«So grosse Demos sah der Thurgau wohl noch nie»: Das Klima und die Frauenrechte bewegen die Schweiz – zwei Thurgauer Vertreter nehmen Stellung

Annina Villiger von der Frauenzentrale Thurgau und Simon Vogel, Co-Präsident der Jungen Grünen Thurgau, sprechen im Interview über die beiden Bewegungen im vergangenen und neuen Jahr.

Larissa Flammer und Sebastian Keller
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Simon Vogel und Annina Villiger diskutieren im Frauenfelder «Be You Café» über die Klima- und die Frauenbewegung.

Simon Vogel und Annina Villiger diskutieren im Frauenfelder «Be You Café» über die Klima- und die Frauenbewegung.

(Bild: Andrea Stalder)
  • Die Klima- und die Frauenbewegung sind im Thurgau angekommen, obwohl es Demonstrationen hier nicht einfach haben.
  • Simon Vogel, Co-Präsident der Jungen Grünen Thurgau, sagt: «Das heutige Streben nach Wohlstand führt zwar zu Wirtschaftswachstum, bringt aber alle negativen Effekte aus umwelttechnischer Sicht.»
  • Annina Villiger, Präsidentin der Frauenzentrale Thurgau, sagt: «Wir müssen unsere Töchter und Schülerinnen motivieren: ‹Macht es, traut euch›. Doch viele junge Leute wollen nicht, weil Engagement sehr verbindlich ist.»
  • Beide sehen Vorteile in der Teilzeitarbeit.

Simon Vogel, haben Sie am Frauenstreik teilgenommen?

Simon Vogel: Ja, zuerst in Frauenfeld und dann in St.Gallen.

Was hat Sie dazu bewogen?

Vogel: Ich wollte mich solidarisieren. Frauenrechte sind ein brandaktuelles Thema und es war für mich klar, dass etwas gehen muss. Zudem stehe ich für Chancengleichheit ein.

Annina Villiger, waren Sie an einem Klimastreik?

Annina Villiger: Ja, war ich. Ich finde es eine wichtige Bewegung und es ist super, dass die Jungen vorangehen und den Älteren zeigen: Jetzt muss etwas gehen.

Gibt es bei den beiden Bewegungen Gemeinsamkeiten?

Villiger: Es sind vielleicht nicht die gleichen Leute, aber es sind solche, die für Chancengleichheit einstehen.

Vogel: In der Schweiz sind wir gegenüber anderen Ländern privilegiert. Die ärmeren Länder trifft die Klimakrise am härtesten. Auch wird sie uns wohl nicht im gleichen Ausmass treffen wie künftige Generationen. Beim Klima sind es daher auch Gerechtigkeitsthemen, die wohl ähnliche Leute bewegen.

Ist es denn Aufgabe der Privilegierten, sich für die Schwächeren einzusetzen?

Villiger: Ich finde schon, dass das eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Ich staune manchmal, wie wenige sich engagieren.

«Dass man die Klimakrise leugnet, ist ja schon fast ein Verbrechen.»

Und bei den Frauenrechten höre ich manchmal, ‹ich habe meine Kinder auch selber aufgezogen und musste selber schauen, das müssen jetzt die anderen halt auch›.

Annina Villiger.

Annina Villiger.

(Bild: Andrea Stalder)

Frau Villiger, Sie wollen den gleichen Wohlstand für alle. Die Klimabewegung ist aber gewissermassen auch eine Wohlstandskritik. Beissen sich die beiden Bewegungen?

Villiger: Das ist eine schwierige Frage, der schonendere Umgang mit Ressourcen bringt neue Herausforderungen.

Vogel: Die Klimabewegung ist keine Wohlstandskritik, sie ist eher eine Kritik an unserer Definition des Wohlstands. Dass man es immer noch über das Bruttoinlandprodukt macht.

«Wir werden schon lange nicht mehr glücklicher mit steigendem Wohlstand.»
Simon Vogel.

Simon Vogel.

(Bild: Andrea Stalder)

Aber faktisch ist es doch eine Kritik am Wohlstand, am Modell Häuschen und Auto.

Vogel: Das kritisieren wir, ja. Wir sagen aber nicht, dass wir mit Änderungen weniger Wohlstand haben.

Villiger: Mehr Richtung qualitativer Wohlstand, qualitatives Wachstum, weg von der Wegwerfgesellschaft.

Wie sieht dieser Wohlstand aus?

Vogel: Ich arbeite zum Beispiel nur noch 80 Prozent. Das ist für mich enorm viel mehr Wohlstand, als ich mir mit dem Geld, das ich mehr verdienen würde, kaufen könnte. Doch diese Haltung widerspricht dem gängigen Modell.

Inwiefern ist es dem Klimaschutz zuträglich, wenn man sein Pensum auf 80 Prozent reduziert?

Vogel: Wenn man 100 Prozent arbeitet, muss man ziemlich viele Dinge kaufen. Auf der anderen Seite könnte ich etwas reparieren, wenn ich Zeit dafür hätte. Ich würde auch sehr gerne einen Tag in der Landwirtschaft mithelfen, bei der Produktion von lebenswichtigen Gütern. Das würde dazu beitragen, dass ich weniger Geld für Lebensmittel brauche. Das heutige Streben nach Wohlstand führt zwar zu Wirtschaftswachstum, bringt aber alle negativen Effekte aus umwelttechnischer Sicht. Es begünstigt die Wegwerfgesellschaft.

Haben Sie mit ihrem 80-Prozent­-Pensum Zeit, das Loch in der Hose selber zu flicken?

Vogel: Eigentlich wäre es meine Idealvorstellung, dass ich mehr Zeit hätte für so etwas. Aber ich bin auch sonst sehr engagiert und habe deshalb reduziert. Momentan füllt sich die Agenda mit politischer Arbeit. Die Automatisierung brachte eine grosse Produktivitätssteigerung, aber die Arbeitszeit hat man nicht reduziert.

Zur Person

Beide wohnen in Frauenfeld

Die 53-jährige Annina Villiger präsidiert seit 2016 die Frauenzentrale Thurgau. Die Ökonomin (Uni St.Gallen) unterrichtet an der Kantonsschule Frauenfeld Wirtschaft und Recht. Seit 2019 sitzt sie für die im linksgrünen Lager zu verortende Gruppierung Chrampfe & Hirne (CH) im Frauenfelder Gemeinderat.

Der 26-jährige Simon Vogel ist ein Gesicht der Thurgauer Klimabewegung. Er ist Co-Präsident der Jungen Grünen Thurgau. Im Frühling kandidiert Vogel für den Grossen Rat. Der studierte Elektroingenieur arbeitet seit seinem Masterabschluss als Assistent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur.

Annina Villiger, widerspricht das den Wirtschaftsmodellen, die Sie als Kantilehrerin vermitteln?

Villiger: Ich versuche immer, neutral zu bleiben und beide Seiten aufzuzeigen. Das Wachstum, das die Qualität auf der Seite lässt und die Ressourcenknappheit werden zum Problem. Darauf dürften auch Wirtschaftslehrbücher noch mehr fokussieren.

Ist laut Lehrbuch Wachstum per se positiv?

Villiger: Ja.

Wir nehmen an, die Klimajugend sitzt auch bei Ihnen im Schulzimmer. Findet eine Diskussion statt?

Villiger: Nur ein Teil ist politisch aktiv, interessiert sind jedoch viele. Meine Aufgabe ist, mit ihnen aktuelle Themen zu diskutieren.

Worüber sprechen Sie?

Villiger: Wir diskutieren viel über Gleichberechtigung. Das steht ja auch in der Bundesverfassung. Aber auch über das Klima. Ich sage nicht: ‹Geht an den Klimastreik›. Sondern: ‹Schaut, was da passiert und überlegt euch, was ihr davon haltet›. Ich finde es genial, dass die Schüler für Streiks Urlaub eingeben können. Aber die Anzahl ist natürlich begrenzt. Die Schule will den Schülern aktives Mitdenken ermöglichen.

Simon Vogel und Annina Villiger im Gespräch.

Simon Vogel und Annina Villiger im Gespräch.

(Bild: Andrea Stalder)

Herr Vogel, was halten Sie von der Urlaubsregel für Streiks?

Vogel: Ich finde es enorm wichtig, dass man die Möglichkeit hat, sich zu beteiligen. Auf das Leben betrachtet fehlen einem diese Schulstunden nicht.

Villiger: Das ist ja wirklich Bildung: Sich Gedanken zu machen, was eigentlich passiert. Ich finde es gut, dass man Urlaub einreichen muss und nicht einfach spontan sagen kann, ich habe keine Lust auf Schule. Wer mehrmals an einen Streik will, muss die Zeit mit einem Zusatzauftrag kompensieren. Der Bildungseffekt ist aus meiner Sicht daher doppelt so gross.

Der Thurgauer Frauenstreik hat in Frauenfeld begonnen, dann ging es über Weinfelden nach St.Gallen. Warum gab es nicht einen grossen Streik im Thurgau?

Villiger: Zu Beginn hatten wir keine Ahnung, dass 300 Leute kommen würden. Wir dachten an maximal fünfzig. Der Ansturm hat uns völlig überwältigt. Wir wussten, dass sich alle Ostschweizerinnen am Nachmittag in St.Gallen treffen. Da haben wir gesagt, nach dem Start Thurgau gehen wir nach St.Gallen. Aus meiner Sicht war vor allem der Teil im Thurgau genial. Es war so überraschend und auch intim. Es kamen Frauen aus allen Alterskategorien. Eine wahnsinnige Dynamik und Solidarität.

Gibt es konkrete Resultate?

Villiger: Ich denke, die Sensibilisierung war da. Wichtig ist nun, das Gespräch am Laufen zu halten. Es muss klar gesagt sein, dass die Chancengleichheit noch nicht Realität ist. Die Kinderbetreuungsangebote reichen nicht aus. Der Staat müsste mehr tun, vor allem finanziell. Wenn Frauen wieder erwerbstätig sind, wirkt sich das positiv auf die Steuereinnahmen aus. Damit könnte man die Angebote finanzieren.

Sie fordern Gratis-Kitas?

Villiger: Mehrheitlich gratis. Heute wird es einkommensabhängig gemacht, das finde ich eigentlich eine gute Lösung. Aber Kitas sind immer noch zu teuer.

Derzeit werden Unterschriften gegen einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub gesammelt.

Villiger: Das ist jenseits. Ich finde schon zwei Wochen wenig, aber es ist ein Anfang. Vogel: Das ist viel zu wenig. Die Grünen fordern eine deutlich längere Elternzeit. Wir reden von 30 Wochen, die man aufteilen kann.

Wie kommen die Frauenbewegung und der Vaterschaftsurlaub in Ihrem Umfeld an?

Vogel: Bei der Arbeit diskutieren wir viel darüber. Über ‹nur zwei Wochen› haben alle gelacht. Die meisten sind der Meinung, es müssten mehr sein. Bei mir an der Hochschule arbeiten die meisten, die Kinder haben, Teilzeit. Viele haben sich auch einen Monat unbezahlt freigenommen, als das Kind gekommen ist. Das ist vielleicht auch an einer Hochschule eher möglich als in der Wirtschaft...

Villiger: …oder bei Handwerkern.

Vogel: Dort wird es schwieriger. Das ist ein Systemproblem. Gewisse Arbeitgeber sagen ja schon, dass 80 Prozent nicht möglich sind, auch wenn der Mann will.

Villiger: Es ist aber auch so, dass die Männer nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, die sie heute haben.

Vogel: Natürlich. Aber ich glaube, es kommt darauf an, wo man arbeitet. Politische Massnahmen sind bitter nötig. Aber auch der gesellschaftliche Diskurs.

Wer soll es bezahlen? Am Schluss lastet das auf den KMU.

Villiger: In den KMU können dann auch Frauen vermehrt Fuss fassen und sich einbringen. Ich wünsche mir ein grösseres Involviertsein der Frauen. Sonst kommen sie auch nie an eine Machtposition. Man kann ja nicht plötzlich Chefin werden und vorher nur zu Hause gewesen sein.

Ist es nicht auch ein Problem der Frauen? Sie trauen es sich nicht zu.

Villiger: Das ist leider so. Wir müssen unsere Töchter und Schülerinnen motivieren: ‹Macht es, traut euch›. Früher nahm ich Rücksicht, meinte, es habe vielleicht einen Mann, der besser ist. Heute sage ich: ‹Macht es einfach›. Doch viele junge Leute wollen nicht, weil Engagement sehr verbindlich ist.

«Sie chillen lieber, das stört mich.»

Erleben Sie die Jungen auch so, Herr Vogel?

Vogel: Extrem unterschiedlich. In meinem Umfeld engagieren sich alle in der Freizeit. Aber grundsätzlich finde ich es nicht schlecht, wenn man davon wegkommt, immer mehr zu leisten oder immer voll ausgelastet zu sein. Ich sehe es aus klimatechnischer Sicht.

Chillen ist gut fürs Klima?

Vogel: Kommt darauf an wie und wo. Wenn man es auf Mallorca macht weniger, als wenn man es zu Hause im Garten macht. Ein bisschen chillen ist grundsätzlich nicht falsch, wenn man es nutzt, um etwas zu lesen oder Kontakte zu pflegen, sich zu engagieren.

Villiger: Ein gesellschaftliches Engagement kann auch sehr entspannend und bereichernd sein. Aber es passt nicht zu 100 Prozent arbeiten.

Das ist ein weiteres Plädoyer für mehr Teilzeitarbeit.

Villiger: Ja, Teilzeit für alle.

Vogel: Das wäre einerseits für die Gleichstellung wichtig und andererseits könnte man die Freizeit dafür nutzen, in der Gesellschaft zu helfen.

Villiger: Für Frauen kann es auch eine Falle sein. Die Teilzeitfalle.

Wie meinen Sie das?

Villiger: Frauen arbeiten weniger, damit sie für die Familie da sein können. Das verschlechtert ihre Rente. Wenn dann noch eine Scheidung kommt, ist es fatal.

Zurück zur Klimabewegung: Im Thurgau gab es mehrere Streiks und Demonstrationen.

Vogel: Bis jetzt waren es fünf.

In Städten wie Zürich waren sie viel grösser. Wie kommt der Klimastreik im Thurgau an?

Vogel: Ich würde sagen, beim ersten in Frauenfeld hatten wir auch 500 Leute. Und in Kreuzlingen/Konstanz waren es über 1000 Leute. Wir waren überwältigt.

«Der Thurgau sah wohl noch nie so grosse Demonstrationen wie jetzt durch die Klimabewegung.»

Es brauchte auch Überwindung, in diesem Kanton eine Demo anzusagen. In Zürich oder Bern gehört das ja zum Alltag.

Den Klimanotstand wollte die Regierung nicht ausrufen, aber eine Klimafachstelle einrichten. Sind Sie zufrieden?

Vogel: Wir fordern nach wie vor den Klimanotstand auf kantonaler wie nationaler Ebene. Die Regierung muss anerkennen, dass wir ein Problem haben. Es bleiben noch etwa zehn Jahre. Wenn wir weiterhin so viel CO2 ausstossen, ist das Budget bald aufgebraucht.

Die Klimafachstelle startet im neuen Jahr. Das bringt doch mehr als ein symbolischer Notstand?

Vogel: Klar, es ist schön, dass etwas passiert. Im Thurgau haben wir nicht damit gerechnet, dass der Notstand ausgerufen wird. Wir müssen jetzt schauen, was diese Klimafachstelle bringt.

Müsste der Kanton auch eine Fachstelle für Gleichstellung aufbauen?

Villiger: Der Kanton beteiligt sich finanziell an der Infostelle Frau+Arbeit. Müssten wir wegen des akuten Geldproblems bald schliessen, müssten sich Kanton und Gemeinden überlegen, wie sie den Gleichstellungsauftrag erfüllen würden.

Der Infostelle Frau+Arbeit fehlt Geld

Die Infostelle Frau+Arbeit in Weinfelden bietet juristische Beratungen im Arbeits- und Gleichstellungsrecht sowie Dienstleistungen für den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit für Frauen und Männer an. Doch der von der Frauenzentrale Thurgau getragenen Stelle steht das Wasser bis zum Hals. «Im September geht das Geld aus. Wenn nicht bald wesentliche Zusagen kommen, müssen wir die Schliessung der Stelle ins Auge fassen», sagt Annina Villiger, Präsidentin der Frauenzentrale.

Das Geldproblem begann, als sich vor einigen Jahren der Bund von der Finanzierung zurückgezogen hatte. Nun hat auch der Kanton St.Gallen die Leistungsvereinbarung mit der Infostelle gekündigt. Er plant, ein eigenes Angebot aufzubauen. «Wir haben zwar die Unterstützung des Kantons Thurgaus, aber die reicht nicht», sagt Villiger. Heute zahlt der Kanton 179'000 Franken; eine Erhöhung ist in Abklärung. Auch die 80 Thurgauer Gemeinden wurden angeschrieben. Mit wenig Erfolg: «Das Gros sieht sich nicht in der Pflicht.» Einzig Frauenfeld, Weinfelden und Steinach (SG) leisten Beiträge. Auch einige Kirchen und Vereine solidarisieren sich mit der Infostelle.

Die Frauenzentrale versucht, mit dem «Club der 500» Geld aufzutreiben. Das Ziel: 500 Personen zahlen pro Jahr 200 Franken. «Derzeit machen rund 140 Personen und Betriebe mit», sagt Villiger. Das reicht nicht, um den Fortbestand zu sichern. Die Infostelle ist mit 260 Stellenprozent dotiert. Von der Notwendigkeit ist die Präsidentin überzeugt: Rund 1200 Beratungen würden pro Jahr vorgenommen.

Bei den Nationalratswahlen kam die grüne Welle im Thurgau an. Die Frauenwahl war weniger ein Thema. Was erwarten Sie bei den Grossratswahlen im März?

Villiger: Wir waren bei den nationalen Wahlen nicht so aktiv. Aber es ist toll, dass junge Frauen den Mut haben, sich aufstellen zu lassen. Aber klar, man muss dann auch parat sein, wenn man gewählt wird oder nachrückt.

Sie kandidieren nicht?

Villiger: Nein, ich bin als Kantilehrerin ja Kantonsangestellte.

Aber Sie schon, Herr Vogel?

Vogel: Ja, auf der Liste der Grünen.

Hält die grüne Welle an?

Vogel: Wir hoffen, dass wir im gleichen Mass wie bei den Nationalratswahlen zulegen können. Das wäre ein Sitzgewinn pro Bezirk. Wir versuchen natürlich auch, möglichst junge Frauen auf die Liste zu bekommen.

Frau Villiger, was raten Sie als Frau mit etwas mehr Lebenserfahrung der Klimajugend für das Jahr 2020?

Villiger: Immer das Gespräch zu suchen. Gewalt ist nie gut. Gleichzeitig verstehe ich, dass man sich auch mal vor eine Grossbank hinlegen muss.

Vogel: Das ist ja noch keine Gewalt, die Klimabewegung war nie gewalttätig.

Villiger: Ich finde einfach, steter Tropfen höhlt den Stein. Mit einer gewissen Originalität auf etwas aufmerksam zu machen, ist richtig. Viele sagen zwar, dass ihr den Teufel an die Wand malt, aber das glaube ich nicht.

Herr Vogel, was ist ihr Rat als junger Mann an die Frauenbewegung?

Vogel: Schauen, dass man präsent bleibt. Auf sich und die Themen aufmerksam machen. Es darf gerne jedes Jahr einen Frauenstreik geben.

Sie nähmen wieder teil?

Vogel: Definitiv, bei der Gleichstellung haben wir leider noch einen längeren Weg vor uns.

Villiger: 2021 ist 50 Jahre Frauenstimmrecht und 40 Jahre Gleichstellungsartikel. Für jenes Jahr werden wir bestimmt etwas in Bewegung bringen.

Das wünschen sich die beiden Persönlichkeiten für ihre Bewegung im Jahr 2020: