So sieht ambulante Pflege im Jahr 2028 aus: Mit einer Strategie geht die Spitex Frauenfeld Herausforderungen proaktiv an

Die Spitex Frauenfeld denkt voraus. Eine Strategie sieht personelle, räumliche und prozessuale Veränderungen vor.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

(Bild: Benjamin Manser, 9.August 2018)

Immer mehr Nebenschauplätze bei immer grösserer Nachfrage, und die fachlichen Anforderungen an das Personal nehmen stetig zu: Für Spitex-Organisationen wird es nicht einfacher, in der Kantonshauptstadt sieht das nicht anders aus. «Die Spitex Region Frauenfeld hat beschlossen, die kommenden Herausforderungen aktiv anzugehen», sagt Gabriela Brauchli. Sie ist Geschäftsführerin der Frauenfelder Spitex.

Gabriela Brauchli, Geschäftsführerin Spitex Region Frauenfeld.

Gabriela Brauchli, Geschäftsführerin Spitex Region Frauenfeld.

(Bild: PD)

Präsident Edwin Bosshard hat an der Jahresversammlung im Frühling 2019 das Strategieprojekt Spitex Region Frauenfeld 2028 angekündigt. Mittlerweile besteht eine Auslegeordnung zu den Herausforderungen, mit der umzugehen ist. Und es gibt einen ersten Grobmassnahmenplan. Die Auswirkungen sind personeller sowie räumlicher Natur. Sie betreffen aber auch Prozesse und die Organisationsstruktur. Brauchli sagt:

«Bei der Umsetzung der Massnahmen befinden wir uns in einem rollenden Prozess.»

Innert acht Jahren hat sich Anzahl Stunden verdoppelt

Edwin Bosshard, Vereinspräsident Spitex Region Frauenfeld.

Edwin Bosshard, Vereinspräsident Spitex Region Frauenfeld.

(Bild: PD)

Am Anfang der Überlegungen standen zwei Entwicklungen: die steigende Nachfrage, die verschiedenste Ursachen hat, und entsprechend der steigende Personalbedarf zum einen und der im Pflegebereich umkämpfte Stellenmarkt zum anderen. «Von 2012 bis heute hat sich die Anzahl Stunden verdoppelt», sagt Brauchli. In Zukunft rechnet die Spitex mit einem jährlichen Zuwachs von ungefähr drei Prozent bei den Pflegestunden, bei der Hauswirtschaft ist von stabilen Zahlen auszugehen.

Stadt Frauenfeld und sechs Gemeinden

Die Spitex Region Frauenfeld ist ein Verein, der im Auftrag der Stadt Frauenfeld sowie von Gachnang, Herdern, Hüttwilen, Neunforn, Uesslingen-Buch und Warth-Weiningen Dienstleistungen im Bereich der ambulanten Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft erbringt. Im Einzugsgebiet wohnten per Anfang 2019 über 36'000 Personen. Auf das Jahr 2014 schloss sich Gachnang der Spitex Frauenfeld an. Im Folgejahr fand die Fusion statt von Frauenfeld mit den Spitex-Organisationen Unteres Thurtal und Seebachtal, womit das heutige Einzugsgebiet erreicht war. Nebst dem Vorstand der Spitex Region Frauenfeld (Präsident: Edwin Bosshard) gibt es einen Gemeindebeirat.

2018 wurden knapp 123'000 Einsätze durchgeführt, im Schnitt also täglich über 335. Das führte zu 123'500 Arbeitsstunden. Dieser Wert entspricht einem Jahresschnitt von 59 Vollzeitstellen, verteilt auf rund 110 Angestellte. (ma)

2015 ist man mit 80 Mitarbeiterinnen in die neue Spitex gestartet. Heute arbeiten 110 Personen für die Organisationen. «Für das Jahr 2028 rechnen wir mit einem Personalbedarf von 150 Personen.» Das Versorgungsgebiet ist derzeit auf vier Teams verteilt. Spitex-Präsident Bosshard stellt die Schaffung zusätzlicher Teams in Aussicht. Diese personellen Überlegungen bedingen ein neues Raumprogramm. Bisher hat man an der Breitenstrasse rund 660 Quadratmeter belegt. Auf 2021 bezieht die Spitex in einem neuen Anbau im gleichen Gebäude zusätzliche Flächen. Dann kommt man auf 900 Quadratmeter und kann ein fünftes Team aufbauen. Platz hat es auch für ein sechstes Team. Brauchli sagt:

«Damit verbessert sich unsere Raumsituation klar.»

In Sachen IT-Infrastruktur hat man in Frauenfeld früh reagiert. Das jährliche IT-Budget ist in den vergangenen Jahren von 10'000 auf 120'000 Franken gestiegen. Alle Mitarbeiterinnen arbeiten digital.

Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

(Bild: Benjamin Manser, 9.August 2018)

Als zentrale Massnahme bezeichnet Brauchli die Schaffung der Stelle Leitung Kerndienste. Aufgrund der Grösse der Organisation soll diese Funktion sowohl die Geschäftsführerin als auch die Teamleitung organisatorisch entlasten.

«Die Teamleitungen sollen sich mit ihren Teams auf die qualitativ gute Leistungserbringung beim Kunden konzentrieren können.»

Die neue Stelle bedeute netto eine Aufstockung um 50 Stellenprozent. Laut Brauchli hat Katharina Schirrmeister im Januar die Funktion übernommen, «eine ausgewiesene Fachfrau», die 20 Jahre in der Spitex Zürich gearbeitet hat, davon das letzte Jahrzehnt im Kader. Zuletzt leitete Schirrmeister ein Spitex-Zentrum.

Katharina Schirrmeister, neue Leiterin Kerndienste Spitex Region Frauenfeld.

Katharina Schirrmeister, neue Leiterin Kerndienste Spitex Region Frauenfeld.

(Bild: PD/Mauro Moschetta)

Der Bund rechnet bis 2025 mit 40'000 zusätzlichen Stellen in der Pflege, die aber nicht besetzt werden können. Da die Spitex Frauenfeld im Schnitt eher älteres Personal habe, spitze sich dieser Pflegenotstand aufgrund der planbaren Pensionierungen zu, sagt Edwin Bosshard. Man wolle deshalb vermehrt höhere Stellenpensen anbieten, weil dies attraktiv sei, sagt Brauchli. Zugleich wolle man die Weiterbildung für das Personal ausbauen und weiterhin in grosser Zahl Lehrstellen anbieten.

«Das sind unsere Fachleute von morgen.»