für Solarenergie erklärt werden, die einige Gemeinden verfolgen. (dar)

Das Herz der Anlage

Lenz steigt in die Kellerhalle eines Nebengebäudes. Es riecht nach Wein, der in zahlreichen Weinfässern reift. «Hier ist das Herzstück der Anlage», sagt Lenz und öffnet eine Tür mit dem grellgelben Schild «Hochspannung». Im kleinen Kellerraum laufen die verschiedenen Energiekreisläufe zusammen. Die Erdwärme erhitzt mittels Wärmepumpe den Wasserkreislauf des Weinguts; der überschüssige Strom aus der Solarenergie wird in einem Batteriespeicher konserviert. Die beiden Fotovoltaik-Anlagen auf zwei Dächern liefern den Strom, rund 90'000 Kilowattstunden pro Jahr. Der Betrieb benötigt für Heizung, Kühlung, Maschinen und Wohnen rund 65'000 Kilowattstunden im Jahr. Somit ist der Energiebedarf mehr als gedeckt. Die Batteriespeicherung war die erste private Anlage in der Region beim Bau 2015. Lenz erklärt:

«Die Anlage läuft nun seit drei Jahren. Die Technologie war damals völlig neu. Hier sind alles Prototypen im Einsatz, nichts kann man ab der Stange kaufen.»

Der produzierte Strom eines gesamten Tages kann in der Batterie konserviert werden, die direkt ans Elektrizitätsnetz geschalten ist. Der überschüssige Strom wird von der Gemeinde aufgekauft. «Das EW Uesslingen kann den Batteriespeicher direkt steuern und den benötigten Strom beziehen», sagt Lenz. Dies geschieht hauptsächlich in den Spitzenzeiten am Abend zwischen 17 und 21 Uhr. «Wir können jedoch auch steuern, wie viel Strom wir abgeben wollen. Der Strom kann komplett abgegeben werden oder gar nicht.» Denn der Betrieb des Bio-Weinguts benötigt je nach Wetterlage mehr oder weniger Energie.

Auch in den Kellerraum laufen die Rohre der vier Erdsonden. In sieben Meter Abstand zur nächsten dringt jede Erdsonde 210 Meter in die Tiefe. Flüssigkeit strömt durch die Rohre in die Tiefe, nimmt die Erdwärme auf und gibt diese an der Erdoberfläche in einer Wärmepumpe weiter und erhitzt das Wasser des Heizsystems. Lenz sagt:

«Die Erdwärme beheizt sämtliche Räume, rund 7000 Kubikmeter.»

Gleichzeitig führen die Rohre der Erdsonden ein Teil der Abwärme des Kühlsystems in die Tiefe, um die Abkühlung des umgebenden Erdreiches abzuschwächen.

Rund 61'000 Kilowattstunden verbraucht die Beheizung aller Gebäude und des Warmwasserkreislaufes. Rund 70 Prozent dessen, 43'000 Kilowattstunden können über die Erdsonde gewonnen. 5000 Kilowattstunden stammen als Abwärme aus dem Kühlsystem. So müssen noch rund 13'000 Kilowattstunden oder acht Prozent an elektrischer Energie in den Betrieb der Wärmepumpe investiert werden.

Von Flasche bis Energie nachhaltig

Spricht Lenz über sein Weingut, so wird spürbar, wie wichtig ihm ein nachhaltiger Umgang mit Energie und Ressourcen ist – Nachhaltigkeit, die sich nicht nur auf die Energieproduktion beschränkt. Ein Beispiel illustriert seinen konsequenten Ansatz. Denn pro Flasche Wein – von der Weinlese über die Produktion einer Flasche bis zum Befüllen – entsteht der Hauptanteil an CO2 nicht durch den Einsatz von Maschinen bei der Traubenlese oder der Weinproduktion. Lenz erläutert:

«60 Prozent am anfallenden CO2 entsteht durch die Herstellung der Flasche selbst.»

Er setzt deshalb auf leichtere Flaschen und die Wiederverwendung alter Flaschen, die ausgewaschen und neu befüllt werden. Auch in der Mobilität setzt das Weingut auf Elektrizität. Zwei Elektrolieferwagen werden zum Transport eingesetzt. Weiter dürfen Kunden ihr Elektrofahrzeug an der eigenen Elektrotankstelle gratis aufladen. «Wir planen auch die Anschaffung eines Elektrotraktors, sobald wir einen neuen benötigen», sagt Lenz. Entsprechende Modelle sind bereits auf dem Markt.

Zufrieden nach Startschwierigkeiten

Seit knapp drei Jahren steht die Anlage nun. Nach einigen Startschwierigkeiten im ersten Halbjahr ist Lenz nun zufrieden mit der Investition von 450'000 Franken. Einen Anteil von einem Viertel der Baukosten der Batteriespeicherung übernahm auch der Kanton Thurgau. Bedingung war allerdings, die produzierten Nutzungsdaten der Speicherung analysieren und für zukünftige Energieprojekte verwenden zu können.

Geplant ist die Erweiterung der Fotovoltaik-Anlage. Denn das Weingut ist nicht während des ganzen Jahres energieautark. «Während einigen Wochen im Winter müssen wir etwas Strom beziehen, etwa wenn Schnee liegt», erklärt Lenz.

«Um völlig unabhängig zu sein, müssten wir die Solarenergie um rund dreissig Prozent ausbauen.»

Platz wäre mit der zweiten Hälfte des Dachs auch vorhanden. Die Umsetzung dieser Idee sieht Lenz in den nächsten drei Jahren. Der Regen ist weitergezogen. Die Sonne wirft bereits wieder erste scheue Strahlen auf die Solarzellen.

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