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Interview

Trotz Querschnittlähmung: Sogar Tauchen ist für den Frauenfelder Unternehmer Armin Jossi wieder ein Thema

Seit einem Unfall vor drei Jahren ist der Frauenfelder Unternehmer Armin Jossi querschnittsgelähmt. Nun beginnt der 61-Jährige mit Unterstützung des Ruderclubs Steckborn mit dem Rudersport.
Margrith Pfister-Kübler
Armin Jossi mit Ruderchefin Gaby Rominger und Präsident Werner Eggli im Clubhaus des Ruderclubs Steckborn. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Armin Jossi mit Ruderchefin Gaby Rominger und Präsident Werner Eggli im Clubhaus des Ruderclubs Steckborn. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Herr Jossi, Sie sind seit Ihrem Töffunfall im Jahr 2015 in Marokko querschnittgelähmt. Jetzt haben Sie sich für den Rudersport entschieden. Ist dies nicht etwas gewagt?

Nein, gar nicht! Die Pararuderboote unterscheiden sich von normalen Ruderbooten, indem auf beiden Seiten Schwimmkörper angebracht sind. Kippen ist somit kaum möglich.

Wie funktioniert dies mit den Abläufen und der Technik?

Wenn man einmal im Boot sitzt, unterscheidet sich das Pararudern vom normalen Rudern darin, dass man auf einer festen Unterlage sitzt, die Beine also gar nicht benötigt.

Je nach Lähmungsart wird man am Sitz angeschnallt. Das wirklich Besondere ist das Ein- und Aussteigen ins Boot. Da benötige ich Unterstützung, mindestens durch zwei, besser drei Personen.

Wie kamen Sie auf die Idee, es mit Rudern zu versuchen?

In Nottwil gibt es jedes Jahr eine Sportwoche, in der man sich an vielerlei Arten von Sport versuchen kann. Dort habe ich entdeckt, dass mir das Rudern liegt: die Nähe zum Wasser, zur Natur. Im Weiteren ist das Pararudern für meine Konstitution ideal, da ich vom Becken an aufwärts noch ziemlich normal bemuskelt bin. Bei diesem Sport werden genau diese Muskeln beansprucht.

Club schafft Boot an

Um als Querschnittgelähmter Rudersport zu betreiben, braucht es ein spezielles Boot. Diese ist seitlich mit kleinen Schwimmern ausgestattet. Die verhindert, ähnlich wie bei einem Katamaran, dass das Boot kentert. An der kürzlichen Jahresversammlung stimmt der Ruderclub Steckborn der Anschaffung eines solchen Bootes zu. Die Paraplegiker-Stiftung leistet einen Beitrag an die Kosten. Pararudern ist seit 2005 eine paralympische Disziplin. (kü)

Das Leben mit Rollstuhl ist also kein Grund Sport aufzugeben?

Natürlich nicht, fast im Gegenteil. Vorher habe ich mich weitgehend darauf verlassen, dass ich im Alltag so viel Bewegung hatte, dass ich keinen eigentlichen Sport treiben musste. Jetzt habe ich eine gesteigerte Körperwahrnehmung. Da die grössten Muskeln im Körper in den Beinen sind, muss zwischendurch mein Kreislauf auf andere Weise auf Touren gebracht werden. So gehe ich wöchentlich Schwimmen; im nächsten Jahr kommt nun noch Rudern dazu. Verschiedenes anderes treibe ich situativ: Skilanglauf, Monoskibob, Downhill-Biken. Klingt vielleicht unglaublich, aber mit den passenden Hilfsmitteln und mit Helfern ist vieles möglich.

Nach dem Enduro-Unfall haben Sie sich nach und nach ins normale Leben zurückgekämpft. Wo haben Sie primär Kraft gefunden?

In unserer Schweiz mit fantastischen Institutionen wie dem Paraplegiker-Zentrum Nottwil fühlt man sich eigentlich nicht wie in einem Kampf. Zuerst mit Physiotherapie, dann mit Ergotherapie lernt man systematisch, aus dem reduzierten Funktionsumfang seines Körpers das Optimum herauszuholen. Die grosse Herausforderung kommt, wenn man aus der sechsmonatigen Reha wieder nach Hause kommt. Wie kommt man zu Hause klar? Hier hat meine liebe Frau Flavia Tolles geleistet, unterstützt von Handwerkern, von denen mich die meisten persönlich kannten und ihr Bestes gaben. So war bei meiner Ankunft im Haus bereits alles baulich angepasst.

Wie gingen Ihre Frau Flavia und die beiden Kinder mit der neuen Situation um?

Für Flavia war mein Unfall wohl noch der grössere Schock als für mich selber. Sie ist stark und nahm das Ganze als Herausforderung an. Noch heute achtet sie viel besser als ich selber auf mögliche Hindernisse und räumt diese weg. Vor allem, wenn wir irgendwohin für länger als einen Tag verreisen, braucht es wirklich einiges an Vorabklärung und Planung.

Für die Kinder war die neue Situation schon bald normal – zumindest äussern und verhalten sie sich so.

Ganz schön viel Umstellung im Alltag. Wie lief das mit dem Autofahren?

Die Tatsache, dass ich ganz normal Autofahren kann, ist enorm wichtig für meinen Alltag und für meine Zufriedenheit. Hierfür musste mein Auto umgebaut werden. So kann ich mich völlig unabhängig von A nach B bewegen, insbesondere zu meiner Arbeit.

Wer hat Ihr Auto technisch so umgebaut, dass Sie absolut autonom agieren können?

Der Umbau wurde von einer Garage gemacht, welche dem Paraplegiker-Zentrum in Nottwil angegliedert ist. Hier im Thurgau nimmt die Garage Rotz in Dussnang ebenfalls Umbauten vor und hat bei meinem Auto schon Kleinigkeiten angepasst.

Wie sehen Ihre Pläne aus?

Auf sportlicher Ebene möchte ich Tauchen ausprobieren. Dann plane ich, noch vor meiner Pensionierung beruflich kürzerzutreten. Nun, da unsere Kinder am Ausfliegen sind, müssen meine Frau und ich unser Zusammensein neu gestalten. Hierfür möchte ich genügend Zeit zur Verfügung haben. Andererseits möchte ich mich noch über 65 hinaus beruflich engagieren, das aber mit Mass und mit Flexibilität.

Welches sind jetzt Ihre grössten Herausforderungen?

Nach drei Jahren bin ich wieder sehr gut ins Alltagsleben integriert. Daher liegen die aktuellen Herausforderungen nicht mehr in meiner Behinderung. Ich fühle mich vor allem wieder als Unternehmer gefordert.

Als Unternehmer sind Sie ja wohl überdurchschnittlich belastet. Woher nehmen Sie Energie und Ihren Humor?

Meine Geschäftsleitungskollegen haben während meiner Reha-Zeit die Firma ausgezeichnet geführt. Sie unterstützen mich auch jetzt in einem aussergewöhnlich hohen Mass, wodurch mir die Arbeit nicht sämtliche Energie abverlangt.

Mein Humor leitet sich auch aus meiner etwas zynischen Grundveranlagung heraus ab.

Und wie war das noch mit dem Bier, das ein Freund von Ihnen ins Paraplegiker-Zentrum mitbrachte?

Dieser gute Freund brachte mir «heimlich» ein Weizenbier in die Reha mit. Nachdem ich es getrunken hatte, fühlte ich erstmals wieder meine Blase. Im Alltag sehr nützlich!

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