Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

So riecht Genua in Frauenfeld

Der Künstler Gabriel Kuhn interessiert sich für das, was andere übersehen. Und zeigt es in der Stadtgalerie Baliere.
Dieter Langhart
Atelierstipendium: Gabriel Kuhn hat Genua unter anderem mit der Kamera erkundet. (Bild: Donato Caspari)

Atelierstipendium: Gabriel Kuhn hat Genua unter anderem mit der Kamera erkundet. (Bild: Donato Caspari)

Genua ist voller Märkte, hat ein fast orientalisches Flair. Die Hafenstadt ist auch voller Bausünden, und der eingestürzte Polcevera-Viadukt hat die Stadt 2018 in die Weltnachrichten gehievt. Der Künstler Gabriel Kuhn arbeitete damals drei Herbstmonate im Genua-Atelier, das ihm die Kulturkommission Frauenfeld zugesprochen hatte. Was er in den Quartieren sah, roch und schmeckte, hat er auf ungewöhnliche Art umgesetzt. Heute öffnet seine Einzelausstellung in Frauenfelds Stadtgalerie Baliere.

Gabriel Kuhns bevorzugte Medien sind die Zeichnung und die Fotografie, aber auch Videos oder Texte sind in «Gerüche, Karten, Streifzüge» vertreten. Nur fragt man sich: Wie lassen sich die Gerüche dieser «unaufgeräumten Stadt» (Gabriel Kuhn) einfangen?

Der Künstler Gabriel Kuhn setzt all seine Sinne ein

Kuhn ist oft durch die Quartiere gestreift, mit Notizbuch und Kamera. Er schrieb auf, wie Blumen und Sträucher, Hinterhöfe und Hafenanlagen riechen, zeichnete rudimentäre Stadtpläne dazu, ordnete Fundstellen und Geruchswörter in einer Tabelle. «Jedes Quartier riecht anders. Einige Gerüche sind flüchtig, andere stets wahrnehmbar.» Nur – wie sie beschreiben?

Er nennt uns einige Wörter: warm, aromatisch wie Kräuter, nicht essbar (Sukkulenten), salzig wie das Meer, Harz, Fäkaliengeruch, süsslich wie Gummibärchen, riecht wie ein Ventilator oder Luftbefeuchter. Die Bezeichnungen sind nicht wissenschaftlich, sondern folgen seiner eigenen Logik. So bildet etwa alles Essbare eine Kategorie.

«Viel Spannendes ist einfach da – alles ist es wert, festgehalten zu werden.»

Parallel dazu fotografierte Kuhn, oft dieselben Orte. «Viel Spannendes ist einfach da – alles ist es wert, festgehalten zu werden.» Dennoch hält er das Wort für das bessere Medium als das Bild: Es sei assoziativ, umfasse mehrere Ebenen, auch die zeitliche Ebene, hafte besser im Gedächtnis. «Gerüche sind letztlich nur chemische Moleküle.» Kuhn veranstaltet seit zwei Jahren Bierdegustationen mit und schult so seine Wahrnehmung. Da es kaum eine Sprache fürs Schmecken gibt, nehme man Geruchswörter zu Hilfe.

Nach seinen drei Monaten in Genua hat Gabriel Kuhn seine Funde in seinem Atelier ausgewertet und gestrafft. So zeigt er in der Baliere nur zwanzig von rund 10000 Fotos. Mit ihnen will er eine weitere Ebene zeigen: das Licht, die Magie des Moments. An einer Wand hängen Bieraro­ma­modelle, auf einem Tisch liegen dreidimensionale Geruchsstadtpläne. Im Keller ist eine zeichnerische Interpretation von Gesprächsprotokollen zu sehen: Geräusche und Gesten statt Gerüche. Und in den Gewölben warten eine Audioinstallation und ein Video. «Töne ähneln Gerüchen», sagt Gabriel Kuhn.

Vernissage: Fr, 4.10., 19 Uhr, Stadtgalerie Baliere. Ausstellung bis 20.10. Geöffnet Fr 17–20, Sa/So 12–16 Uhr

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.