Kommentar

Bürokratie vor Pandemie: Die Massnahmen des Kantons Thurgau gegen Corona sind sinnvoll, aber zurückhaltend

Der Thurgau geht mit seinen Einschränkungen für Clubs und Partys dort vor, wo er die meisten Ansteckungen feststellt. Für besorgte Bürger ist das aber ein zu zaghaftes Durchgreifen.

Silvan Meile
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 Silvan Meile, Redaktor Ressort Thurgau.

Silvan Meile, Redaktor Ressort Thurgau.

Bild: Reto Martin

Lange blieb der Thurgau auffallend verschont von der Coronapandemie. Und er wusste selbst nicht so recht, weshalb das so ist. Seit dieser Woche sind diese Zeiten vorbei. Der Höchstwert neu bestätigter Coronafälle wird täglich überboten. Das Virus trifft den Kanton immer härter. 72 neugemeldete Fälle waren es allein am Freitag.

Die Thurgauer Regierung hat deshalb verständlicherweise weitere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie beschlossen.

Dass die aufgrund der derzeit ernsten Lage an einer ausserordentlichen Sitzung beschlossenen Massnahmen erst in einer Woche gelten, weil dann das nächste Amtsblatt erscheint, mutet hingegen seltsam an.

Hier geht Bürokratie offenbar vor Pandemie. Das wirft die Frage auf, ob das nicht anders hätte aufgegleist werden können.

Mit einer Maskenpflicht an grösseren Veranstaltungen und Einschränkungen in Clubs geht der Kanton effektiv dort vor, wo er bisher die meisten Ansteckungen feststellte. Das ist natürlich sinnvoll. Für besorgte Bürger ist das aber ein zu zaghaftes Durchgreifen.

Eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Gebäuden wäre auch im Thurgau angezeigt, wie es etwa die Nachbarkantone Zürich, Schaffhausen und das grenznahe Ausland kennen. Nicht, weil dort die Ansteckungsgefahr am grössten ist. Aber damit hätte der Kanton ein noch deutlicheres Zeichen setzen können, wie ernsthaft die aktuelle Lage wirklich ist.

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