Sirnach
«Ohne richtige Abschiedsparty, das ist einfach traurig»: Die Tage der Kultbar Remy sind gezählt

Dass das Sirnacher «Remy» für immer schliessen wird, ist seit einigen Monaten klar. Nun haben die Coronamassnahmen des Bundes für ein noch früheres Ende gesorgt.

Roman Scherrer
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Wirt Sandro Häfeli Ende Februar im «Remy», das von einer kleinen privaten Abrissparty gezeichnet ist.

Wirt Sandro Häfeli Ende Februar im «Remy», das von einer kleinen privaten Abrissparty gezeichnet ist.

Bild: Andrea Stalder

Auf dem Boden liegen Zigistummel, Papier, Becher, Dosen und Scherben verstreut. Letztere stammen nicht nur vom zerschlagenen Wandspiegel. Mehrere leere Alkoholflaschen sind noch ganz und gesellen sich zum restlichen Abfall.

Es ist ein trauriges Bild, welches das «Remy» Ende Februar abgibt. Und es könnte besser kaum passen. Denn das Sirnacher Kultlokal wird nicht mehr öffnen, Coronalockerungen hin oder her. Das Haus an der Wilerstrasse 15 wird demnächst einer Überbauung weichen.

Dass bald Schluss sein wird, war bereits im vergangenen Jahr klar. Per Ende Februar musste Wirt Sandro Häfeli das Sirnacher «Remy» schliessen. Die Coronamassnahmen des Bundes haben dem Lokal nun aber ein noch früheres Ende beschert, als dies ursprünglich vorgesehen gewesen wäre.

Ein unwürdiger Ausklang fürs Lokal sei das, findet Häfeli:

«Das ist einfach nur traurig, ohne richtige Abschiedsparty. So geht das Lokal noch viel schneller vergessen.»

Allerdings hat er es sich nicht nehmen lassen, im kleinsten privaten Rahmen eine Abrissparty durchzuführen. Als Häfeli vergangene Woche noch ausräumt, was ihm gehört, sieht es deshalb im «Remy» aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Scherben, Alkoholflaschen, Becher und Zigistummel liegen im «Remy» auf dem Boden.

Scherben, Alkoholflaschen, Becher und Zigistummel liegen im «Remy» auf dem Boden.

Bild: Andrea Stalder

Zurück in die Autowerkstatt

Auf die vergangenen Monate schaut Häfeli nur ungern zurück. Er sagt, Corona habe ihm über 80 Prozent Umsatzeinbusse gebracht. «Ich habe mich vom Bund im Stich gelassen gefühlt. Man versteht es irgendwann einfach nicht mehr», sagt Häfeli und verweist auf die Massnahmen. Die Gesellschaft werde er vermissen, nicht aber den Betrieb der Bar. So gesehen sei er froh, «einen Schlussstrich ziehen» zu können. Er will sich nun wieder voll auf seine Autowerkstatt in Stelz bei Wil und damit auf seinen angestammten Beruf konzentrieren. «Der ist krisensicher.»

Erst im Frühling 2019 hatte Sandro Häfeli das «Remy» als Wirt übernommen. Er habe das Lokal als «Partyspunten» kennen gelernt, sagt er.

«Es war eine geile Mischung aus Party und Bar. Zudem war es hier stets sehr familiär, weil coole Leute einkehrten.»

Vor Corona sei hier viel Betrieb gewesen, berichtet Häfeli. «Wir hatten viele Abende, an denen das Lokal voll war.»

Namensgeber ist ein Heiliger

35 Jahre alt ist das «Remy» im vergangenen Jahr geworden. In seiner Anfangszeit war es eine von wenigen Bars im urbanen Stil in der Region. Deshalb und wegen seiner Partys wurde es weitherum bekannt. Namensgeber des Lokals soll der Schutzheilige der katholischen Kirche in Sirnach sein: Remigius von Reims. Mit den Wirten wechselten meist auch die Bezeichnungen. So hiess das Lokal unter anderem «Music Bar Remy», «Remy Music Circus», «Remy The Bar», «Remy The Cocktailpub», oder – wie zuletzt wieder – «Remy The Pub».

Das Haus an der Wilerstrasse 15 ist laut der kantonalen Denkmalpflege über 130 Jahre alt. Vor dem «Remy» beheimatete es das Restaurant Freihof. Heute befindet sich das Gebäude in einem schlechten baulichen Zustand, auch wenn die Gäste das verruchte Ambiente des «Remy» in den vergangenen Jahren oft als Pluspunkt bezeichneten. Und die Anwohner dürften froh sein, dass die Musik im Kultlokal endgültig verstummt ist.

Das Gebäude an der Wilerstrasse 15 in Sirnach ist baulich in einem schlechten Zustand.

Das Gebäude an der Wilerstrasse 15 in Sirnach ist baulich in einem schlechten Zustand.

Bild: Andrea Stalder