Sirnach
Nach abruptem Abgang der Gemeindeschreiberin: Sirnacher Gemeinderat strukturiert Zusammenarbeit mit Verwaltung

Die überraschende Kündigung der Sirnacher Gemeindeschreiberin hat den Gemeinderat dazu veranlasst, externe Beratung beizuziehen. Nun will man die Zusammenarbeit zwischen Behörde und Verwaltung verbessern.

Olaf Kühne
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Das Sirnacher Gemeindehaus musste in der Vergangenheit zahlreiche prominente Abgänge verzeichnen. Das soll sich künftig ändern.

Das Sirnacher Gemeindehaus musste in der Vergangenheit zahlreiche prominente Abgänge verzeichnen. Das soll sich künftig ändern.

(Bild: Olaf Kühne)

Eine unbefriedigende Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Geschäftsleitung. So lautete die Begründung, mit welcher sich Gemeindeschreiberin Beatrix Kesselring diesen Frühling von der Gemeinde Sirnach verabschiedete. Weniger als zwei Jahre hatte sie diesen Posten inne, und es war auch nicht der erste prominente Abgang aus der Sirnacher Gemeindeverwaltung.

Aber es war der Abgang, der die bis anhin höchsten Wellen warf. Als sich dann Ende Mai auch noch die Ortsparteipräsidenten mit einer gemeinsamen öffentlichen Stellungnahme ins Spiel brachten, sah sich der Gemeinderat zum Handeln gezwungen. Mit Organisationsberater Othmar Fries holte die Behörde externe Hilfe.

Dass dieser Entscheid richtig war, zeigt der ausführliche Rechenschaftsbericht, welchen Gemeinderat und Geschäftsleitung nun gemeinsam veröffentlichen. Die zahlreichen Einzelgespräche, welche Othmar Fries mit Mitgliedern der Geschäftsleitung, mit Personalvertretern und schliesslich auch mit den Gemeinderäten führte sowie auch die drei Workshops, welche in dieser Zeit stattfanden, werden in der Mitteilung als «Klärungsprozess» bezeichnet.

Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann
Gemeindepräsident Sirnach

(Bild: Donato Caspari)

Bereits seit 2012 kennt Sirnach das sogenannte Geschäftsleitungsmodell. Das heisst, die Gemeindeschreiberin führt die Verwaltung, während sich die Gemeinderäte um das politische Geschäft in ihren Ressorts kümmern. «Dieses Modell ist nach wie vor gut und richtig», sagt Gemeindepräsident Kurt Baumann im Gespräch mit unserer Zeitung. «Es hat aber auch dazu geführt, dass die Berührungspunkte zwischen Politik und Verwaltung kleiner werden. Nur wurden so auch Reibungsflächen zu spät erkannt, Konflikte konnten sich aufstauen.»

Hier will man nun ansetzen: Künftig werden in der Verwaltung laufende Projekte und wichtige Aufgaben in einer Übersicht dargestellt, um so für die Gemeinderäte die zeitlichen Aspekte, die Kosten und nicht zuletzt die zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen besser aufzuzeigen. Ebenso will man eine jährliche Planung einführen und dabei die Priorisierung einzelner Projekte festlegen.

Und schliesslich soll auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz kommen: Gemeinderat und Geschäftsleitung sollen sich mehrmals jährlich treffen und dabei nicht nur Geschäftliches und Politisches besprechen, sondern auch am gegenseitigen Verständnis feilen.