Thurgauer Rentner hält echte Polizisten für Gauner 

Ein 73-Jähriger weigert sich, Thurgauer Kantonspolizisten seinen Namen zu nennen. Er habe sie für Betrüger gehalten, rechtfertigt er sich. Das Gericht glaubt ihm.

Ida Sandl
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Wer es mit der Polizei zu tun bekommt, muss seinen Namen angeben – dieser Aufforderung kam der Senior nicht nach. (Symbolbild: Archiv/Susann Basler)

Wer es mit der Polizei zu tun bekommt, muss seinen Namen angeben – dieser Aufforderung kam der Senior nicht nach. (Symbolbild: Archiv/Susann Basler)

Es war nachts um halb zwei, als die beiden Polizisten an seiner Wohnungstür läuteten. Das kam dem 73-jährigen Thurgauer seltsam vor. Auch die Begründung leuchtete ihm nicht ein: «Ruhestörung.» Er habe sich mit seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau nur unterhalten und dabei Fernsehen geschaut. Der Fernseher sei bei ihm zwar etwas lauter eingestellt, da er schlecht höre. Bisher habe sich aber noch nie jemand beschwert, erklärte er am Dienstag vor dem Bezirksgericht Weinfelden.

«Keine richtige Uniform»

Verweigerung der Namensangabe wird dem Mann vorgeworfen. Einen Strafbefehl mit 200 Franken Busse hat ihm der Staatsanwalt ins Haus geschickt. Doch das sieht der Beschuldigte nicht ein, deshalb kam die Sache vor Gericht. Die Polizisten haben ihn wiederholt aufgefordert, er solle seinen Namen nennen. Das hat er nicht gemacht, denn:

«Ich muss in meiner Wohnung nicht sagen, wie ich heisse.»

Zuerst sollten sie ihm sagen, wer sie seien. Er habe den Verdacht gehabt, dass es sich bei der Frau und dem Mann um falsche Polizisten handle. «Man liest jeden Tag in der Zeitung von solchen Fällen.» Sie hätten keine «richtige Uniform» getragen, sondern «eine Art Übergwändli». Dass die Uniform der Kantonspolizei Thurgau so aussieht, wisse er erst jetzt.

«Das ist wieder so eine Gaunerei», habe er gedacht. Sein Plan sei gewesen, die 117 zu wählen und die Namen der vermeintlich falschen Polizisten überprüfen zu lassen. Doch sie hätten ihm nicht gesagt, wie sie heissen.

Auf Namensschilder verwiesen

Die Polizisten schildern die Szene etwas anders. Der Mann habe auf sie einen alkoholisierten Eindruck gemacht. Sie hätten sich gleich am Anfang vorgestellt. Als er trotzdem penetrant habe wissen wollen, wie sie heissen, hätten sie nur noch auf die Namenschilder an der Uniform verwiesen.

Die habe er nicht gesehen, rechtfertigt sich der Beschuldigte. Das Gegenlicht im Flur sei ungünstig gewesen. Fünf bis zehn Minuten dauerte der Vorfall, nicht länger. Dann zogen die Polizisten ab. Der Mann rief ihnen noch ins Treppenhaus nach:

«Solches Gesindel brauchen wir nicht!»

Im Zweifel zugunsten des Beschuldigten

Die Richter des Bezirksgerichts sprachen den Beschuldigten frei. Sie glaubten ihm, dass er nicht gehört habe, als die Polizisten sich vorstellten. Ihren Ausweis haben sie ihm nicht gezeigt. «Es war wohl alles ein grosses Missverständnis», sagt Gerichtspräsident Pascal Schmid bei der Begründung des Urteils. Immerhin habe sich der Vorfall nachts im Treppenhaus abgespielt.

Und dass der Mann schlecht hört, ist offensichtlich. Auch vor Gericht müssen die Fragen an ihn öfter wiederholt werden. Die Verweigerung der Namensangabe ist eine kantonale Strafnorm, erklärt Schmid. Wer gegenüber Behörden trotz Aufforderung seinen Namen nicht nennt, macht sich strafbar. Hier gehe es aber um einen sogenannten Sachverhaltsirrtum. Der Beschuldigte sei der irrigen Meinung gewesen, er habe Betrüger statt echter Polizisten vor sich. Darum müsse im Zweifel zu Gunsten des Beschuldigten ausgegangen werden.