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So schreibt man in einer Welt ohne Sprache: Das erklärt der Frauenfelder Schriftsteller Usama Al Shahmani Oberstufenschülern

Autor und Schreibcoach Usama Al Shahmani unterrichtet im Oberstufenzentrum Auen in Frauenfeld Schüler zum Thema Interkulturalität und Mehrsprachigkeit. Nebst der Theorie arbeiten die Schüler an ihren eigenen Texten.
Laura Sachers
Der irakische Schriftsteller Usama Al Shahmani gibt einem Schüler Tipps beim Schreibprozess. (Bild: Andrea Stalder)

Der irakische Schriftsteller Usama Al Shahmani gibt einem Schüler Tipps beim Schreibprozess. (Bild: Andrea Stalder)

«Wenn man einen Brunnen gräbt, muss man bis zum Wasser graben, das ist auch beim Schreiben so.» Das sagt der Autor Usama Al Shahmani zu den 14 Dritt-Sekschülerinnen und Sekschülern. Das Projekt «Schreibinsel» des Vereins Bibliotheken der Kulturen geht ins zweite Jahr. Im Oberstufenzentrum Auen steht für die Schüler der dritte von vier Workshops mit Al Shahmani an. Schon seit mehreren Wochen arbeiten sie an ihren eigenen Texten. Das Thema: Eine Welt ohne Sprachen.

Projekt in zweiter Runde

2018 gründete der Dachverein der Interkulturellen Bibliotheken der Schweiz das Projekt Schreibinsel, das vielerorts erfolgreich durchgeführt wurde. Es soll Aspekte in der Interkulturalität und Mehrsprachigkeit vertiefen. Der Frauenfelder Verein Bibliotheken der Kulturen entschloss sich, nach der ersten Durchführung ein Folgeprojekt zu realisieren. Dafür engagierte er erneut Usama Al Shahmani, der mit Schülern der dritten Oberstufenklasse im Auen an Texten arbeitet. (las)

Weite Informationen: www.bibliothekderkulturen.ch

Usama Al Shahmani während des Kurses. (Bild: Andrea Stalder)

Usama Al Shahmani während des Kurses. (Bild: Andrea Stalder)

Unterstützung erhalten sie vom Schreibcoach Al Shahmani und der Klassenlehrperson Yael Wenger. Nebst seiner Funktion als Coach ist AlShahmani Dolmetscher, Kulturvermittler und Autor. Geboren wurde er in Bagdad, Irak. 2002 kam er als Flüchtling in die Schweiz, heute lebt er mit seiner Familie in Frauenfeld. Im August 2018 veröffentlichte er seinen ersten Roman «In der Fremde sprechen die Bäume Arabisch». Seine Geschichte verblüfft, ebenso wie sein Bestreben, den Schülern etwas auf ihren Lebensweg mitzugeben.

Sprache stellt Verbindung zum sozialen Leben her

«Wenn wir in der Fremde sind und die Sprache nicht verstehen, geschweige denn sprechen können, fühlen wir keine Zugehörigkeit, keine Identität», sagt der Coach zu den Schülern. AlShahmani erklärt, dass Sprache die Verbindung zum sozialen Leben herstellt. «Wie wir miteinander kommunizieren, ist der Schlüssel zu einem guten, familiären und freundschaftlichen Verhältnis.» So sollte auch in den Texten der Schüler eine klare Struktur bestehen.

«Schreiben ist flexibel, jedoch sollte ein Ziel und ein roter Faden ersichtlich sein. Aufgeben oder den Mut verlieren, kommt nicht in Frage.»

So ermuntert der Coach seine Schüler. In den Texten der Schüler geht es um fremde Sprachen, wie es sich anfühlt, wenn man weder etwas versteht noch sprechen kann.

Der Schreibcoach Usama Al-Shahmani unterrichtet die Schülern. (Bild: Andrea Stalder)

Der Schreibcoach Usama Al-Shahmani unterrichtet die Schülern. (Bild: Andrea Stalder)

Geschichten der Schüler

Eine Geschichte handelt von Ausserirdischen, welche die Erde besuchen und nichts verstehen. Eine andere von einem armen Jungen, der in ein fremdes Land reist und die Sprache nicht sprechen kann. In den Texten geht es darum, sich der Herausforderung zu stellen, eine Sprache neu zu erlernen. Drei mutige Schüler trauen sich, einen Teil ihrer Geschichte der Klasse vorzulesen.

Einwirkungen von aussen beeinflussen das Schreiben

Die Rückmeldung von Al Shahmani: «Die Texte sind schön, sie brauchen noch den letzten Feinschliff.» Die Schüler sollen Kleinigkeiten einbauen, den Protagonisten Namen und Charakterzüge geben sowie mehr über die emotionale Verfassung und das Aussehen der Figuren schreiben. «Der Schreibprozess beginnt mit der Grundidee. Der Aufenthaltsort und die Einwirkungen von aussen beeinflussen das Schreiben. Genauso ist die emotionale Verfassung ausschlaggebend für die Entwicklung des Textes», erklärt AlShahmani.

Usama Al Shahmani während des Kurses. (Bild: Andrea Stalder)

Usama Al Shahmani während des Kurses. (Bild: Andrea Stalder)

Gegenseitige Unterstützung

In der zweiten Lektion bildet der Schreibcoach mit den Schülern Gruppen und ermuntert sie, sich gegenseitig auszutauschen und Rückmeldung zu geben. Dies fördert den Lernprozess der Schüler. Wenn einer seiner Schülerinnen oder Schüler nicht weiterkommt, ist Al Shahmani für sie da und hilft ihnen, die Schreibblockade zu überwinden.

Der vierzehnjährige Jan meint, er habe gelernt, einen Text genauer anzuschauen. Ihm haben die vergangenen Wochen im Unterricht sehr gut gefallen. Nächste Woche sollten die Texte der Schüler fertig sein. Eine Obergrenze beim Umfang gibt es nicht, jedoch hofft der Schreibcoach, dass die Schüler mit ihrer Geschichte eine Seite füllen können. «Wenn man den Brunnen nicht bis zum Wasserloch gräbt», meint Al Shahmani, «kann man das Wasser nicht erreichen, so ist es auch beim Schreiben».

Eine Lesung der Schülertexte ist für den 16. Januar 2020 in der Kantonsbibliothek geplant.

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