So gehen Aadorfer Betriebe mit der Coronakrise um

Selbständige, Kleinstbetriebe und Unternehmen erleiden schwere Zeiten. Ein Blick darauf, welche wirtschaftlichen Auswirkungen das Coronavirus  in der grössten Hinterthurgauer Gemeinde hat.

Kurt Lichtensteiger
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Die Aadorferin Susanna Rüedi hat die Ortseingangstafeln mit Blumen geschmückt.

Die Aadorferin Susanna Rüedi hat die Ortseingangstafeln mit Blumen geschmückt.

(Bild: PD)

Die Strassen sind fast leer. Wo man sich trifft in Aadorf, weicht man zurück oder geht auf Distanz. Man muss sich zuerst an veränderte Verhaltensweisen gewöhnen. Auch an die gedrückte Stimmung.

Für das Gewerbe ist die abrupte Schliessung der Ladenlokale und Restaurants ein Albtraum. Auch Kleinunternehmen und Industriebetriebe leiden unter der Situation, haben neue Lösungen gesucht, um ihren Handel weiter zu betreiben. Eine Umfrage in Aadorf ergibt folgendes Bild:

Das Damen- und Kindermode-Fachgeschäft «Lilo’s Welt» ist geschlossen. Die Inhaberin Lilo Germann sagt:

«Januar und Februar sind noch gut gewesen. Ab März konnten die Fixkosten, so die Miete von 1'500 Franken, nicht mehr hereingeholt werden.»

Für eine Teilzeitangestellte muss sie den Lohn aufbringen. «Es herrscht Unsicherheit, ja eine Misere, wenn nichts verkauft werden kann.» Die Inhaberin hofft, bald wieder öffnen zu können und dass die Kundschaft das Durchhalten honorieren wird.

Bruno Kneubühler, Auto- und Motorradfahrlehrer, darf gar nichts mehr tun. Keine Fahrstunden, keinen Verkehrsunterricht. Für seine Mitarbeiterin will er Arbeitslosengeld beantragen. «Für mich als Geschäftsinhaber gibt es als über 65-Jähriger sowieso nichts», sagt er.

Patrick Schneider, Mitinhaber der HS Automobile AG in Guntershausen und Aadorf sagt: «Wir dürfen im Moment, nur die Werkstatt offenhalten.» Der Showroom sei zu. Service und sämtliche Werkstattarbeiten sind gewährleistet. Der Fahrzeughandel ist hingegen zum Erliegen gekommen. «Ich spüre eine grosse Verunsicherung und schwanke zwischen positivem Denken und einer Angst um die Mitmenschen.»

Graziella Meier vom «GM’s Cut – der Herrensalon» meint, dass ihre Moral trotz den widrigen Umständen intakt sei:

«Nichts läuft mehr. Alle Termine bis 19. April wurden abgesagt. Wenn danach wieder etwas läuft, kann ich das stemmen.»

Einer Mitarbeiterin im Stundenlohn habe sie kündigen müssen. «Als Geschäftsinhaberin muss ich die AHV und BVG-Beiträge vierteljährlich zahlen, und das ist nicht wenig.» Die laufenden Kosten bleiben ebenfalls, aber Einnahmen fehlen. Schwarzarbeit sei natürlich kein Thema. «Auch wenn ich langjährige Kunden vergraulen muss. Wenn Weisungen des Bundes ernst genommen werden, ist allen gedient. Ich kann die Last wirtschaftlich überleben und möchte nicht jammern», sagt Meier.

In der Bäckerei Nyffenegger an der Aadorfer Hauptstrasse sind die Stühle rund um die wenigen Tische aufgestuhlt. «Der Betrieb läuft, die Kunden kommen, nehmen sich zurück und halten Distanz. Es wird auch im Freien ein wenig gewartet. Manche zahlen mit der Karte, andere mit Bargeld. Vielleicht wird etwas weniger gekauft, nur das Notwendigste», sagt die Verkäuferin Daniela.

Das Restaurant Grütli hat auf die Schliessung des Lokals mit einem Take-Away reagiert.

Das Restaurant Grütli hat auf die Schliessung des Lokals mit einem Take-Away reagiert.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Von Hundert auf Null ging es im Restaurant Grütli im Unterdorf, wo auf den rund 50 Sitzplätzen weder gegessen, getrunken noch geraucht wird. Die junge Wirtin Daniela Meile hat deswegen für eine Vollzeit-Angestellte Kurzarbeit beantragt. Eine Teilzeitangestellte hat auch keine Arbeit mehr. «Die Fixkosten bleiben, was für mich als Inhaberin der GmbH eine drastische Situation bedeutet», sagt sie und erklärt:

«Mit einem Take-Away hoffe ich, einen Teil meiner Vorräte absetzen zu können und über die Runden zu kommen.»

Brötli am Morgen und ein Mittagsmenü werden zum Abholen durch das Fenster gereicht.» Wie lange das noch dauern wird, bleibt offen. Man spricht davon, dass sich auch die Take-Aways bald an die ordentlichen Ladenöffnungszeiten halten sollen.

Auch bei ihrer Familie, dem Getränkehandel Beat Meile in Ettenhausen, sei der Absatz ins Stocken geraten. Es könne nur noch an Private, das Altersheim und die Klinik geliefert werden.

«Wir bringen den Frühling zu Ihnen», lautet die Devise von Susanna Rüedi, dem Kreativ Atelier in Aadorf. Der Laden bleibt zwar geschlossen, doch ein Liefer-Service sorgt für Abhilfe. Auch Blumen gibt es per Selbstbedienung aus dem Kühlschrank und Bestellungen werden per E-Mail und Telefon entgegen genommen. Rüedi sagt:

«Weil die Einfuhr von Blumen aus Holland sistiert worden ist, stammen die Tulpen aus der Schweiz.»

Dass sie für ihre Mitarbeiterin Kurzarbeit einreichen musste, sei bedauerlich. Eben ist Susanna Rüedi von einem künstlerischen Einsatz zurückgekommen, vom Schmücken der Ortsschilder. Mit dem Frühlingsgruss möchten die Schweizer Floristen mit Blumen ein Zeichen in der schwierigen Zeit setzen.

Wirtschaftliche Infektionen vermeiden

Die Wirtschaft gerät auch bei grösseren Betrieben ins Stocken. Ruedi Heim, Geschäftsleiter der Kifa AG mit seinen 160 Mitarbeitenden, sagt dazu: «Die Massnahmen des Bundes wurden umgesetzt, so die Hygienevorschriften, auch auf Distanzeinhaltung im Betrieb und bei Sitzungen geachtet.» Leute, die sich schlecht fühlen, bleiben zu Hause, andere, die aus dem Ausland zurückkehren, gehen in Quarantäne. «Kundenbesuche sind nur opportun, wenn diese gefragt sind. Telefonischer Kontakt, Video-Konferenzen und Home-Office werden favorisiert, wo immer möglich.»

Bei Urs Neuhauser, CEO der Firma Griesser mit 450 Angestellten in Aadorf, tönt es ähnlich:

«Für alle ist die Situation schwierig. Die Sicherheitsmassnahmen wurden umgesetzt, Vorschriften eingehalten. Die Aufträge sind rückläufig.»

Die Situation ändere aber jeden Tag. Entlassungen sind kein Thema, hingegen wird Kurzarbeit geprüft. «Die Krise wird uns zwar belasten, aber alles wird unternommen, um diese zu bewältigen und den Kundenkontakt aufrecht zu erhalten», gibt sich Neuhauser zuversichtlich.

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