Sirnach
Nach Abstimmungsniederlage: Sporthallen-Baukommission dünnt sich weiter aus

Bis zum Urnengang über die neue Dreifachturnhalle Birkenweg dauert es zwar noch acht Monate. Dennoch bringt das Projekt bereits reichlich Unruhe in die Sirnacher Lokalpolitik.

Olaf Kühne
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Die Architekten Marcia und Mirko Akermann vor den Plänen ihres Siegerprojektes «Diaphane»; eine rundum verglaste Dreifachsporthalle aus Holz.

Die Architekten Marcia und Mirko Akermann vor den Plänen ihres Siegerprojektes «Diaphane»; eine rundum verglaste Dreifachsporthalle aus Holz.

(Bild: Olaf Kühne, 28. September 2018)

Die geplante Dreifachturnhalle Birkenweg hält den Sirnacher Gemeinderat weiterhin auf Trab. Nachdem die Gemeindeversammlung 2017 den Planungskredit über 480'000 Franken bewilligt hatte, und die Verantwortlichen ein Jahr später das Siegerprojekt aus einem Architekturwettbewerb präsentieren konnten, blieb es lange Zeit ruhig um das Vorhaben.

Zum Politikum wurde der Bau erst in den vergangenen Wochen. 2019 hatte die Gemeinde einen Überschuss von 2,2 Millionen Franken erwirtschaftet. Bereits im vergangenen Mai gab der Gemeinderat dann bekannt, dass man zwei Millionen davon in die Vorfinanzierung des Baus stecken möchte. Coronabedingt abgesagte Gemeindeversammlungen verzögerten aber die Abstimmung über diese Idee bis zum 10. Januar. Erst gegen diesen Urnengang regte sich Widerstand.

Über die Festtage machten zwei Sirnacher mit Flugblättern gegen den Antrag des Gemeinderates mobil. Damit wollten sie nicht in erster Linie die Vorfinanzierung bekämpfen, sondern die ihrer Meinung nach überteuerte Sporthalle. Im Vorfeld der Abstimmung wurde der Gemeinderat nicht müde, zu betonen, dass die Höhe des Baukredites noch gar nicht bekannt ist, und die eigentliche Abstimmung über die Halle erst im September an der Urne stattfinden wird.

Vergebens. Vor gut zwei Wochen schickten 54 Prozent der Stimmbürger die Vorfinanzierung bachab. Faktisch ändert sich damit vorerst gar nichts. Die überschüssigen zwei Millionen Franken wurden nun einfach – anstelle einer zweckgebundenen Vorfinanzierung – dem «freien Eigenkapital» zugewiesen, wodurch dieses von 12 auf 14 Millionen Franken angewachsen ist.

Wohl im Wissen um die wachsende Brisanz der ganzen Geschichte veröffentlicht der Sirnacher Gemeinderat nun einen ausführlichen Zwischenbericht zur Arbeit, vor allem aber auch zur Zusammensetzung der Baukommission. Kam doch in dieses Gremium jüngst reichlich Unruhe. Einst mit Vertretern von Gemeinderat und Schulkommission sowie nicht stimmberechtigten Planern besetzt, wurde die Kommission vergangenes Jahr mit Rony Dahinden, Peter Thoma und Dominik Owassapian um gleich drei Ortsparteienvertreter aufgestockt.

Auf dem Schulareal Grünau soll dereinst die Dreifachsporthalle Birkenweg entstehen.

Auf dem Schulareal Grünau soll dereinst die Dreifachsporthalle Birkenweg entstehen.

(Bild: Olaf Kühne)

Indes haben sich zwischenzeitlich Dahinden und Owassapian wieder aus dem Gremium verabschiedet. Ersterer «aus persönlichen Gründen», Zweiterer «aus beruflichen Gründen», so die offiziellen Begründungen. Zu Dahindens Rücktritt hat nun in der Nacht auf Dienstag CVP-Präsident August Eisenbart namens seiner Ortspartei eine reichlich kryptische Mitteilung verschickt, in welcher er seinem Parteimitglied «für die Bereitschaft, zu versuchen, sein anerkanntes Fachwissen in das Gremium einzubringen», dankt. Der Kommission verpasst die CVP das Prädikat «speziell», erspart sich aber eine Begründung.

Peter Lenz und Markus Mettler bekämpften erfolgreich die Einlage zweier Millionen Franken in die Vorfinanzierung der Sporthalle.

Peter Lenz und Markus Mettler bekämpften erfolgreich die Einlage zweier Millionen Franken in die Vorfinanzierung der Sporthalle.

(Bild: Andrea Stalder)
Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann
Gemeindepräsident Sirnach

(Bild: Donato Caspari)

In seiner Mitteilung schreibt der Gemeinderat, dass zudem Schulkommissionsmitglied Gabriel Walzthöny die Baukommission verlassen hat, die Schule aber weiterhin durch Schulpräsident Urs Schrepfer vertreten ist. Und im Gespräch mit unserer Zeitung kontert Gemeindepräsident Kurt Baumann den einstigen Vorwurf der Flugblattschreiber Peter Lenz und Markus Mettler, die Baukommission habe die Kosten nicht im Griff. «Wir bewegen uns nach wie vor im Rahmen des 2017 bewilligten Planungskredites», sagt Baumann. «Und wir werden ihn auch bis zur Abstimmung im September nicht überziehen.»

Weiter betont Baumann, dass sowohl der kostspielige Architekturwettbewerb wie auch die Evaluation einer ebenfalls teuren Tiefgarage klare Aufträge der Gemeindeversammlung waren. «Zudem war das Siegerprojekt der Architekten Marcia und Mirko Akermann das kostengünstigste der drei prämierten Projekte», führt Baumann weiter aus – und gibt zu bedenken, dass die siegreichen Architekten im Falle eines «Übungsabbruches» gar die Möglichkeit hätten, Schadenersatz geltend zu machen. «Die Regeln eines Wettbewerbs nach den Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereines, der ja von der Gemeindeversammlung ausdrücklich gewünscht wurde, geben vor, dass die Sieger ein Anrecht auf Ausführung haben», erklärt Baumann. «Natürlich vorbehalten der Ablehnung des Baukredites an der Urne.»