Sirnach
Das Projekt nimmt Form an: Wie die Dreifachturnhalle aussehen soll und was sie kosten wird

Die Dreifachturnhalle am Birkenweg wird konkret. Der Sirnacher Gemeindepräsident Kurt Baumann präsentiert erstmals Zahlen und Fakten zum Bauprojekt.

Miguel Lo Bartolo
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Visualisierung der geplanten Dreifachturnhalle am Birkenweg.

Visualisierung der geplanten Dreifachturnhalle am Birkenweg.

Bild: PD

Es ist eine fürstliche Investition, über die Herr und Frau Sirnacher am
26. September abstimmen werden. Es geht um den Bau der Dreifachturnhalle am Birkenweg. Das Projekt soll rund 15 Millionen Franken kosten, inklusive Tiefgaragenbau gar 16 Millionen. Mit der nun vorliegenden Kostenrechnung erreicht das Projekt einen Meilenstein. Es wird konkret.

Im Holzkleid, rundum verglast und mit optionaler Tiefgarage (38 Parkplätze) präsentiert sich das Grossprojekt des Zürcher Architekturbüros MAK. Die Visualisierung zumindest suggeriert, dass man auf die Anregungen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eingegangen ist.

Kurt Baumann, Gemeindepräsident Sirnach.

Kurt Baumann, Gemeindepräsident Sirnach.

Bild: Donato Caspari

In ihrem jetzigen Zustand sei die Einfachturnhalle aus dem Baujahr 1985 nicht mehr tragbar, sagt Gemeindepräsident Kurt Baumann. Die Fassade und das Dach seien schon lange sanierungsbedürftig. Handlungsbedarf besteht sowohl aus energetischer als auch aus funktionaler Sicht.

«Wir haben steigende Schülerzahlen. Sirnach wird sich als Agglomerationsgemeinde unweigerlich weiterentwickeln müssen.»

Bereits jetzt habe man das Problem, dass Schulklassen zwecks mangelnden Platzes an Aussenstandorte verlagert werden, etwa nach Wiezikon oder Busswil. Grössere sportliche Anlässe seien unmöglich abzuhalten, weshalb auch die Vereine zuweilen in andere Einrichtungen ausweichen müssten. Die weitläufige Dreifachturnhalle soll da Abhilfe schaffen.

Flugblätter regten dezidierten Widerstand an

Vor diesem Hintergrund und mit Blick in die Protokolle vergangener Gemeindeversammlungen entsteht der Eindruck, das Projekt müsste durchgewinkt werden. So gaben 2017 beispielsweise 70 Prozent der befragten Sirnacher Vereinsmitglieder an, den Neubau der Dreifachturnhalle zu befürworten. Das Stimmvolk hiess seinerzeit einen Planungskredit über 480'000 Franken mit deutlichem Mehr gut. Und die Rückmeldungen, die der Gemeinderat nach der Ausstellung der 15 vielversprechendsten Architekturprojekte erhalten hat, waren «überwiegend positiv». Das beteuert Gemeindepräsident Kurt Baumann.

Und dennoch: Die Planung des Grossprojekts litt an teils heftigem Gegenwind. Namentlich an Flugblättern der beiden Sirnacher Peter Lenz und Markus Mettler. Sie kritisierten darin unter anderem die Abstimmungsvorlage vom 10. Januar 2021. Der Gemeinderat hatte im Mai des Vorjahres beantragt, zwei Millionen Franken aus dem Überschuss aus der Rechnung 2019 für die Vorfinanzierung der Dreifachturnhalle zu verwenden. Daraus sollte vorerst nichts werden. Die Flyer-Aktion der beiden Projektgegner war erfolgreich. Mit 54 Prozent der Stimmen wurde die Vorfinanzierung abgelehnt.

Lenz und Mettler geht es indes um weit mehr als die beantragte Vorfinanzierung. Das Projekt scheint den beiden generell zu missfallen. In einem Interview mit dieser Zeitung vom 7. Januar implizierten sie, die Dreifachturnhalle, wie sie das Zürcher Architekturbüro vorsieht, sei zu prunkvoll. Als überteuerte «städtebauliche Ikone» wurde das Projekt abqualifiziert.

Gemeindepräsident hält Meinungsmache für unseriös

Konkrete Richtwerte der Finanzierung liegen erst jetzt vor. «Deshalb hab ich mich auch darüber aufgeregt, dass einfach von irgendwelchen Zahlen geredet wurde», sagt Baumann. In ihrer Kritik haben Lenz und Mettler zudem ausschliesslich auf deutlich günstigere vergleichbare Projekte verwiesen. Dabei gebe es auch Beispiele im gleichen Preissegment. Etwa die geplante Dreifachturnhalle in Romanshorn (geschätzt auf 12,5 bis 15 Millionen Franken) oder die Doppelhalle am Bildungszentrum für Technik in Frauenfeld, deren Bau im November mit 67 Prozent gutgeheissen wurde – Kostenpunkt: 13,65 Millionen Franken. Baumann sagt:

«Man sollte immer den Einzelfall beurteilen. Das Projekt Dreifachturnhalle geht mit vielen Nebenschauplätzen einher.»

So sollen etwa der Hartplatz und die Beachvolleyball-Anlage verlegt und erneuert werden, die Werkräume unter der alten Halle erhalten bleiben. Mehrkosten von über 400'000 Franken verursacht auch der unvorteilhafte Baugrund, auf dem die neue Dreifachturnhalle errichtet werden soll.

Kosten des Hallenbaus nach Bauelementen

Bauelemente Kosten
Abbruch bestehende Einfachturnhalle 189'353.27
Anpassungen an bestehende Bauten (Werkräume) 467'778.50
Baukosten Dreifachturnhalle 12'254'500.18
Baugrund (Zusatzaufwendungen) 324'968.05
Umgebungsarbeiten 1'090'400.00
Ausstattung Turnhalle 744'700.00
Reserve 347'300.00
Abzug: Beitrag Kanton Sportfonds - 210'000.00
Abzug: Kosten Projektierungskredit - 324'000.00
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Total Kreditantrag 14'885'000.00

«Sei's drum», sagt Baumann. «Kritik gibt es immer.» Nur hätte er sich gewünscht, dass er zumindest das Projekt in seiner ganzen Komplexität an die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hätte herantragen können, ehe es bei deren vielen in Ungnade fallen würde.