Sirnach
Wegen Corona: Kreisel kommt mit einem Jahr Verspätung vors Volk

Nach anderthalb Jahren führt Sirnach am übernächsten Montag wieder eine Gemeindeversammlung durch. Dabei kann der Gemeinderat einen hervorragenden Rechnungsabschluss präsentieren.

Olaf Kühne
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Der provisorische Kreisel Winterthurerstrasse/Q20 soll nach dem Willen der Sirnacher FDP und der Gemeindeversammlung vom Dezember 2019 endlich einem definitiven Neubau weichen.

Der provisorische Kreisel Winterthurerstrasse/Q20 soll nach dem Willen der Sirnacher FDP und der Gemeindeversammlung vom Dezember 2019 endlich einem definitiven Neubau weichen.

(Bild: Roman Scherrer)

Der entscheidende Hinweis findet sich gleich auf der Titelseite der Botschaft: Die erste Sirnacher Gemeindeversammlung seit anderthalb Jahren beginnt am übernächsten Montag bereits um 19 Uhr – und sie findet nicht wie gewohnt im Dreitannensaal statt.

Beides ist Corona geschuldet. Weil die Einheitsgemeinde ihre letzten beiden Gemeindeversammlungen absagen musste und stattdessen nur jeweils Rechnungsabschluss und Budget an die Urne brachte, haben sich einige Geschäfte aufgestaut. «Und im Dreitannensaal könnten wir wegen der Schutzmassnahmen höchstens 150 Personen zulassen», sagt Gemeindepräsident Kurt Baumann im Gespräch mit unserer Zeitung. Nur hätten sich, ebenfalls coronabedingt, bereits 32 Einbürgerungen «aufgestaut». Und weil diese Personen jeweils an die Gemeindeversammlung eingeladen seien und erfahrungsgemäss zwischen 120 und 200 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger kämen, habe man sich im Gemeinderat für ein Novum entschieden: Die Gemeindeversammlung findet in einem grossen Festzelt auf der Etziwiese, vis-à-vis der Kantonalbank, statt, – je nach Wetter mit oder ohne Dach.

Kreisel nach Ablehnung an der Urne nun an der Gemeindeversammlung

Haupttraktandum des Abends wird der – hervorragende – Rechnungsabschluss 2020 sein. Das wohl «politischere» Geschäft ist indes ein anderes: Traktandum 4 ist ein Kreditantrag über 730'000 Franken für den Neubau des Kreisels Winterthurerstasse/Q20. Dieser Kreisel wurde zwar im November 2019 im Rahmen eines Zusatzkredites für die Umfahrungsstrasse Spange Hofen deutlich an der Urne versenkt. Wenige Wochen später konnte jedoch die Sirnacher FDP die Gemeindeversammlung davon überzeugen, dass der Kreisel alleine wohl mehrheitsfähig wäre, und deshalb an der darauf folgenden Versammlung erneut darüber abgestimmt werden sollte. Der Antrag der Ortspartei wurde durch den Souverän für dringlich erklärt. Wegen zweier abgesagter Gemeindeversammlungen schafft es die Vorlage doch erst jetzt vors Volk.

Eine weitere Bauvorlage wird an diesem Abend ein Eventualkredit über 600'000 Franken sein, für die Erschliessung der geplanten Dreifachsporthalle Birkenweg, welche wiederum erst noch im kommenden September ihren Segen an der Urne erhalten muss.

4'246'643.31 lautet die Zahl unter dem Sirnacher Rechnungsabschluss. Gedruckt ist sie in Schwarz. Wesentlich zu diesem erklecklichen Überschuss beigetragen haben die Steuereinnahmen, welche um 1,375 Millionen Franken höher ausfielen als budgetiert. Gemeindepräsident Kurt Baumann sagt dazu:

«Das ist das Rückgrat unseres Erfolges.»

Einen noch grösseren Betrag beigesteuert hat indes eine Sirnacher Person, die ohne Nachkommen verstorben war und so der Gemeinde 1,414 Millionen Franken hinterliess. Gegen das Erbe per se dürfte wohl niemand irgendwelche Einwände haben. Seine Verwendung hingegen will der Gemeinderat am übernächsten Montag bewusst zur Diskussion stellen. «Die Sirnacher SP hat vorgeschlagen», die Erbschaft nachhaltig zu verwenden, sagt Kurt Baumann. «Darauf haben wir alle Ortsparteien zur Diskussion eingeladen.»

Das Ergebnis dieser Diskussionsrunde: Just eine Million soll in einen Erbschaftsfonds fliessen, mit welchem auf den gemeindeeigenen Liegenschaften Fotovoltaikanlagen gebaut werden. Der künftige Ertrag aus dieser Stromproduktion soll dann dem Gemeinwohl, beispielsweise durch die Unterstützung der lokalen Vereine, zugutekommen. «Das Fondsreglement müssen wir aber erst noch ausarbeiten», sagt Baumann. «Planmässig werden wir es dann an der nächsten Gemeindeversammlung vorlegen.»

Gemeindepräsident Kurt Baumann und Schulpräsident Urs Schrepfer können einen hervorragenden Sirnacher Rechnungsabschluss präsentieren.

Gemeindepräsident Kurt Baumann und Schulpräsident Urs Schrepfer können einen hervorragenden Sirnacher Rechnungsabschluss präsentieren.

(Archivbild: Olaf Kühne)

Die weiteren Anträge des Gemeinderates zu Verwendung des 4,2-Millionen-Überschusses sind: 800'000 Franken für den Erneuerungsfonds der Schulliegenschaften, 100'000 Franken für den Natur- und Heimatschutzfonds, 500'000 Franken für die anstehende Renovation des Dreitannensaales und schliesslich 1,5 Millionen für zusätzliche Abschreibungen auf den Werkhof, was die Gemeindekasse während der kommenden 26 Jahre um jährlich knapp 58'000 Franken entlastet.

Der Sirnacher Gewinn ist indes nicht nur der Erbschaft und dem guten Steuerertrag geschuldet. So sagt Schulkommissionspräsident Urs Schrepfer:

«Für uns stand das vergangene Jahr ganz im Zeichen der Pandemie.»

Corona habe praktisch alle Schulreisen und Klassenlager verunmöglicht. Zudem hätten kaum noch Weiterbildungen für das Lehrpersonal stattgefunden. Andererseits muss Sirnach, wegen des hervorragenden Rechnungsergebnisses, auch auf 770'000 Franken Kantonsbeitrag an die Besoldungen der Schule verzichten.

Auch die Spitexkosten sind 107'000 Franken teurer ausgefallen, als vorhergesehen, Prämienverbilligungen, Krankenkassenausstände und Sozialhilfe hingegen 514'000 Franken günstiger.