SOLIDARITÄTSAKTION
«Aus dem Thurgau für den Thurgau»: Junge Wirtschaftsleute vertreiben Bier vom Frauenfelder Brauhaus Sternen und Saft von der Mosterei Möhl Arbon, um gebeutelte Gastronomen zu unterstützen

Trinken für einen guten Zweck: Mit dem Projekt Thurbier verkaufen junge Wirtschaftsleute über eine Onlineplattform Getränke, was auch den Thurgauer Gastronomiebetrieben zugutekommt.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Die Initianten und Brauhaus-Geschäftsführer Stefan Mühlemann (kniend 2. v. r.) mit den bereits produzierten Thurbier-Harassen.

Die Initianten und Brauhaus-Geschäftsführer Stefan Mühlemann (kniend 2. v. r.) mit den bereits produzierten Thurbier-Harassen.

Bild: Kevin Roth

Das System ist simpel. Wer einen Harass Thurbier der Frauenfelder Brauerei Sternen oder einen Harass Saft der Arboner Mosterei Möhl für 40 Franken kauft, kann die Hälfte des Betrags an den Gastronomiebetrieb seiner Wahl spenden. Dahinter steckt die Aktion Thurbier der Mitglieder der Thurgauer Kammern der Jungen Wirtschaft (JCI) Untersee-Kreuzlingen, Frauenfeld und Oberthurgau in Zusammenarbeit mit den Roundtables Kreuzlingen und Weinfelden. Initiant Ingo Burow, JCI-Mitglied und Architekt aus Kreuzlingen, sagt:

«Das ist eine supergeile Idee, um in diesen herausfordernden Zeiten die von der Krise besonders betroffene Thurgauer Gastronomiebranche zu unterstützen.»

Als Teil der Wirtschaft sehen es die Initianten als ihre Pflicht, die Gastronomie zu unterstützen und somit den Wirtschaftsstandort Thurgau zu stärken. Entstanden aus einer Idee der Aktion «Biär für ds Glarnerland» der dortigen JCI haben die jungen Wirtschaftsleute aus dem Thurgau mit der Mosterei Möhl und der Brauerei Sternen hiesige Unternehmen gefunden, die mitziehen. Letztere hat bereits 250 Harassen Thurbier produziert, wie die Initianten und Brauhaus-Geschäftsführer Stefan Mühlemann bei einer Medieninfo am Donnerstagabend in Frauenfeld verkündeten. «Aus dem Thurgau für den Thurgau», steht auf den extra für die Solidaritätsaktion gestalteten Etiketten.

Thurbier-Etikette mit der Aufschrift: «Aus dem Thurgau für den Thurgau».

Thurbier-Etikette mit der Aufschrift: «Aus dem Thurgau für den Thurgau».

Bild: Kevin Roth

Schon über 40 Betriebe machen mit

Bereits in der ersten Woche sind so über 140 Harassen Bier und elf Harassen Saft über den Ladentisch. Betriebe, die über den Verband Gastronomie Thurgau angeschrieben worden sind, machen bereits über 40 mit. Wer für die Aktion über eigene Plattformen oder über Newsletter die Werbetrommel rührt, profitiert eher von den Spenden. «Die Teilnehmer haben es also auch ein Stück weit selbst in der Hand, wie viele Spenden sie erhalten», sagt Mitinitiantin Alexa Vogler, Gewerbedesignerin aus Kreuzlingen.

Die Aktion läuft sicher noch, solange die Gastronomie wegen Corona geschlossen bleibt. Sollten die Restaurants und Beizen ab Ende April wieder öffnen dürfen, soll das Projekt aber nicht im Sand verlaufen, sondern die Spenden zukünftig einfach anderweitig eingesetzt werden. Oliver Goldinger, Verkaufsleiter aus Frauenfeld, sagt:

«Wir können es dann auch weitertreiben und die Spenden sozialen Projekten zukommen lassen.»

Investiert haben die Initianten bei ihrer Solidaritätsaktion vor allem Zeit, um Logo, Internetauftritt und den Vertrieb zu organisieren. Wer bei Thurbier mitmacht, kann seine Getränke entweder zu festgelegten Terminen an einem arrangierten Ort abholen oder sie sich für einen Aufpreis von fünf Franken vor die eigene Haustüre liefern lassen.

Spendengelder fliessen wöchentlich

Den grossen Vorteil der Aktion sehen die Initianten in der raschen Auszahlung der Spenden. Die knapp 3000 Franken der bereits verkauften Getränke werden bereits diese Woche ausbezahlt. «Die unterstützten Gastronomen müssen also nicht lange auf das Geld warten», sagt Alexa Vogler. Aber warum genau das Brauhaus Sternen und die Mosterei Möhl?

«Wir haben Partner gesucht, welche die Kapazität haben und nicht grossindustriell sind.»

Das sagt Ingo Burow. Und die Lieferkapazität soll in den nächsten Tagen und Wochen steigen. Das definierte Ziel sind 1500 verkaufte Harassen, also 15'000 Flaschen und damit 30'000 Franken für den Spendentopf. Werden es mehr, wehren sich die jungen Wirtschaftsleute nicht und blicken in Richtung Stefan Mühlemann, der postwendend reagiert. «Ich bin bereit», sagt er und grinst. In seinem Lager stünden noch 3000 Liter Bier. Von der Aktion ist Mühlemann begeistert. Er sagt:

«Es ist schön, dass wir miteinander etwas gegen die Krise unternehmen und so die Gastrokollegen unterstützen können.»
Stefan Mühlemann, Brauerei Sternen Frauenfeld.

Stefan Mühlemann, Brauerei Sternen Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Mit mehr Umsatz profitiert auch Mühlemann und das Brauhaus Sternen selbst. «Das ist aber nebensächlich», sagt Mühlemann. Die Mosterei Möhl in Arbon haben die Initianten angefragt, um nebst Bier auch eine alkoholfreie Alternative feilzubieten. Christoph Möhl, im Unternehmen in fünfter Generation zuständig für Marketing und Produktinnovation, sagt:

«Alles, was der Gastro zugutekommt, unterstützen wir gerne.»
Christoph Möhl, Mosterei Möhl Arbon.

Christoph Möhl, Mosterei Möhl Arbon.

Bild: Urs Bucher

Die bisherigen Erfahrungen der Initianten zeigen, dass bisher deutlich mehr Bier verkauft worden ist als Saft. «Das Verhältnis steht etwa 10 zu 1», sagt Ingo Burow. Der erste Liefer- und Abholtermin ist auf den Sonntag, 11. April, datiert. Und es sollen noch viele weitere folgen. Kürzlich hat jemand aus Bern einen Harass Thurbier bestellt. Mirco Miller, Architekt aus Kreuzlingen, sagt: «Bei ausserkantonalen Lieferungen müssen wir uns zuerst noch organisieren.»