Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sommerserie: Auf den Spuren von Herren und Höherem

Der erste Teil der Route des Thurgauer Architektenvereins von Nussbaumen bis Bommen führt zu Schlössern aus verschiedenen Epochen. Die schweisstreibende Velofahrt gipfelt in einem lohnenden Ausblick vom Napoleonturm.
Sebastian Keller
Schloss Herdern steht in der gleichnamigen Thurgauer Gemeinde. (Bilder: Sebastian Keller)

Schloss Herdern steht in der gleichnamigen Thurgauer Gemeinde. (Bilder: Sebastian Keller)

Der Reifendruck des Velos ist kontrolliert, der Helm montiert, die Sonnencreme aufgetragen: Die Tour auf zwei Rädern zu Schlössern und Scheunen auf dem Seerücken startet in Nussbaumen. Das Dorf macht seinem Namen alle Ehre – an den Bäumen hängen grüne Baumnüsse in üppiger Zahl. Es ist ein sonnig-heisser Tag, den man lieber im Kühlschrank verbringen würde.

Doch bereits die erste Station entschädigt: Die Mühle mit Scheune und Weiher liegt im Dorfzentrum von Nussbaumen. Der vom Furtbach gespeiste Mühleweiher befindet sich oberhalb der Häusergruppe. Im Wasser schwimmen Fische, lang wie die Unterarme eines Schwingers. Ein Bach, der früher wohl das Mühlerad angetrieben hat, fliesst zur Häusergruppe runter.

In Nussbaumen steht "ein prachtvolles Fachwerkhaus des späten 18. Jahrhunderts". So rühmt es die Denkmalpflege.

In Nussbaumen steht "ein prachtvolles Fachwerkhaus des späten 18. Jahrhunderts". So rühmt es die Denkmalpflege.

Star des Ensembles ist ein Gebäude, das die Denkmalpflege als «ein prachtvolles Fachwerkhaus des späten 18. Jahrhundert» rühmt. Es weist ein dichtes regelmässiges Riegelmuster auf, die roten Balken stechen hervor. Die Fensterläden in Grün und Schwarz sind ein weiterer Farbtupfer. Das Haus musste 1798 wegen starker Unwetterschäden neu aufgebaut werden.

Die Konstruktion zeugt vom damaligen Zeitgeist: Um 1810 machten Riegelhäuser in mindestens drei Thurgauer Bezirken mehr als 75 Prozent aller Bauten aus. Die Mühle in Nussbaumen, die heute nicht mehr in Betrieb ist, existierte vermutlich bereits im 14. Jahrhundert. Seit dem 16.Jahrhundert bis Mitte des 18. Jahrhunderts hatten die Zürcher hier etwas zu sagen. Ein Zürcher Wappen mit schildhaltenden Löwen ziert den Südgiebel.

Leichte Steigung zum ersten Schloss

Nun gilt es, in die Pedalen zu treten. Eine leichte Steigung hoch in Richtung Schloss Steinegg. Der Weg führt entlang weiterer Nussbäume und Gemüsefeldern. Dabei rinnt der Schweiss, wie wenn man einen Schwamm ausdrückte.

Plötzlich erscheint ein Turm inmitten von Baumkronen. Beim Annähern erblickt man die gesamte Schlossanlage. Wie die Denkmalpflege schreibt, stecken im Südwestflügel des «stumpfwinkligen Baugefüges» noch Reste der im 13.Jahrhundert vom gleichnamigen Ritter – Herrn von Steinegg – erbauten Burg. Im späteren 19. Jahrhundert wurde es zu einem Schloss der Neorenaissance aufgemöbelt. Auch heute macht das Schloss noch eine Falle. Weil es in Privatbesitz ist, ist das Betreten verboten. Darauf weist auch eine Katze den Zaungast hin, die sich wie ein Wachhund gebärdet.

Das Schloss Liebenfels ist heute noch gut in Schuss.

Das Schloss Liebenfels ist heute noch gut in Schuss.

Wieder auf dem Velo: Es geht weiter zum Massnahmenzentrum Kalchrain, ein früheres Zisterzienserinnenkloster. Das einstige Kloster dominiert noch immer das Gebäudeensemble, das im Laufe der Jahrzehnte durch Neubauten ergänzt wurde. Die Anlage wurde über die Jahrhunderte verschiedentlich genutzt. Ab 1850 für rund hundert Jahre als Arbeits- oder Zwangserziehungsanstalt für «liederliche», «lebensuntüchtige» und «arbeitsscheue» Männer und Frauen. Bei diesem Gedanken wird einem bewusst, dass die Schattenseiten des Lebens an diesem idyllischen Aussichtsplatz allzu häufig gastierten.

Im einstigen Zisterzienserinnenkloster befindet sich heute das Massnahmenzentrum Kalchrain.

Im einstigen Zisterzienserinnenkloster befindet sich heute das Massnahmenzentrum Kalchrain.

Die Strasse führt weiter in Richtung Herdern. Während der rasanten Abfahrt kühlt der Fahrtwind, wie wenn man die Kühlschranktüre öffnet. Schloss Herdern thront oberhalb der Reben und der Thurebene. Das Schloss ist mit Bauteilen aus dem 13. bis 17. Jahrhundert ausgestattet. Es erscheint kompakt und nicht dominant wie andere Schlösser.

Der achteckige Zwiebelturm und Erker in jeder Ecke verleihen ihm trotzdem etwas Feudales. Zwischen Schlossmauern und Reben plätschert im Rosengarten ein Springbrunnen. Man möchte sich der Muse hingeben wie einer neuen Geliebten. Auf der anderen Seite, auf dem Platz zwischen Kirche und Schloss, grüssen freundlich Männer und Frauen. Schloss Herdern ist heute eine Wohn-, Arbeits- und Beschäftigungsstätte für 80 Männer und Frauen, «die aus sozialpsychiatrischen Gründen auf einen geschützten Rahmen zur Lebensführung angewiesen sind», wie es auf der Webseite des Vereins heisst.

Eigenproduktionen im Schlossladen

Ein Besuch des Schlossladens erweist sich als kulinarisches Muss. Viele Eigenproduktionen sind käuflich: Vom Wein über den Käse bis hin zu Pasta, Ölen und eingelegtem Gemüse. Auch für Velofahrer findet sich die passende Verpflegung zur sofortigen Stärkung. Was gelegen kommt: Auf dem nächsten Stück zu den Schlössern Liebenfels und Gündelhart ist der erste Gang beim Velo sehr beliebt

Schloss Liebenfels: Eine Burg auf diesem Fleck Land wurde erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1254.

Schloss Liebenfels: Eine Burg auf diesem Fleck Land wurde erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1254.

Liebenfels, ebenfalls in Privatbesitz, erinnert an eine Burg. Und das ist nicht falsch: Eine solche wurde erstmals im Jahr 1254 urkundlich erwähnt. Diese Zahl prangt den auch auf einem Schild, das demnach nicht die Hausnummer ist. Das nächste Schloss ist nicht weit.

Es befindet sich im Dorf Gündelhart. Das Dorf selber ist ein Schmuckstück. In der Mitte befindet sich die Kirche St. Mauritius, unweit steht das Schloss Gündelhart, das im Vergleich zum bisher gesehenen eher in die Kategorie jugendlich fällt. Es wurde zwischen 1645 und 1646 erbaut. Ein Kind würde ein Schloss wohl nicht in dieser Form zeichnen, die Denkmalpflege aber hält fest: «Dreigeschossiger, verputzter Giebeldachbau von schlichter Gestalt und mächtiger Kubatur mit Treppenhaus im westlichen Standerker, Sandsteinportale und kleiner Hauskappelle». Heute befinden sich vier Mietwohnungen im Gebäude – der Beruf des Schlossherrn damit ein Job-Sharing-Projekt.

Schloss Gündelhart: Heute beherbergt das Gebäude vier Wohnungen.

Schloss Gündelhart: Heute beherbergt das Gebäude vier Wohnungen.

Die Weiterfahrt über den Seerücken zeigt die noch heute ländliche Prägung dieser Region. In den Weilern und Dörfern spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Das erfährt der Velofahrer, weil ihm bei fast jeder Weggabelung ein Traktor verkommt.

Neuer Turm als Referenz zum alten

Nun geht es Richtung Bergpreis. Der Gipfel winkt schon aus der Ferne. Dies in der Form des neu errichteten Napoleonturms im Weiler Hohenrain bei Wäldi. Der Holzturm wurde 2017 eingeweiht. Er referiert aber auf ein historisches Vorbild. Im Sommer 1829 wurde der 21 Meter hohe Aussichtsturm «Belvédère zu Hohenrain» erstellt. Dies offenbar auf Initiative des damals erst 20-jährigen Louis Napoleon, des späteren Kaisers Napoleon III.

«Das Bauwerk war als Lustgebäude brandversichert», liest man auf einer Tafel. 1855 wurde es abgebrochen. Auf den neuen Turm kommen Gäste bis auf 36 Meter Höhe. Beim Erklimmen der 208 Stufen presst es einem die letzten Schweisstropfen aus der Haut. Oben angekommen entschädigt die Sicht über den lieblichen Untersee, den meerähnlichen Bodensee und zum massiven Säntis für jegliche Mühen.

Ausblick vom Napoleonturm in Wädli auf den Untersee mit der Insel Reichenau.

Ausblick vom Napoleonturm in Wädli auf den Untersee mit der Insel Reichenau.

Route in zwei Etappen

Die Schweizerische Architekten- und Ingenieurverein (SIA) Sektion Thurgau lädt diesen Sommer zusammen mit dem Thurgauer Heimatschutz zu "Entdeckungstouren durch die Baukultur" ein. Die "Thurgauer Zeitung" begibt sich in der Sommerserie auf die fünf Routen. Die Route «Schlösser und Scheunen auf dem Seerücken» ist in zwei Etappen fürs Velo konzipiert. Die erste beginnt in Nussbaumen, führt über das Schloss Steinegg, das ehemalige Kloster Kalchrain zum Schloss Herdern. Von da geht es weiter zu den Schlössern Liebenfels und Gündelhart. Die nächste Station ist der Napoleonturm in Wäldi. Die erste Etappe endet im Weiler Bommen am Bommerweiher. Als reine Fahrzeit mit dem Velo wird für die rund 30 Kilometer lange Strecke 3 Stunden und 40 Minuten angegeben. Die zweite Etappe ist in etwa gleich lang, dauert aber rund eine Stunde weniger lang. Die zweite Teil führt von Bommen über Alterswilen und Siegershausen nach Illighausen, wo es beispielsweise eine Kirche und ein Schulhaus zu erkunden gibt. Weiter führt die Etappe über Langrickenbach und Dozwil in den Oberthurgau. In der vom Obstbau geprägten Region sind kleine Weiler und Einzelhöfe typisch. Weiter führt die Route über die Weiler Chatzerüti und Erdhausen nach Roggwil, wo die zweite Etappe endet. Hier lohnt sich die Betrachtung des Riegelhauses Traube, der Kirche sowie des Schlosses. Auf der gesamten Route befinden sich Gaststätten und Läden. (seb.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.