Singen, jagen, biken und politisieren –das Rezept der Lokalpolitik in Mammern

Nach acht Jahren als Gemeindepräsident von Mammern gibt Hansjörg Lang sein Amt ab. Der Landarzt mit dem charakteristischen Schnauz ist ein Liberaler alter Schule.

Margrith Pfister
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Hansjörg Lang per Velo unterwegs in seinem Mammern. (Bild: Reto Martin)

Hansjörg Lang per Velo unterwegs in seinem Mammern. (Bild: Reto Martin)

Tatsächlich. Hansjörg Lang, der über den Kanton hinaus bekannte Charakterkopf mit Schnauz, fährt mit dem Velo ins Mammermer Gemeindehaus. In der Natur schöpft er Kraft und findet Inspiration. Der See habe etwas Magisches. Lang schwärmt von herrlichen Sonnenaufgängen und Untergängen. Und sagt: «Politisieren war für mich schon immer ein Bedürfnis.»

Er blendet in seine Jugend zurück: Vater Heier Lang war Lehrer im Dorf. «Und mein Bruder Heier vertrat immer die linke Seite, die SP», sagt der FDP-Mann Lang. Am Familientisch gab’s anregende Gespräche. Heute kommen zwei seiner sechs Enkel zweimal pro Woche zum Zmittag. Hansjörg Lang strahlt: «Es ist sehr interessant mit meiner Frau Ruth, meinen Kindern und meinen Enkelinnen und Enkeln zu diskutieren.» Das gebe ihm viel Rückhalt.

26 Jahre war Hansjörg Lang im Kantonsrat und nun acht Jahre Gemeindepräsident. Ende Mai ist seine Amtszeit als Gemeindepräsident zu Ende. Vorgängerin Anita Dähler von der CVP wird seine Nachfolgerin.Lang sagt:

«Angefangen hat meine politische Karriere als Aktuar der Wasserkorporation Mammern.»

Was bleibt als markanteste Erinnerung vom Amt als Gemeindepräsident haften? «Das Jubiläumsjahr 25 Jahre Politische Gemeinde Mammern im 2018. An den Anlässen haben sich unvergessliche Begegnungen und Diskussionen ergeben.» Eine grosse Rolle spielt der Erhalt der Eigenständigkeit Mammerns. Mehr Freiheit und Selbstverantwortung, weniger Staat, heisst seine politische Maxime. Dabei seien Hoffnung und Zuversicht wichtig, obwohl sie als Prinzip nicht genügen. Lang präzisiert: «Es braucht gezielte Analyse und rationale Problemlösung.» Grundsätzlich suche er immer liberale Lösungen.

Investitionem stärken die Gemeindschaft

Investitionen seien wichtig für die Gemeinde. Er nennt eine ganze Reihe an Beispielen: das Basisstufenschulhaus, die neue Gemeindekanzlei im «Chretzer», das neue Badhaus, der Kulturpavillon in der ehemaligen Gemeindekanzlei und die Übernahme der Flurstrassen ins Netz der Gemeindestrassen. Als schwierigstes Kapitel seiner Amtszeit bezeichnet er die aktuelle Ortsplanung, wo Mammern den Auftrag erhalten hat, 2,7 Hektar Bauland auszuzonen. Gab’s auch Rückschläge? «Ja. Einsprachen verhinderten einen zukunftsträchtigen Gewerbebau. Und für den Bau eines Trottoirs mussten wir Land enteignen, weil der Landbesitzer nicht mitmachte.» Der Gewerbebetrieb stehe heute in Ermatingen.

Kämpfen wie ein Löwe werde er auch künftig für das Gedeihen von Familie, Freundeskreis, Vereinen, Gemeinde und Kanton. Lang windet mit strahlenden Augen seiner Ehefrau Ruth ein Kränzchen, die ihm stets den Rücken freihält. Und wie schafft man es, über Jahre sich für die Gemeinschaft einzusetzen? Lang sagt:

«Kümmere dich nicht um das, was über dich gesprochen wird. Öffne nie einen anonymen Brief. Nimm nur zur Kenntnis, was man dir direkt mitteilt.»

Schlagfertig, unerschrocken und auch mal streitbar, so zeigte er sich stets. Für den klaren Kopf brauche es Sport: Joggen, Velofahren oder Laufen mit dem Hund. Unumwunden gibt er zu, dass es ihm auch in Zukunft nicht an Aufgaben mangelt. Er sagt: «In der Praxis habe ich Ende Dezember 2018 aufgehört. Ende Mai ist meine Tätigkeit auf der Gemeinde zu Ende. Mein Einsatz gilt dann noch dem Schaufelraddampfer, der Familie und den vielen Hobbys vom Singen bis zum Holzen.»

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