Sieben Stücke, acht Frauen und eine Holle: Der Theaterverein Frauenfeld bringt in der neuen Saison Shakespeare und Missbrauch in der Kirche auf die Bühne

Im Frauenfelder Casino gilt bei Aufführung des Theatervereins in der neuen Spielzeit Maskenpflicht. Offizieller Saisonstart ist am 26.Oktober mit einem autobiografischen Stück. Auch Kindertheater findet wieder einen Platz im Programm, heuer mit «Frau Holle».

Mathias Frei
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Eine Szene aus dem Stück «Heilig Abend».

Eine Szene aus dem Stück «Heilig Abend».

(Bild: PD/Joachim Hiltmann)

Es beginnt mit einem Schicksalsschlag, der bewegt, aber auch ermutigt: «Mein Blind-Date mit dem Leben». Passt irgendwie zu dieser, man könnte sagen, schicksalhaften 62.Spielzeit des Theatervereins Frauenfeld. Die Coronapandemie macht vieles anders. Was bleibt, sind die Vielfalt und die Qualität des Programms, das sieben Stücke umfasst, dazu eine Inszenierung für die ganze Familie, wieder mit dem Märli-Theater Zürich, sowie ein nachgeholte Aufführung aus dem Lockdown. Es sind Schauspiele, die betroffen machen, zum Beispiel in «Zweifel» die Missbrauchsproblematik in der Institution Kirche, die aber auch beeindrucken, etwa das Rock-Musical «Rock me Hamlet». Theatervereinpräsident Louis Räber freut sich:

«Noch nie hatten wir für eine Aufführung so viele Schauspieler und Musiker zu Gast wie beim Shakespeare-Musical.»

Das erste Mal diesen Herbst ist der Theaterverein bereits kommenden Dienstag, 20.Oktober, mit Robert Thomas’ bekannter Krimikomödie «Acht Frauen» im Casino zu Gast. Aus dem Lockdown im Frühling konnte das Stück verschoben werden. Offiziell startet die Saison aber erst am 26.Oktober mit «Mein Blind-Date mit dem Leben». Es ist die wahre Geschichte eines Deutsch-Singhalesen, der als Teenager fast vollständig erblindet, nicht in die geschützte Werkstatt, sondern ein selbstbestimmtes Leben führen will. Was ihm gelingt.

Zum Start eine Geschichte, die das Leben schrieb

Die Spielzeit 2020/21 beginnt am 26. Oktober mit «Mein Blind Date mit dem Leben» nach der Autobiografie von Saliya Kahawatte. Aber bereits am 20. Oktober ist der erste Termin im Casino. Zur Aufführung kommt die Kriminalkomödie «Acht Frauen», die nach der pandemiebedingten Absage im Mai nachgeholt wird. Am 16. November steht der Krimi «Die zwölf Geschworenen» von Reginald Rose auf dem Programm. Weiter geht es am 10. Dezember mit Daniel Kehlmanns Psychostudie «Heilig Abend». Einen Höhepunkt bildet die Shakespeare’sche Musical-Tragödie «Rock me, Hamlet» am 28. Januar 2021. Am 17. Februar steht das biografische Stück «Marie Curie» von Susanne Felicitas Wolf an. «Jahreszeiten» am 30. März ist ein Schauspiel nach einem Roman von Peter Bichsel. Den Abschluss bildet am 21. April «Zweifel» von John Patrick Shanley. Die Aufführungen im Casino beginnen immer um 19.30 Uhr. Eine Ausnahme bildet das Kinderstück «Frau Holle» am Samstag, 19. Dezember. Da ist Start um 14 Uhr. (ma)

Gegen Ende Jahr zwei psychologische Studien

Schauspielerin Anja Klawun im Stück «Marie Curie».

Schauspielerin Anja Klawun im Stück «Marie Curie».

(Bild: PD/Hermann Posch)

Der Theaterverein tut das einzig Richtige in diesen Zeiten – und setzt auf bewährte und bekannte Theatercompagnien wie das A.gon-Theater, Theaterlust oder die Konzertdirektion Landgraf. Gegen Jahresende kommen zwei psychologische Studien auf die Casinobühne. In «Die zwölf Geschworenen» geht es um Vorverurteilungen und darum, wer Gerechtigkeit definiert. Ein Wettlauf gegen die Zeit steht bei «Heilig Abend» im Zentrum. Ein Verhörspezialist sitzt einer mutmasslichen Terroristin gegenüber. Es bleiben genau 90 Minuten, um einen Anschlag zu verhindern.

Verhindern will der Theaterverein, dass sich Casinogäste unwohl fühlen. «Aus diesem Grund haben wir die Zahl der Sitzplätze gewissermassen halbiert», sagt Vereinspräsident Räber. Statt rund 600 Personen, die im Casino Platz hätten, erhalten nun maximal 300 Einlass (Personen im Saal). Zudem gilt im ganzen Casino Maskenpflicht, und es werden Kontaktangaben für ein allfälliges Contract-Tracing gesammelt. So ist es möglich, dass die Abonnenten auf ihren angestammten Plätzen sitzen können. Wie Magnus Thurnherr, im Vorstand für die Medienarbeit zuständig, sagt, wären wohl mehr als 300 Personen möglich. Eine ab dieser Veranstaltungsgrösse notwendige Sektorenlösung sei aber für den Theaterverein aktuell nicht umsetzbar.

«Wer Abonnent ist, hat – Stand heute – einen Sitzplatz auf sicher.»

Das sagt Räber. Er kann – Corona zum Trotz – von einer strukturellen Neuerung berichten. Seit Anfang September verfügt der Theaterverein über eine bezahlte Geschäftsstelle im tiefen Prozentbereich. «Damit wollen wir den Vorstand entlasten», sagt Räber.

Aus dem Kriminalstück «Die zwölf Geschworenen».

Aus dem Kriminalstück «Die zwölf Geschworenen».

(Bild: PD/Sascha Funke)

Klassiker: Shakespeare und Bichsel

Nächsten Frühling läuft «Jahreszeiten» nach dem gleichnamigen Roman von Peter Bichsel.

Nächsten Frühling läuft «Jahreszeiten» nach dem gleichnamigen Roman von Peter Bichsel.

(Bild: Roland Schmid/AZ)

Als einen Höhepunkt der neuen Spielzeit bezeichnet der Präsident das Rock-Musical «Rock me, Hamlet» der Opernwerkstatt am Rhein aus dem Grossraum Köln. Shakespeares klassischer Hamletstoff trifft auf Popkultur. 15 Schauspieler stehen auf der Bühne und werden von einer sechsköpfigen Band live begleitet. Kurz gesagt: ganz grosses Kino. Zum zweiten Mal ist ein Stück des Theaters Orchesters Biel Solothurn im Programm. «Jahreszeiten» nach dem Roman des wunderbaren Peter Bichsel feiert im März 2021 Uraufführung und bringt noch im gleichen Monat die Geschichte des tomatenroten Hauses nach Frauenfeld.

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